O du fröhliche,
O du selige,
Gnadenbringende Weihnachtszeit.
So heißt es in dem Weihnachtslied, dessen Text von Johannes Daniel Falk (1768-1826) stammt und das an Heiligabend vor beinahe jedem Weihnachtsbaum gesungen wird. Keine Gnade hatte in dieser so besinnlichen Vorweihnachtszeit die Vaihinger Stadtverwaltung. Sie bescherte sich selbst einen beinahe vergessenen Geldsegen, indem sie drei Wochen vor Heiligabend noch kurzerhand den Hausbesitzern in der Alemannenstraße in Horrheim zwischen Blumenweg und Lindenstraße per Amtsbotin unselige Post zustellen ließ. Inhalt: Die Aufforderung zur Zahlung des Erschließungsbeitrags für einen Gehweg an der Alemannenstraße.
Im Falle der Familie Weber wiegt der zu diesem Zeitpunkt unverhoffte Rutenhieb beinahe 7500 Euro. Kaum zu fassen: Der entsprechende Gemeinderatsbeschluss wurde bereits am 2. Juli 2003 gefasst. Da haben die Wichtel im zuständigen Amt doch gerade noch rechtzeitig gemerkt, dass Gefahr im Verzug ist, denn mit Ablauf des Jahres 2007 wäre Verjährung eingetreten. „Daher sehen wir uns heute gezwungen, den Beitrag noch kurz vor Weihnachten festzusetzen“, heißt es im Wunschzettel der Stadt, der übrigens bis 31. Dezember zu erfüllen ist.
Da läuten (nicht nur) bei der Familie Weber in Horrheim die Glocken. „Es interessiert uns nicht, dass der Betrag wegen dauernder personeller Überlastung nicht zeitnah (2003!!!) abgerechnet werden konnte“, heißt es in einem Brief der Webers an Oberbürgermeister Gerd Maisch. „Wir entschuldigen diese Vorgehensweise überhaupt nicht und schon gar nicht in der Vorweihnachtszeit.“ Ein derart unsensibles Verhalten, Bürger mehr als vier Jahre über Zeitpunkt und Höhe einer Forderung nicht zu informieren, sei unentschuldbar. Eine „moralische Misere“ zum frohen Fest, wie es Miteigentümerin Ursula Weber bezeichnet. Geschenke würden am 24. Dezember zwar trotzdem unter dem Weihnachtsbaum liegen, doch sie denke dabei auch an die anderen Betroffenen, die kurzfristig einen nicht unerheblichen Betrag aufzubringen hätten.
„Sehr bedauerlich“ findet Oberbürgermeister Gerd Maisch die Angelegenheit, kann aber keine Hoffnung machen: „Wir können den weihnachtlichen Frieden nicht über die Ansprüche der Stadt stellen. Wenn die Verjährung nicht drohen würde, hätten wir das nicht gemacht.“ Dass die Stadt aufgrund der anliegenden Schule den Löwenanteil der Erschließungsgebühren zu berappen hat, ist den Anwohnern der Alemannenstraße egal.
Und wenn nun statt Gans oder Braten doch nur ein paar Würste im Topf landen, spenden die Weihnachtslieder vielleicht etwas Trost: (elf)
Christ ist erschienen,
Uns zu versühnen,
Freue, freue dich, o Christenheit!