Vaihingen (aa) – An Gerüchten ist meistens ein Fünkchen Wahrheit. So wird in den letzten Tagen – vorsichtig ausgedrückt – von gewissen finanziellen Engpässen des Turnvereins Vaihingen gesprochen. Dabei spielt die Tennishalle im Egelsee eine zentrale Rolle. Die Vaihinger Kreiszeitung hat nachgefragt. Was ist wirklich dran an der Sache?
Im Rathaus Vaihingen trifft sich eine große Runde. Der Oberbürgermeister und sein Kämmerer, der TVV-Vorsitzende mit seinem zuständigen Team. Es soll eine abgestimmte Erklärung auf die Fragen der VKZ erfolgen. Fakt ist: Der Stadt ist die Tennishalle zum Kauf angeboten worden. Fakt ist auch: Die im Jahre 1990 eingeweihte Anlage wirft nicht den Erlös ab, den die Betreiber – eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts, bestehend aus dem TV Vaihingen zu zwei Dritteln und dem Privatinvestor Manfred Kalweit) – benötigen, um von den Verpflichtungen gegenüber den Banken runterzukommen.
Der Ertrag war offensichtlich nie so gut, dass neben den Zinszahlungen und den Kosten für die Unterhaltung eine nennenswerte Tilgung geleistet werden konnte. „Wir kommen nicht von den Schulden runter“, wird gesagt. Und jetzt wären nach fast 20 Jahren Betrieb bei einer Sanierung Investitionen erforderlich, „die zurzeit einfach nicht aufzubringen sind“, gibt Vorsitzender Dietrich Schreek unumwunden zu. „Ich hätte Probleme, das den Mitgliedern zu erklären.“ Man müsse sich die Frage stellen, ob der weitere Geldeinsatz letztlich Sinn mache, „wenn der Ertrag nicht da ist“. Über konkrete Zahlen will man allerdings in dieser Runde und vor der Öffentlichkeit nicht reden. Es muss allerdings nicht groß spekuliert werden, dass es sich hier um sechsstellige Euro-Beträge handelt. Immerhin: Die Halle, in der sich auch die Geschäftsstelle des TVV befindet, wurde mit Baukosten von 2,1 Millionen Mark abgerechnet.
„Aus Idealismus
eingestiegen“
Damals boomte der Tennissport in Deutschland. Boris Becker und Steffi Graf hatten dafür gesorgt. „Neue Tennishalle füllt Marktlücke“, schrieb die VKZ zur Einweihung der drei Felder umfassenden Anlage und feierte das größte Projekt des Turnvereins freudig mit. Die Tennisabteilung des TVV hatte zu jener Zeit 520 Mitglieder; es gab einen Aufnahmestopp. Chef in der Abteilung war Walter Knapper, bei den Hallenplanungen liefen die Fäden bei Vize Hans-Dieter Eisinger zusammen; der Hauptverein wurde von Siegfried Steinbronn geführt. „Aus Idealismus“ sei er damals in die GbR eingestiegen, meint Investor Manfred Kalweit. Zur Einweihung kam im November 1990 sogar Ministerpräsident Lothar Späth.
Heute suchen nicht nur die Vaihinger Tennisspieler händeringend Mitglieder. Nahezu 200 Namen weniger als 1990 zahlen für die Abteilung einen Beitrag. Das schlägt sich auch in den Belegungszahlen der Halle nieder. Ringsum sind in den letzten Jahren Anlagen geschlossen worden; in Mühlacker wurde aus der Halle ein Spieleland, in Bietigheim-Bissingen wird in der Tennishalle gekickt, die Sersheimer Halle wurde abgerissen… Ob es richtig war, einst auch ein Angebot für den Squash-Sport (drei Felder) zu machen, haben viele schon von Anfang an bezweifelt. Da lief und läuft nicht viel. Hier sei immer ein großer Zuschussbedarf aufgelaufen, wird eingeräumt. Und insgesamt fehle einfach ein aktiver Betreiber.
In Vaihingen kann und will man sich der allgemeinen Entwicklung nicht verschließen. Die Probleme sind erkannt und sollen gelöst werden. „Sie dürfen nicht zum Klotz am Bein des TVV werden“, sagt Vorsitzender Schreek, der Wert auf die Feststellung legt, „dass es keine dramatische Situation für den Verein gibt“. Die hat aber ganz offensichtlich die GbR - mit dem TVV als Gesellschafter. Und deshalb der Versuch, die Stadt für die Halle zu begeistern.
Stadt will versuchen
zu helfen
Im Rathaus hält sich die Freude über das Angebot zunächst allerdings in Grenzen. Oberbürgermeister Gerd Maisch stuft es zwar durchaus als richtig ein, dass sich ein Verein zunächst an die Stadt wendet, wenn er ein Problem hat „und wir dann nicht nur darüber nachdenken, sondern auch versuchen zu helfen“.
Aber wie? Zunächst ist die Stadt angehalten, Flächen für ein Schulsportangebot vorzuhalten. „Hier kommen wir stundenplanmäßig in der Kernstadt gerade so hin“, ist die Einschätzung des OB. Und sein Kämmerer nickt. Die Lage der Tennishalle im Egelsee wird eindeutig nachteilig für den Schulsport eingestuft (zu weit weg von den Schulen). Weiteres Handicap: Der Grund und Boden gehört einer Erbengemeinschaft und ist dem TV zunächst für 30 Jahre und dann optional nochmals für 30 Jahre überlassen.
Dringender Hallenbedarf wird indessen immer wieder für den Vereinssport angemahnt, vor allem durch FDP-Stadtrat Friedrich Wahl, den langjährigen 2. Vorsitzenden des TVV (inzwischen allerdings nicht mehr im Amt, jedoch als Ansprechpartner für die GbR tätig), der seit Jahren eine weitere Sporthalle fordert.
„Wir werden untersuchen, ob der Umbau der Tennishalle in eine klassische Sporthalle – vielleicht mit Schwerpunkt Ballsport für alle interessierten Vereine – möglich wäre und welche Konsequenzen, sprich Kosten, das nach sich ziehen würde“, sagt OB Maisch und hat schon erste Zwischenergebnisse: „Es wäre nicht dramatisch günstiger als ein Neubau. Aber wir sind noch nicht durch mit der Prüfung der Alternativen.“ Und Kämmerer Jürgen Liegmann merkt nüchtern an: „Das Thema ist nicht in der Finanzplanung enthalten.“ Aus seiner Sicht sollte am Ende aus einem möglichen Deal aber jeder profitieren.
„Wir wollen die Halle
nicht verscherbeln“
Wie geht es weiter? „Die Halle steht nicht zum Verkauf, wir wollen sie nicht verscherbeln und eine Lagerhalle daraus machen“, unterstreicht Dietrich Schreek. „Wir freuen uns, dass die Gaststätte gut läuft.“ Der Sportbetrieb soll normal weiterlaufen. Belegungszeiten können gebucht werden. Und dann hofft man auf ein Signal der Stadt, das natürlich nicht nur von der Verwaltung, sondern vom Gemeinderat kommen muss. Da gibt es in der letzten Zeit ja ein Modewort: Rettungsschirm.
