Vaihingen (ub) – Viele Gebäude in der Vaihinger Innenstadt haben eine interessante Geschichte. Die Vaihinger Kreiszeitung stellt in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv einige herausragende Häuser in einer losen Serie vor. Heute hat Stadtarchivar Lothar Behr das Haus Stuttgarter Straße 2 (früher Parzelle 36), das heutige Gasthaus Engel, untersucht.
Am Eck, wo die Klingengasse in die beginnende Fußgängerzone beim Marktplatz einmündet, lädt das Gasthaus Engel zur Einkehr ein. Das Wirtshausschild in der Stuttgarter Straße, das einen fröhlich trompetenden Engel darstellt, macht auf das Wirtshaus aufmerksam.
Der stattliche zweistöckige Fachwerkbau, mit vorkragenden Geschossen, entstand nach dem Stadtbrand von 1693. Besonders auffällig ist die große Toreinfahrt mit profiliertem Gewände.
Als erste Eigentümerin des Anwesens erscheint um 1750 die Witwe des Stadtpfarrers Schmid. Die Beschreibung lautet: „Eine zweistöckig ganze Behausung, Hofraithin und eine ganze Scheuren darhinter, samt zwey gewölbten Kellern, nemlich 1. unter gemeltem Haus und 1. unter der Scheur, alles beysamen am Marckt, zwischen Christian Gaus´ Behausung und dem Hospithal-Gebäude – anderseits dem Hinter- oder Klingen Gäßlen, stost vornen auf die Strassen und hintern auf den Hospithal.“
1759 erwarb Pfarrer Johann Albrecht Zeeb aus Roßwag das Anwesen aus der Hinterlassenschaft der verstorbenen Stadtpfarrerin. 1764 kaufte Johannes Reichenbacher, der einer alten Vaihinger Gerberfamilie entstammte, den Besitz aus dem Erbe von Pfarrer Zeeb.
Von nun an sollte der Besitz für längere Zeit im Eigentum der Familie Reichenbacher bleiben. 1785 übergab Johannes Reichenbacher seinem Sohn, dem Kaufmann Johann Adam, die Hälfte des Anwesens.
Nachdem Johann Adam Reichenbacher seine Hälfte des Besitzes 1800 an den Küfer Theobold Engel veräußert hatte, kam 1803 auch die andere Hälfte, die sich noch im Besitz des Vaters befand, an Engel.
Theobold Engel (1748 – 1823) baute das Anwesen zu einer Brauerei aus und legte damit den Grundstein für die spätere „Engel-Brautradition“ in Vaihingen.
Die im Hof befindliche Scheune wurde 1807 um ein Stockwerk erhöht, weiter errichtete er ein Brauhaus mit einem darunter befindlichem Keller. Von der Witwe Theobold Engels kam der Besitz teilweise 1831, dann 1851 vollständig an den Sohn, Bierbrauer Gottlieb Engel (1797 – 1865), der ab 1849 bis zu seinem Lebensende als Stadtrat fungierte.
Im Güterbuchheft, das um 1860 angelegt wurde, ist das Anwesen Engel folgendermaßen beschrieben: „Ein zweistockigtes Wohnhaus, dessen unterer Stock von Stein, mit 2 gewölbten Kellern, 1 zweistock. Geflügelstall-Anbau am Wohnhaus, eine zweistockigte Scheuer mit gewolbtem Keller und mit eingerichteten Viehstallungen, Schweinstallung und Bierkühle, Bräuhaus (Bem.: dreistockig, 1873 neu aufgeführt.), Hofraum, am Markt, neben dem Klingengäßle und Herrmann Knodel, 37.“
1876/77 kam der gesamte Besitz an Hermann Engel, den Sohn von Gottlieb Engel. Als Hermann Engel 1888 starb, ging das Anwesen je zur Hälfte an die Söhne Hermann und Gustav Engel.
