Montag, 21. Mai 2012

Silvester-Raketen haben Kultstatus


Matthias Brunner verkauft seit 1988 Böller und Raketen. Foto: Schmid

Vaihingen/Sachsenheim – In der Nacht von Montag auf Dienstag wird es auch in Vaihingen wieder laut. Der Verkauf von Feuerwerkskörpern für die Silvesternacht hat gestern begonnen – das Geschäft boomt. Doch werden Böller und Raketen unvorsichtig angezündet oder leichtsinnig weggeworfen, kann das schlimme Folgen haben.

Das Herz von Matthias Brunner schlägt dieser Tage etwas höher: Der Sachsenheimer hat seit 1988 ein Fachgeschäft für Pyrotechnik und kurz vor Silvester rennt ihm die Kundschaft schier die Türen ein. Die Auswahl in dem kleinen Laden ist gigantisch. Rund 600 verschiedene Produkte können Silvester-Fans in Sachsenheim erstehen.

Im Trend liegen seit 1997 Batteriefeuerwerke. „Davor gab’s eigentlich nur Raketen und Böller“, sagt der Fachmann. Raketen wurden in den vergangenen Jahren immer weniger verkauft. Trotz der sinkenden Verkaufszahlen gibt es aber Neuentwicklungen im Raketensegment: Die Fontänen-Rakete vereint die klassische Silvester-Rakete mit einem Batteriefeuerwerk. „Sie wird nicht unten, sondern oben entzündet und bevor sie in die Luft steigt, sprüht sie erst einen Lichterstrahl in den Himmel“, erklärt Fachmann Matthias Brunner. Raketen hätten einfach Kultstatus. „Ich glaube Raketen werden nie out sein“, sagt Brunner.

Die Batteriefeuerwerke gibt es in vielen Varianten. Manche schießen wilde Lichterspiele in den Himmel. Andere spucken kleine Sterne aus. „Die meisten Jugendlichen mögen’s richtig wild. Ältere Kunden wollen eher ein Feuerwerk, bei dem man nebenher Sekt trinken kann“, sagt er. In dem Geschäft findet jeder Kunde was. „Manchmal kommen sogar Rentner zu uns.“

Die Preise für die Silvester-Kracher betragen zwischen zehn Cent und knapp 22 Euro. „Wir haben ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als Supermärkte“, sagt Matthias Brunner. Bei Discountern und anderen Supermarktketten müsse man ganz genau aufpassen: Oft seien die Verpackungen sehr großzügig gestaltet, der Schwarzpulveranteil aber schwindend gering. „Da wird man durch die Größe der Verpackung getäuscht“, meint der Pyrotechniker. „Bei uns bekommt man mehr fürs Geld, auch wenn die Packungen manchmal kleiner sind.“

Bevor ein Feuerwerkskörper in Deutschland verkauft werden darf, muss er von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) genau unter die Lupe genommen werden. In diesem Jahr wurden 219 neue Böller, Raketen und andere Silvester-Kracher überprüft. 134 Produkte wurden zugelassen, 85 wurden abgelehnt und eine Zulassung wurde sogar widerrufen. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Ablehnungen um vier Prozent zurückgegangen, das geht aus einer Pressemitteilung der Berliner Bundesanstalt hervor.

Feuerwerkskörper ohne Zulassung der BAM oder mit gefälschtem Zulassungszeichen seien sehr gefährlich. Die Qualität dieser Produkte sei nicht einschätzbar. „Feuerwerkskörper sind kein Spielzeug, denn sie enthalten explosionsgefährliche Stoffe und können gefährliche Wirkungen entfalten“, mahnen die Experten in ihrer Mitteilung.

„Die BAM vergibt an jedes geprüfte und zugelassene Produkt eine Nummer“, erklärt Matthias Brunner aus Sachsenheim. Anhand dieser Nummer könne man auch herausfinden, ob Feuerwerkskörper für Kinder geeignet sind oder nicht. Trägt ein Produkt die Aufschrift „PI“, ist es für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zugelassen. Steht auf der Verpackung hingegen „PII“, darf das Produkt nur von Erwachsenen gekauft und gezündet werden.

Damit aus dem Spaß keine Straftat wird, sollte unbedingt beachtet werden, dass das Schießen mit Schreckschusswaffen nur auf dem eigenen Grundstück erlaubt ist. Wer eine Waffe auf der Straße abfeuern möchte, muss beim Ordnungsamt eine Erlaubnis einholen. Hat man den „kleinen Waffenschein“ nicht, drohen unter Umständen hohe Geldstrafen.

Philipp-Marc Schmid


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