Oberriexingen (rkü) – Die Grundschule in Oberriexingen ist für ihr ungewöhnliches Konzept bekannt. Statt einer Projektwoche in der Mitte oder am Ende des Schuljahres gibt es ein umfassendes Kunst- und Theaterprojekt, das sich über die gesamte Schulzeit erstreckt. Künstler unterstützen das Schulteam, am Donnerstag kommt sogar der Kultusminister zu Besuch.
Schulleiterin Ingrid Jäger-Gutjahr freut sich über das große Engagement des zwölfköpfigen Kollegiums und der 16 weiteren Mitwirkenden, die den Alltag der 165 Grundschüler in Oberriexingen abwechslungsreich gestalten. „Ich kann denen aber doch nicht einfach eine Woche frei geben und mehr Geld bekommen sie auch nicht“, bedauert die Rektorin. „Aber es ist eine Wertschätzung, wenn jetzt der oberste Dienstherr zu Besuch kommt und sich in Oberriexingen über unsere Arbeit informiert.“ Um sich dem Gast von ihrer besten Seite zu zeigen, werden die Schulklassen am kommenden Donnerstag (11. Dezember) zahlreiche Projekte präsentieren. Die Schüler bleiben an ihrer jeweiligen Station, der Minister und zahlreiche weitere Gäste wie der Landrat und der Bürgermeister werden sich bei einem Rundgang einen Überblick verschaffen.
Manchen Schülern fallen die Aufgaben in Hauptfächern wie Deutsch oder Rechnen leicht, andere kommen trotz großer Anstrengungen auf keinen grünen Zweig – nicht in diesen Fächern. Doch an der Grundschule sollte jeder Schüler seine Erfolgserlebnisse verbuchen können. Sei es im Sport-, Kunst- oder Musikunterricht. Getreu dem Anspruch „Jeder kann was“ ist das Kunst- und Theaterprojekt in Oberriexingen an alle Schüler gerichtet. Dabei ist es keineswegs der Ersatz für Lernerfolg im Unterricht. Vielmehr lernen die Kinder hier durch anschauliche Beispiele und ungewöhnliche Motivation, was im klassischen Unterricht manchmal zu kurz kommt. Lehrerin Simone Hasenohr erläutert: „Der Künstler Claude Monet hat zu seinem Geburtstag gerne Orangenkuchen gegessen. Also haben die Kinder im Deutschunterricht ein Backrezept für Orangenkuchen verfasst.“ Wenn Flaggen gebastelt wurden, mussten die jeweiligen Klassen berechnen, welche Muster an welche Stelle gehören. Mit Hilfe einer Zeitleiste, auf die der Lebenslauf eines bekannten Künstlers aufgetragen wurde, ließ sich das Alter seiner Kinder zu einem beliebigen Zeitpunkt ablesen. Die Verbindung verschiedener Fächer und die Fähigkeit, vernetzt zu denken, sieht Ingrid Jäger-Gutjahr als Grundlage, den Schülern die oft geforderten Schlüsselqualifikation für ihre weitere Laufbahn zu geben.
In Oberriexingen sollen die Grundschüler nach aktuellen pädagogischen, aber auch neurobiologischen Erkenntnissen unterrichtet werden. „Damit ein erfolgreiches Lernen möglich ist, braucht es einen Cocktail aus Oxytocin, körpereigenen Opioiden und Dopamin“, erläutert die Schulleiterin. Oxytocin sei ein Stoff, der dafür sorge, sich gerne auf seinen Gegenüber einzulassen. Das als Glückshormon bekannte Dopamin und die körpereigenen Opioide sind bei der Stressbewältigung hilfreich und bereiten gute Laune. All diese Stoffe kann der Körper selbst ausschütten, wenn die entsprechenden Sinne angesprochen werden. Ein Grund mehr, keinen trockenen Unterricht anzubieten, sondern die Lerninhalte auf vielfältige Weise zu vermitteln.
Immer wieder kommen Künstler in die Oberriexinger Grundschule, um in diesem Sinn für Abwechslung zu sorgen. Thematisiert werden bei dem Projekt Leben und Werk bekannter Künstler wie Gauguin, Hundertwasser und Matisse. Zum Schuljahresende soll im Rahmen eines „Museumsabenteuers“ in der Schule mit Ausstellung und Theater all das vorgestellt werden, was die Grundschüler im Lauf des Jahres erarbeitet haben.
