Montag, 21. Mai 2012

Erstes Ja zum Peterskirchen-Kino


03/12 2008

Erstes Ja zum Peterskirchen-Kino

Vaihingen (aa) – Wenn es nach dem Stadtteilausschuss geht, wird die Vaihinger Peterskirche im ersten Halbjahr 2009 zum Kinosaal. Zumindest für ein halbes Jahr. Mit 13:6 Stimmen sprach sich der Ausschuss am Montagabend für den Versuch aus. Heute hat der Sozial- und Kulturausschuss (SKA) das letzte Wort.
„Ich bin mir durchaus bewusst, dass wir mit dem Vorschlag eine kontroverse Diskussion auslösen“, meinte Oberbürgermeister Gerd Maisch. Doch es gebe kein Thema, auf das er so oft angesprochen werde. Langfristig könne man sich eventuell eine Lösung in der Grabenstraße vorstellen (siehe Haushaltsrede in der VKZ vom 22. November). Warum gerade die Peterskirche als Kino? Vor allem die Kulturschaffenden sind in heller Aufregung, fürchten um ihren Ausstellungs-, Konzert- oder Theatersaal. Der „kunstverein enz“ hat alleine am Wochenende 160 Unterschriften gegen die Kino-Variante gesammelt, weitere Protestaktionen laufen noch.
„Wir haben in der Stadt keinen anderen geeigneten Raum“, erklärte Wirtschaftsförderer Thorsten Leupold. Bis zur Decke brauche man bei einer Leinwandgröße von fünf mal sieben Metern nahezu sieben Meter Platz. Der Löwensaal der Stadthalle oder der Büchereikeller seien ungeeignet. In der Kelter müsste erst mit hohem Aufwand saniert werden, auch das Enßle-Gebäude in den Köpfwiesen sei in einen Suchlauf aufgenommen gewesen (Säulen und zu geringe Höhe).
Insgesamt sei das Vaihinger Einzugsgebiet zu klein für ein Kino, bekomme man immer wieder von Experten gesagt. Auf der anderen Seite sei das Fehlen eines Kinos unter anderem im Einzelhandelskonzept als großer Mangel herausgestellt worden. Deshalb wolle man jetzt einen Versuch wagen mit einem Samstagsangebot.
Die Media-World GbR (Michael Eisinger) und die Stadt Vaihingen wollen eine gleichberechtigte Partnerschaft eingehen – „in Freud und Leid“ (OB Maisch). Rechnen dürfte sich der Filmabend – es sollen ab 16 Uhr jeweils in Kooperation mit dem Kino in Bietigheim-Bissingen drei aktuelle Streifen laufen – ab 200 Besuchern pro Tag. Und am Samstag führt nach Aussage der Fachleute kein Weg vorbei: „Er ist der stärkste Besuchertag.“
„Niemand ist gegen Kino. Es ist nur die Frage: zu welchem Preis?“, meinte zum Beispiel Ulrike Schmidt-Hitschler. In der Peterskirche werde die andere Kultur verdrängt. Und was sagt eigentlich unsere neue Kulturamtsleiterin?" – „Kino ja, aber nicht in der Peterskirche“, fand auch Friedrich Wahl. Man habe doch von Gündelbach bis Riet sicher leer stehende Hallen. Das müsse man untersuchen. „Die Rahmenbedingungen für die Kultur werden damit insgesamt schlechter“, mahnte Lars Keller, der die Gegenüberstellung der ausfallenden Veranstaltungen als Milchmädchenrechnung bezeichnete. Laut Erhebung der Stadt gab es 2007 neun Veranstaltungen an Samstagen, 2008 waren es 16, davon fünf bzw. sieben im ersten Halbjahr.
Was ist mit dem
alten Kino?
Ins Gespräch gebracht wurde unter anderem die Enzweihinger Halle (Ulrich Grau), die Tennishalle beim Verkehrsübungsplatz, der bisherige Standort der WG Roßwag (Eberhard Zucker) und natürlich auch das alte Kino in der Hans-Krieg-Straße (Gerhard Wilhelm). Zum Thema altes Kino Oberbürgermeister Maisch: „Es gab früher schon Gespräche, da gab es keine Bereitschaft, etwas zu machen. Und die Säle sind für heutige Verhältnisse auch zu groß.“ Und zur neuen Kulturamtsleiterin: „Es ist natürlich geschickt, wenn man etwas verschieben kann. Aber man kann nicht immer warten, bis sich jemand eingearbeitet hat. Sie müssen die Sache entscheiden.“
Martin Braun vermisste ein Dauerkonzept und sah ähnliche Risiken wie Armin Zeeb, Martin Braun und Dietrich Hauser: „Was machen wir, wenn es positiv läuft?“ Dies hat auch Gerd Maisch durchaus erkannt: „Dann zu sagen, wir machen nicht weiter, wäre unheimlich schwer.“ Aber eines sei auch sicher: „Die Stadt baut kein Kino.“ Letztlich überwog die „Probieren-wir’s-Koalition“, wie es auch Peter Schimke empfohlen hatte. Doch auf einen Zwei-Wochen-Rhythmus will man sich nicht einlassen. OB Maisch: „Es muss klar sein, samstags ist Kino.“ Ausnahmen gibt es bereits jetzt genug. So sind zwei langfristig gebuchte Veranstaltungen natürlich geschützt und auch am Maientag wird es kein Kino geben. Und was wird aus dem Mittwochskino in der Stadthalle? Wie aus dem Rathaus zu erfahren ist, soll es auf jeden Fall weiterhin betrieben werden – in Absprache. Nicht dass mittwochs und samstags die gleichen Streifen über die Leinwand flimmern.


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