Kein Kino in der Vaihinger Peterskirche
Vaihingen – Das Vaihinger Kinoprojekt ist vorerst vom Tisch. Der Sozial- und Kulturausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung den Plänen nicht zugestimmt und damit einem Kino in der Peterskirche einen Riegel vorgeschoben. Die Stadt will das Vorhaben aber nicht aus den Augen verlieren.
Damit hatten Oberbürgermeister Gerd Maisch und der Vaihinger Videothekenbetreiber Michael Eisinger nicht gerechnet. Nachdem der Vaihinger Stadtteilausschuss am Montag grünes Licht für ein Kino in der Vaihinger Peterskirche gegeben hatte, sorgte der Sozial- und Kulturausschuss des Gemeinderats am Mittwoch für das Aus des Projekts. Das Kuriose daran: Die Stadträte, die in dem Ausschuss sitzen, konnten sich nicht einigen und sorgten damit für eine Blockade.
Der Plan der Stadtverwaltung sah vor, dass ab Januar 2009 ein halbes Jahr lang zum Test jeden Samstag aktuelle Kinofilme in der Peterskirche gezeigt werden. Drei Vorstellungen hätten jeweils stattfinden sollen: ein Kinderfilm, eine Komödie und ein Actionstreifen. Das Projekt sollte in Zusammenarbeit mit Michael Eisingers Gesellschaft Media World und in Kooperation mit dem Bietigheimer Kino verwirklicht werden.
Die Idee, in Vaihingen nach nahezu 20 Jahren wieder ein Kino zu eröffnen, kam im Sozial- und Kulturausschuss gut an. Einige Stadträte hatten nur mit der vorgesehenen Örtlichkeit ein ernsthaftes Problem. Die Peterskirche hätte für den Filmbetrieb samstags für andere Anlässe komplett gesperrt werden müssen. „Betroffen wären aber lediglich sechs oder sieben Veranstaltungen“, sagte Oberbürgermeister Gerd Maisch.
Die restlichen Ausschussmitglieder sahen das zum größten Teil anders. Von einem Schlag gegen die Vaihinger Künstlerszene war gar die Rede. „Wenn die Testphase gut verläuft, müssen die Künstler endgültig raus“, befürchtete Joachim Burkhardt (SPD, Roßwag). Schließlich könne man ein Projekt nach einem erfolgreichen Test nicht einfach stoppen. In die gleiche Richtung argumentierte Susanne Schwarz-Zeeb (Grüne, Vaihingen): „Wenn der Test ein gutes Ergebnis bringt, dann können wir nicht einfach den Ort wechseln.“ Damit wäre die Peterskirche „ein dauerhafter Standort“. Und das bereite der Kommunalpolitikerin Bauchschmerzen.
Matthias Siehler (Freie Wähler, Enzweihingen) lagen nicht nur die Kunstschaffenden am Herzen, auch die Peterskirche an sich hält er nicht für geeignet. „Ich will keine Filme, die religiöse Gefühle beeinträchtigen könnten in einer ehemaligen Kirche sehen“, erläuterte er. Er könne nur zustimmen, wenn dies und das Überleben der Vaihinger Künstlerszene gleichzeitig sichergestellt sei.
Joachim Burkhardt monierte nicht nur den vorgeschlagenen Standort, sondern auch die Informationspolitik der Stadtverwaltung. „Wir wurden über das Projekt zu spät informiert. Ich hätte gerne im Vorfeld ein Wörtchen mitgesprochen“, klagte er. Unzureichend informiert sah sich aber auch Sieglinde Kühnle (Freie Wähler, Kleinglattbach). „Uns wird hier etwas schlagartig übergestülpt.“ Außerdem wolle sie von einem solchen Vorhaben nur ungern aus zweiter oder dritter Hand erfahren. Gerd Maisch wies die Vorwürfe zurück: „Wir haben den Ausschuss rechtzeitig in Kenntnis gesetzt.“
Burkhardt stellte einen Antrag auf Vertagung der Diskussion und regte einen Runden Tisch mit den Künstlern an, um Alternativen zu finden. „Gegen das Kino bin ich nämlich nicht, nur gegen die Peterskirche“, sagte er. Sein Vorschlag wurde mit neun Nein-Stimmen abgelehnt. Sieben Räte stimmten dafür. Eine negative Entscheidung zum Thema Kino schien damit abgewendet.
