Vaihingen (sr) – Geschmückte Urnennischen darf es in Vaihingen laut geltender Friedhofsordnung gar nicht geben. Jetzt hat die FDP-Fraktion bei der Stadtverwaltung einen Antrag vorgelegt, der das ändern soll. Der legitime Grabschmuck an Urnenwänden wäre auch ganz im Sinne einiger Kirchenvertreter und Ortschaftsräte.
„Es ist für Trauernde ein wichtiges Bedürfnis, Zeichen der Erinnerung und der persönlichen Nähe zur Grabstätte ihrer verstorbenen Angehörigen bringen zu können“, betont Dekan Hartmut Leins in einem Schreiben an den Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch und die Vertreter des Gemeinderats. Im Namen der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden und der evangelisch-methodistischen Kirche Vaihingens bittet Dekan Leins, „dass vor den schon bestehenden, sehr schön in den Friedhof integrierten Urnenwänden, ein Raum zum Ablegen kleiner Erinnerungszeichen geschaffen wird“.
Die Kirchenvertreter erlagen ebenso wie einige Ortschaftsräte dem Trugschluss, dass das Abstellen und Anbringen von Grabschmuck an den Urnenwänden künftig untersagt werden soll. Nils Deparade, Abteilungsleiter des Bauverwaltungsamtes in Vaihingen, erläutert, dass dies allerdings schon der Fall ist. Laut geltender Friedhofsordnung ist das Anbringen von Blumenschmuck, Kerzen und ähnlichem an Kolumbarien und Urnennischen nicht erlaubt. Immer wieder würden Gestecke und Blumenvasen vor den Urnenwänden abgestellt. Regelmäßig wird dabei allerdings die unterste Reihe der Urnennischen verdeckt. Bei frischen Blumen drückt die Stadt ein Auge zu. Deparade: „Die Satzungsregelung wird derzeit nicht konsequent umgesetzt.“ In größeren Abständen räume der Bauhof unansehnlichen Grabschmuck ab, es sei eine „pragmatische Handhabung“.
Durch das Missverständnis in puncto Friedhofssatzung kam die Sache mit den Urnenwänden und dem Blumenschmuck jedoch ins Bewusstsein. Im Namen der FDP-Fraktion hat Friedrich Wahl beantragt, dass das Verbot aus der Gestaltungsvorschrift gestrichen werden soll. Wahl in seinem Schreiben an OB Maisch: „Den Angehörigen muss eine Möglichkeit gegeben werden, durch Anbringen von Zeichen der Erinnerung an den Urnenwänden der Verstorbenen zu gedenken.“ In der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung heißt es hierzu: „Eine Entscheidung über den Antrag der FDP-Fraktion soll erst im Vorfeld einer Neubeschaffung der nächsten Urnenwand im Jahr 2008 fallen.“ Nils Deparade: „Wir setzen das um, was der Gemeinderat entscheidet.“ Nach dem Wunsch der Verwaltung sollten die Friedhöfe von der Ausstattung her vergleichbar sein. Auch für schon bestehende Urnenwände seien laut Deparade prinzipiell Halterungen für Blumen oder Kerzen erhältlich, die jeder Nische zuzuordnen sind. Dann bestünde für die Friedhofsbesucher die Möglichkeit, an der Urnennische ihrer Lieben etwas Grabschmuck zu befestigen. Allerdings: „Dann möchte die Verwaltung Vorgaben machen dürfen, damit ein einheitliches Bild unter den Halterungen besteht.“
Die nächste Urnenwand wird im kommenden Jahr in Aurich installiert werden und auch Enzweihingen erhält eventuell ein weiteres Exemplar. Die Verwaltung werde inzwischen das Angebot bezüglich Urnenwänden auf Möglichkeiten zum Abstellen und Anbringen von Grabschmuck prüfen. Eine solche Art von Urnenwand wäre ganz im Sinne der Kirchenvertreter. Dekan Leins: „Wir wissen aus vielen seelsorgerlichen Gesprächen, wie dringlich dieser Wunsch ist und wie sehr seine Verwirklichung Menschen bei der Bewältigung ihrer Trauer eine Hilfe sein kann.“
