Vaihingen (ub) – Vor zwei Tagen saßen sie noch einmal zusammen: zwölf Männer aus vier Vaihinger Stadtteilen. Es war die 62. Vorstandssitzung der Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung. „Das hat schon viel Stehvermögen erfordert“, sagt Hans Herkommer, der Vorsitzende. Gestern gab es dann ein weiteren Schlussstrich: Durch die Übergabe der landschaftspflegerischen Maßnahmen ist in der Flurbereinigung Vaihingen bald der Abschluss erreicht.
Seit 21 Jahren läuft die Flurbereinigung, die durch den Bau der Bahn-Neubaustrecke erforderlich wurde. 70 Hektar Land verschlang die neue Bahntrasse, um Ersatzland wurde politisch gerungen, die Entwicklung der Stadt Vaihingen durch den neuen Bahnhof berücksichtigt. Mit über 7000 Grundstücken von 1800 Teilnehmern war die Flurbereinigung Vaihingen eine der größten im Land.
Mit der offiziellen Übergabe der landschaftspflegerischen Anlagen an die Stadt Vaihingen ist diese nun für die fachgerechte Pflege der Naturflächen zuständig, die im Rahmen des Flurbereinigungsverfahren angelegt werden mussten. Vaihingens Oberbürgermeister Gerd Maisch hat sich am Donnerstag davon überzeugt, dass die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen der Flurbereinigung eine positive Wirkung zeigen. Jürgen Wolf, Leitender Fachbeamter für Flurbereinigungen im Landratsamt Ludwigsburg erklärte, was im Rahmen des landschaftspflegerischen Begleitplans alles ausgewiesen, gesichert und gepflanzt wurde.
Eine Flurneuordnung dient nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch dem Naturschutz. Dies wurde gestern bei dem Übergabetermin der landschaftspflegerischen Anlagen im Flurbereinigungsverfahren deutlich. 149 Einzelmaßnahmen der Landschaftspflege mit zusammen 36,2 Hektar Fläche, davon 37 Biotopflurstücke als Gewässerrandstreifen mit zusammen 7,5 Hektar umfasst der Ausgleich für die im Flurbereinigungsverfahren durch Baumaßnahmen vorgenommenen Eingriffe. 274 Obstbäume, 29 Laubbäume, rund 2400 Sträucher und leichte Heister bereichern jetzt die Landschaft. Bepflanzt wurden dabei 58 Flurstücke mit zusammen 10,77 Hektar.
„Und es gab für den Naturschutz auch kleine Filetstücke und nicht nur Abfallstücke“, freute sich Dr. Rolf Gastel von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Ludwigsburg. Mit 1,4 Hektar ist die größte zusammenhängende Fläche für den Naturschutz nördlich des Kehlweges im Gewann „Kleines Feldle“ ausgewiesen. Gastel: „Ein bevorzugter Jagdplatz für die seltene Kornweihe.“
Die Stadt Vaihingen hat die Flächen für die Landschaftspflege aus ihrem Eigentum aufgebracht. Hierzu wurden über die Flurneuordnung umfangreiche Grunderwerbe abgeschlossen, die vom Land zweckgebunden bezuschusst werden.
Vor der Umsetzung der landschaftspflegerischen Planung im Herbst 2004 musste wegen neuerer Erkenntnisse des Naturschutzes und der Landwirtschaft der ursprünglich genehmigte landschaftspflegerische Begleitplan nochmals überarbeitet werden, wobei die Bedürfnisse und Belange aller Beteiligten unter einen Hut gebracht werden konnten. Das Ergebnis ist nun nach Angaben der Stadtverwaltung ein einvernehmliches Miteinander von Landwirtschaft und Naturschutz, das die baulichen Zerstörungen dauerhaft ausgleiche. „Mit der Übergabe an die Stadt ist diese nun für die fachgerechte Pflege der Naturflächen zuständig“, so Maisch. Die untere Flurneuordnungsbehörde hat hierzu eine Pflegekonzept erarbeitet, das die Besonderheiten der einzelnen Naturschutzflächen erläutert und Pflegehinweise gibt.
Und auch die Kontrolle: Bereits jetzt wurden verschiedene Nutzungsverstöße durch angrenzende Landwirte entdeckt. Jürgen Wolf: „Das ist keine Pauschalverurteilung, sondern das sind Einzelfälle, denen man aber nachgehen muss.“ OB Maisch: „Die Stadt ist jetzt in der Verantwortung und wir werden ihr gerecht.“ 100 Prozent könnten nicht alle zufrieden sein. „Wir setzen auf ein einvernehmliches Miteinander, obwohl in der Pflege das eine oder andere diskutiert werden kann.“
„21 Jahre haben wir auf den heutigen Tag gewartet“, so Hans Herkommer, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft. Bei dem Wege- und Gewässerplan sowie beim landschaftspflegerischen Begleitplan könne man Ökonomie und Ökologie nicht trennen. „Wir versuchten, die wirtschaftlichste Lösung für die Landwirtschaft herzustellen und dabei darauf zu achten, dass die Ökologie nicht zu kurz kommt.“
Nachdem die Unterlagen zur Berichtigung des Grundbuchs bereits den zuständigen Grundbuchämtern übergeben wurden, steht zum technischen Abschluss der Flurbereinigung nur noch die Abrechnung der Flurbereinigungskasse an.