Ein besseres Ergebnis brachte aber auch der Vorschlag von Margit Fox-Rappold (FDP, Vaihingen) nicht ein. „Mit einem Kino in der Peterskirche sperren wir die Künstler unserer Stadt aus“, sagte sie. Man müsse daran denken, dass diese dann eventuell in Nachbargemeinden abwandern könnten. Deshalb verlangte sie eine kleine Änderung des Konzepts: Die sechsmonatige Testphase solle „nicht am Stück“ durchgeführt, sondern durch „Künstlerpausen“ immer wieder unterbrochen werden. Ergebnis der Abstimmung: sechsmal Ja und siebenmal Nein. Abgelehnt.
Noch weniger Ja-Stimmen gab es für den eigentlichen Plan von Stadtverwaltung und Media World. Fünf Räte hoben ihre Hände. Damit war auch das ursprüngliche Konzept vom Tisch. Durch die Ablehnung, der beiden positiven Alternativen kam, was viele Stadträte eigentlich gar nicht wollten: Das Aus für das Vaihinger Kinoprojekt.
Michael Eisinger ist enttäuscht: „Ich denke, dass die Mehrheit der Vaihinger ein Kino möchte“, spekulierte er auf Nachfrage der Vaihinger Kreiszeitung. Er glaube, dass im Grunde viele Stadträte dafür gewesen seien, sich nur nicht hätten einigen können. Eisinger sagte, dass er aber auch in Zukunft für ein Kinoprojekt in Vaihingen zur Verfügung stehe.
Auch die Stadt möchte ein Kino noch nicht ganz abschreiben. „Wir wussten, dass die Abstimmung knapp werden wird und bleiben weiter an der Idee dran“, sagte Hauptamtsleiter Hans Rentschler gestern.
Philipp-Marc Schmid
05/12 2008
KOMMENTAR
Gestorben
Die Idee vom Kino in der Peterskirche ist endgültig gestorben. Doch das eigentliche Problem lebt weiter: Die kinofreie Zeit, die in Vaihingen seit nahezu 20 Jahren herrscht, hat kein Ende gefunden. Natürlich wäre die Peterskirche langfristig nicht der perfekte Ort für Filmvorstellungen. Für einen ersten Versuch wären die Räume jedoch in Ordnung gewesen. Die Künstler hätten die halbjährige Testphase verkraften können – zumal sie sicherlich Ersatzräume gefunden hätten.
Grundsätzlich sind viele Stadträte für ein Kino in Vaihingen. Doch mit ihrer Haltung gegenüber einem Testbetrieb in der Peterskirche stehen sie sich nur selbst im Weg. Denn die Innenstadt wird durch das Aus des Kinoprojekts sicherlich nicht lebendiger. Außerdem hätte die Testphase wichtige Erkenntnisse über die tatsächliche Nachfrage nach einem Kino liefern können. Diese Daten fehlen jetzt. Kein Unternehmen wird in einen Filmbetrieb investieren, ohne vorher die Nachfragequote zu kennen. Das Risiko, tief in den roten Zahlen zu versinken, ist zu groß.
Ob die Filmrollen unterm Kaltenstein jemals wieder ins Rollen kommen, weiß keiner. Fest steht nur, dass die Vaihinger auch weiterhin ihr Geld für Kinobesuche in andere Städte in der Umgebung tragen müssen.
Philipp-Marc Schmid
