Vaihingen (aa) - Trompeter Dieter Bauch vom Posaunenchor Kleinglattbach stimmt in einer kleinen Arbeitspause schon mal auf den Tag ein: „Lasst und froh und munter sein“, schallt es um halb zehn über den Marktplatz. Es sollen alle wissen, heute ist Weihnachtsmarkt auf dem Vaihinger Marktplatz. Am Samstagmorgen wird geschafft, dass schon alleine das Zusehen eine wahre Freude ist. Die Helfer von 32 Gruppen tun alles, um ihren Markt ins rechte Licht zu setzen. Und man muss es auch sagen: Die Budenstadt sieht diesmal durchaus attraktiv aus. Das war auch schon mal anders. Und auch das Angebot passt, wobei natürlich der weihnachtliche Schmuck in allen möglichen Spielarten dominiert. Nur schade, dass man nicht jedes Jahr was Neues braucht.
Halb elf. Um den Brunnen, den wie immer die Auricher Eintracht besetzt hat, herrscht jetzt Leben. Alle Jahre kommt den „Schnecken“ mit ihrem Kinderchor auch die Ehre zu, den Markt einsingen zu dürfen. Da macht es schon Spaß, der quirligen Dirigentin zuzusehen. Der Oberbürgermeister ist mit einem Teil seiner Familie da und muss was sagen. Der Markt sei eine gute Überleitung in die besinnliche Zeit, denn das Ende des Jahres sei doch mitunter etwas hektisch. Und das Rahmenprogramm, zusammengestellt von Wolfgang Kapp, sei Spitzenklasse, findet Gerd Maisch nach Aktenlage. „Heiße Schokolade“, tönt's von der Seite. Der Markt kommt in die Gänge. Er ist auch durch die vereinzelten Regentropfen nicht zu stoppen.
Cheforganisator Thomas Schmolck spricht vor allem den gemeinnützigen Hintergrund an. Alle bringen sich hier ehrenamtlich ein, schaffen für ihren Verein, für ihre Gruppe, die Schulklasse, die Sozialstation oder die Lebenshilfe. Und dann wird noch jeweils ein Teil der Einnahmen in einem vierstelligen Bereich gespendet und bedürftigen Familien zur Verfügung gestellt. Das Geld geht zur Hälfte an die Diakonische Bezirksstelle und an das Landratsamt. Vor diesem Hintergrund schmeckt vielen Marktleuten die vorgeschaltete Lichternacht der Werbegemeinschaft Vaihingen nicht so recht. „Im letzten Jahre lagen die Einnahmen beim Markt um rund 25 Prozent unter denen von 2005“, informiert Thomas Schmolck. „Warum können denn die Lichternacht und der lange Einkaufsfreitag nicht eine Woche später stattfinden?“, wird gefragt. Und als ärgerlich wird empfunden, dass in vielen Geschäften die kleinen Plakate für den Markt gar nicht erst aufgehängt werden.
Der Einnahmerückgang hat indessen die Teilnehmer nicht abgeschreckt. Im Vergleich zu 2005 sind sieben Gruppen dazugekommen. Ganz neu ist diesmal der Vaihinger Männerchor, der schon mal Werbung für sein großes Jubiläum im kommenden Jahr betreibt (175 Jahre MGV).
Vor dem Stand des Bezirksjugendwerks sind zwei Rittersleute postiert. Christoph von Trondheim und sein Knappe Johannes von Stjordal lassen sich zusammen mit kleinen Gästen mit einer Digitalkamera ablichten. Pfarrer Thomas Moser verkauft Gestecke und freut sich über freundliche Gespräche seiner Edelleute. Nebenan werden in einem Zelt Geschichten vorgelesen. Abtauchen in eine andere Welt ist angesagt.
Am Brunnen geht es Schlag auf Schlag. Akteure des Löwennacht-Musicals sind beim ersten öffentlichen Auftritt zu erleben, der Männerchor setzt sich in Szene, der Löwenchor der Vaihinger Grundschule. Es erklingen Posaunen und Trompeten, Singkehlchen sind zu hören. Und am Abend setzt Dieter Gulich wieder einmal als Feuerschlucker und Fakir einen stimmungsvollen Abschluss. Inzwischen regnet es kontinuierlich.
An den Ständen sind die Beurteilungen unterschiedlich. Recht gut gelaufen, sagen die einen, andere müssen erst noch Kassensturz machen. Thomas Schmolck und Wolfgang Kapp ziehen noch eine kurze Bilanz. „Vielleicht hat das unsichere Wetter doch viele abgehalten“, meint Schmolck. Auch er möchte noch nicht abschließend über den Erfolg des Marktes urteilen. Er weiß nur so viel: So viele Würste wie diesmal hatte er am Stand der Kleinglattbacher Bartenbergschule noch nie übrig. Das will was heißen.
Der Marktplatz um 20.30 Uhr. Alle Stände sind verschwunden. Kein Fetzchen Papier liegt auf dem nassen Pflaster. Die Marktleute haben gute Arbeit geleistet und sich ihren Feierabend verdient.
