Nussdorf (aa) – Das Geschäft mit Schnellkupplungen war sein Leben. Jetzt will er andere „Geschäfte“ machen. Zusammen mit seiner Frau Alison hat der Nussdorfer Unternehmer Peter Klein (Rectus) ein „Stiftungsgeschäft“ angestoßen. Die Eheleute haben die Alison-und-Peter-Klein-Stiftung gegründet und sie mit einem Vermögen von sage und schreibe fünf Millionen Euro ausgestattet.
Peter Klein lacht gerne. Und mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht plaudert er über die Stiftung, die er mit seiner Frau Alison schon lange ausgedacht hat. „Wir haben so viel Geld verdient“, sagt er. Worte, die vielen anderen Unternehmern nicht über die Lippen kommen würden. „Wir wollen davon etwas zurückgeben.“ Das geschieht jetzt unter anderem mit einer Stiftung. Fünf Millionen Euro. Das ist ein Wort. Rechnet man nur eine fünfprozentige Verzinsung, so können daraus jährlich 250000 Euro ausgeschüttet werden. „Das Geld arbeitet schon“, freuen sich die Eheleute. Für sie ist es „verloren“, denn sollte die Stiftung erlöschen, fallen die fünf Millionen an gemeinnützige Organisationen.
„Die Verbundenheit der Stifter zur Gemeinde Eberdingen und zu den benachbarten Landkreisen sowie ihre internationale Gesinnung veranlassen die Stifter, die Belange bedürftiger Menschen, die Völkerverständigung, die Bildung sowie die Förderung von Kultur und Sport zum Anliegen dieser Stiftung zu machen“, heißt es in der Präambel. Zum Ausdruck soll gebracht werden, „dass wir das Umfeld unseres jahrzehntelangen Lebensraumes in einer von Freundschaft und gegenseitigem Verständnis geprägten Heimat erleben durften“.
Peter Klein (60) ist mit Haut und Haaren Nussdorfer. Und er fühlt sich gleichzeitig als Weltbürger. Seine Frau Alison (55) ist Amerikanerin. Sie hat sich mit Nussdorf arrangiert. Zusammen sehen sie sich in der Verantwortung, hier etwas zu bewegen. Unter anderem haben sie hier erst vor wenigen Wochen direkt bei der Firma in der Siemensstraße ein Museum („Kunstwerk“) eingeweiht, in dem sie ihre auf der ganzen Welt gesammelten Bilder präsentieren. „Es konnte nur hier seinen Sitz haben“, sagt Peter Klein. Das Museum ist ein Vermächtnis, das der Unternehmer, Kunstsammler und begeisterte Langläufer, der sich die Teilnahme an 100 Marathonläufen als sportliches Lebensziel setzt, seiner Heimat gemacht hat. Die Stiftung ist die andere. Sponsoring ist schon immer ein wichtiges Element der Firmenphilosophie, nicht erst seit dem Verkauf von Rectus an Parker Hannifin am 1. April 2007.
Das Unternehmen, das in Nussdorf 220 Mitarbeiter beschäftigt – weltweit sind es 450 – ist schon lange als Mäzen erster Güte bekannt, hat sich für die Kunststiftung Baden-Württemberg engagiert, für die Staatsgalerie oder für das Keltenmuseum. Und Peter Klein war sich nicht zu fein dafür, beim TSV Nussdorf 17 Jahre im Vorstand mitzuarbeiten, davon die längste Zeit als 1. Vorsitzender. Auch sein TSV hat sicher davon profitiert.
„Ich musste nicht verkaufen“, betont Klein. „Für mich hat sich nur die Frage gestellt: Schaffe ich weiter, bis ich umfalle? Oder regle ich die Dinge jetzt schon?“ Er hat sich für die Regelung jetzt entschieden, zumal auch seine drei Töchter keine Anstalten erkennen lassen, in die Firma einzusteigen. „Die Entscheidung war schwierig“, sagt er, „aber alle haben sie letztlich akzeptiert.“ Auch der Vater Walter, der das Unternehmen 1950 in Feuerbach als Betrieb für Schweißtechnik gründete und den es dann 1963 wieder in sein Heimatdorf Nussdorf zurückgezogen hatte. Hier konzentrierte er sich auf die Schnellverschlusskupplungen. Sohn Peter trat 1974 ins Unternehmen ein und weitete vor allem die internationalen Aktivitäten aus (Schweden, USA, Norwegen, England, Kanada, Tschechien, Australien...). Rectus ist gewachsen und hat sich etabliert. Rund 115 Millionen US-Dollar werden 2006 umgesetzt. „Über den Verkaufspreis habe ich nicht verhandelt“, sagt Peter Klein. Er hat ihn mit seinen Beratern festgelegt, der Käufer hat ihn akzeptiert. Es hat sich um eine dreistellige Millionensumme gehandelt. Die Immobilien selbst bleibt allerdings weiter in Kleins Besitz.
