Die Frage muss erlaubt sein: Macht das alles nach 25 Jahren noch Spaß? Und da sind wir schon beim ersten Trugschluss. Das mit dem 25-jährigen Bestehen der Comedy-Gruppe „Die Kleine Tierschau“ zieht sich schon über zwei Jahre, denn 1981 hatten Michael Gaedt (gelernter Steinmetz, Schiffsjunge und Bordmechaniker in allen Lagen, Entertainer, Pyromane und Artist in besonders schweren Fällen), Michael Schulig (verdienter Ex-Student lebenswichtiger Fächer wie Musikwissenschaften und Philosophie und hintersinniger Komiker mit Hang zu französischen Mühlsteinen) und Ernst Mantel (abgebrochener Kunsthistoriker mit Vorliebe für schwäbisch-dialektisches Kabarett und versierter Kenner des deutschen und internationalen Liedguts) ihren ersten Auftritt in Stuttgart.
Früher waren die Jungs von der Ostalb der Knaller der Szene. Sie begnügten sich auf dem Land noch mit kleinen Sälen. Der Kanne-Saal in Mühlacker-Dürrmenz, die Peterskirche 1984 in Vaihingen beim „Kulturado“ – heute füllen sie die Hallen im Tagestakt. 700 begeistere Zuschauer am Samstagabend in der Vaihinger Stadthalle, die obligatorischen drei Zugaben, der Beifall, die Stimmung – daraus ziehen Gaedt, Schulig und Mantel die Kraft für die 200 Auftritte im Jahr.
Das Trio aus Heubach ist ein Phänomen. Obwohl viele Gags im Laufe der Jahre abgenudelt, manche Gesangseinlagen kaum verständlich, viele Nummern bekannt sind – das Publikum geht ungebremst mit, lauert begierig auf die Freiwilligen-Nummer, die Gaedt – fies wie immer – richtiggehend zelebriert. Bei der „Schbiedesle“-Veranstaltung in der Vaihinger Stadthalle musste Lutz ran. Natürlich aus den hinteren Reihen. Gaedt fischt sich sein Opfer heraus, schleppt es auf die Bühne und platziert es auf der Turban-Wickel-Maschine.
Das ist Kult bei der Tierschau. Oder die Zugabe-Nummer mit dem Schlauchboot: Michael Gaedt lässt sich durch das Publikum treiben, während Michael Schulig und Ernst Mantel in Matrosenanzügen wehmütig „Alo Ahe“ singen. In Vaihingen ist wenigstens an diesem Abend das Schlauchboot neu – das alte ging am Freitag in Tettnang kaputt.
In der Pause der zweieinhalbstündigen Geburtstagsgala mit den 25 besten Nummern sagen die Anarcho-Comedians, dass es ihnen immer noch Spaß macht, auf der Bühne zu stehen. Sie erinnern sich sogar an ihren ersten Auftritt in Vaihingen: „Gibt es die Kirche immer noch?“
Die Peterskirche gibt es noch, genauso wie die klassischen Nummern der Tierschau. Aus den Programmen „Rummel um Die Kleine Tierschau“, „Landfunk und Scheunentrash“ oder „Import Export“ hat das Musikcomedytrio einige der schönsten, wildesten und ulkigsten Nummern hervorgekramt. Nachdem sie zunächst als ihre eigene Vorgruppe Stamheim auftritt („Mit nur einem m, weil wir eigentlich aus Zuffenhausen kommen“) marschiert sie „Caravan of Love“ singend im Wohnmobil-Outfit erneut auf der Bühne der Vaihinger Stadthalle ein. Später darf man sie als todesmutige Kleinstmotorrad-Stuntmen erleben oder als Playmobil-Figuren bei der Village-People-Persiflage, bei der aus „YMCA“ eine Hymne an den ADAC wird. Oder die Gugge-Musik-Nummer: I muss a „lidl“ singe, „aldi“ weil i dran sei, „minimal“ bin i zu spät dran, „obi“ was an der Waffel hät.
Verkleidungen und Entblößungen, Sketche, Wortspielereien und musikalische Höchstleistungen wie Rockmusik im weich gespülten Bossa-Nova-Sound. Und natürlich darf auch der Hang zum Monströsen nicht fehlen, wenn das knatternde Boxauto vom Tüv durchgecheckt wird.
Die Geburtstagsgala der Kleinen Tierschau soll jetzt endgültig zu Ende sein. Vielleicht noch ein paar Auftritte im Theaterhaus in Stuttgart. 700 Leute in der Vaihinger Stadthalle, im Frühjahr eine ausverkaufte Sport- und Kulturhalle in Sersheim – da kann man doch nichts falsch machen. Uwe Bögel
