Vaihingen (ev/p) – Zum dritten Mal führte die Sozialstation unter den Patienten eine Kundenbefragung durch. Stimmt die Qualität? Die meisten Bögen stellten den Pflegekräften ein positives Zeugnis aus. Allerdings gibt es noch Verbesserungsbedarf.
Im deutschen Pflegebericht 2007 wird festgestellt, dass jeder dritte Pflegefall nicht genug zu essen und zu trinken bekommt – in Heimen sind es 34,4 Prozent, in der ambulanten Pflege, zu der auch die Sozialstation Vaihingen gehört, 29,6 Prozent. Mehr als 35 Prozent der Heimbewohner und mehr als 42 Prozent der ambulant Pflegebedürftigen zu Hause werden nicht häufig genug umgebettet, liegen sich wund.
Ein bitteres Zeugnis. Doch wie ist die Lage in Vaihingen und Umgebung? Das wollte die Vaihinger Sozialstation von ihren Kunden wissen und verschickte 140 Fragebogen mit rund 20 Fragen. „Das ist eine Eigeninitiative von uns. Alle zwei Jahre wiederholen wir das Prozedere. Es dient der Qualitätssicherung“, erklärt Dietmar Hammer, Pflegedienstleiter der Sozialstation Vaihingen und Qualitätsbeauftragter. Bekommen haben den Brief Patienten, die ihre Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten oder die Pflege aus der eigenen Tasche bezahlen. „Patienten, die ihre Leistungen von der Krankenkasse bekommen, haben wir außen vor gelassen, da diese meist nur kurz betreut werden und sie nur wenige Fragen des Bogens betreffen“, erläutert Hammer. In den Fragebögen selbst wurde auf das Erheben persönlicher Daten verzichtet, um die Anonymität der Befragten zu wahren. Mit der Rücklaufquote von 55 Prozent (72 Bögen) ist der Pflegdienstleiter und Qualitätsbeauftragte zufrieden. Bei der ersten Befragung haben zwar mehr (65 Prozent) die Fragen beantwortet, aber damals sei es auch die Neuauflage gewesen. „Das nächste Mal wollen wir allerdings einige Fragen herausnehmen, die nicht so sehr relevant sind. Dadurch wird der Fragebogen kürzer, übersichtlicher und ist leichter auszufüllen“, sagt Hammer.
Was hat die Befragung nun ergeben? Aus Sicht der Pflegekunden ist es vor allem wichtig, dass die Pflegedienste gut organisiert sind, wenn es darum geht, jederzeit erreichbar zu sein. Pflegebedürftige und deren Angehörige geht es um Hand-in-Hand-Arbeiten, Diskretion, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Das Befragungsergebnis ist für die Sozialstation zunächst positiv. Zum Thema „Hand-in-Hand“ arbeiten gaben 73 Prozent der Befragten an, dass es ihnen sehr wichtig sei, in die Pflege miteinbezogen zu werden. 71 Prozent bestätigten, dass ihre noch vorhandenen Fähigkeiten bei der Pflege berücksichtigt werden. Die größte Bestätigung für die Mitarbeiter der Sozialstation ist aber sicher das Ergebnis der Frage: „Wie beurteilen Sie die Auswirkungen der Pflegemaßnahmen auf Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden?“ Hier antworteten jeweils 48 Prozent der Befragten mit „gut“ und „sehr gut“.
Sehr wichtig für die Patienten und ihre Angehörigen ist auch die fest vereinbarte Besuchszeit (88 Prozent). Hier gaben 34 Prozent an, dass die vereinbarten Zeiten immer eingehalten werden. 65 Prozent sagen „meistens“. „Das ist der wichtigste Qualitätsfaktor für unsere Patienten. Leider konnten wir den Wert von 2005 nicht einhalten. Es hat eine Verschiebung von ‚immer‘ zu ‚meistens‘ gegeben“, sagt Hammer. Hier soll auf jeden Fall Ursachenforschung betrieben werden, damit sich die Situation weiter verbessert.
46 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Pflegekräfte immer genügend Zeit für die Patienten nehmen. 51 Prozent empfinden das meistens so. Auf die Frage „Wie häufig ist der Wechsel bei den Pflegekräften, die Sie versorgen?“ antworteten 29 Prozent der Befragten mit „Sehr häufig“, 66 Prozent mit „ab und zu“. „Leider nehmen die Befragten einen vermehrten Personalwechsel wahr, der mit den Dienstplänen zusammenhängt“, bedauert Hammer. Auch darum soll sich ein Qualitätszirkel, der aus Pflegern gebildet werden soll, um Verbesserungen bemühen. „Das wird allerdings schwer, weil es nicht an der Mitarbeiterfluktuation liegt, sondern an den Bemühungen, durch vermehrten Einsatz von Teilzeitkräften, den Patienten ihre Wunschtermine zu ermöglichen.“
Sehr zufrieden sind die Patienten auch mit dem Verhalten (Freundlichkeit, Höflichkeit usw.) der Pflegekräfte der Sozialstation. Hier gab es überhaupt keine negativen Antworten. „Erfreulich ist erneut für die Mitarbeiterinnen der Sozialstation das positive Ergebnis auf die Frage nach der Auswirkung der Pflege auf Gesundheitszustand und Wohlbefinden“, sagt Hammer. Dies zeige, dass die pflegerische Arbeit der Mitarbeiter einen hohen Wert für die Patienten der Sozialstation hat.
Dennoch will sich die Sozialstation nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. So werden die Pflegedienstleitung und die Mitarbeiter gemeinsam überlegen, wie das Einhalten vereinbarter Besuchszeiten verbessert und die Häufigkeit des Personalwechsels verringert werden kann. „Unser Ziel ist dabei nicht eine persönliche Schuldzuweisung, sondern die ständige Verbesserung unserer Dienstleistungen“, sagt Hammer.