Neuer Eigner ist Parker Hannifin, ein Hersteller von Antriebs- und Steuerungskomponenten und Systemen, mit dem man in Nussdorf schon zwei Jahrzehnte lang zusammengearbeitet hat. Bob Bond, Präsident der Parker Fluid Connectors Group, bei der Übernahme: „Rectus ergänzt Parkers globale Präsenz im Markt für hydraulische und pneumatische Kupplungen und verschafft Parker eine starke und schlagkräftige europäische Präsenz. Die Produkte und Systeme des Unternehmens genießen einen sehr guten Ruf und sind über ein weit reichendes Vertriebsnetz verfügbar. Damit erweitern sie unsere Fähigkeit, unseren Kunden das umfassendste Paket an Produkten und Dienstleistungen in der Verbindungstechnik anzubieten. Wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit mit unseren neuen Kollegen und die gemeinsame Nutzung der vielfältigen Synergien, die wir zum Vorteil unserer gemeinsamen Kundenbasis identifiziert haben”. Peter Klein will Mitarbeitern und Kunden bei der Übernahme ein gutes Gefühl in Bezug auf die gemeinsame Zukunft verschaffen. „Wir erwarten als Teil von Parkers weltweiter Organisation auch weiterhin profitables Wachstum.“
Im Januar wird der neue Geschäftsführer Patrick Colin, ein Franzose, in Nussdorf aufziehen; Peter Klein geht dann auf eine Farewell-Tournee rund um die Welt. Der Flugplan steht. Und am 31. März endet seine Zeit bei Rectus, sein Büro wird künftig nicht mehr ganz oben im Bürogebäude sein, sondern beim Museum. Die Mitarbeiter lernen inzwischen kräftig Englisch. Für ein weltweit operierendes Unternehmen ist das eine Bedingung.
Zurück zur Stiftung. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat sie mit Datum vom 4. Dezember 2007 hoch offiziell besiegelt und als rechtsfähig anerkannt. Im Stiftungsvorstand sind neben Peter Klein dessen langjähriger Freund Georg Gayer und sein Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Klaus-Peter Müller vertreten. Auch die Mitglieder des Kuratoriums, das den Vorstand in Fragen der Mittelverwendung berät, sind benannt; neben Alison Klein sind es der Enzkreis-Landrat Karl Röckinger, der Nussdorfer Pfarrer Hartmut Nitsche, Volker Kälberer aus Stuttgart und Eberdingens Bürgermeister Peter Schäfer. Auch hier spielen persönliche Beziehungen eine große Rolle, „denn gute Freunde sorgen immer wieder dafür, dass ich nicht abhebe“, lacht Peter Klein. So ist zum Beispiel der Nussdorfer Pfarrer wie Klein ein begeisterter Langläufer. Und ein Sohn von Landrat Röckinger ist mit einer Klein-Tochter befreundet.
Bildung, Kultur, Sport, Völkerverständigung sind als Stiftungszweck aufgeführt. Das wird natürlich in der Satzung näher definiert: Jugend-, Behinderten- und Altenhilfe besonders in der Gemeinde Eberdingen sollen zum Zuge kommen. Man will kulturellen Einrichtungen wir Museen oder kulturelle Veranstaltungen fördern, bei Bildung und Wissenschaft Stipendien und Preise vergeben, den Umweltschutz unterstützen, die Beziehungen zwischen den Menschen in den USA und Europa, zwischen Religionen und Weltanschauungen pflegen und dem Sport in der Gemeinde und im regionalen Umfeld einen höheren Stellenwert verschaffen.
Jetzt sind Alison und Peter Klein auf die Anträge gespannt. Wie gesagt: Bei einer fünfprozentigen Verzinsung stehen jährlich 250000 Euro zur Verfügung. Und damit kann dann schon etwas bewegt werden. Und damit keine Missverständnisse aufkommen: Natürlich dürfen nicht nur Bewerbungen aus Eberdingen eingereicht werden.
Bewerbungsunterlagen für Mittel aus der Stiftung können ab Januar 2008 angefordert werden bei: Alison und Peter Klein, Theodor-Fontane-Weg 2, 71735 Eberdingen-Nussdorf.
