Markgröningen (elf). Das alte Königspaar ist auch das neue: Beim Markgröninger Schäferlauf hatten am Samstagnachmittag Yvonne Fauser aus Pfronstetten und Andreas Erhardt aus Stödtlen beim Lauf über den 150 Meter langen und matschigen Stoppelacker wie schon im Vorjahr die Nase vorn. Lohn für die Mühen: Eine Krone und ein Schaf.
Die 19-jährige Yvonne Fauser hatte bereits nach der Hälfte des 300 Schritte umfassenden Wetz die Nase vorn und konnte den Rest bis ins Ziel beinahe gelassen austraben. Etwas mehr Spannung dagegen bei den Schäferburschen, wo sich der 18-jährige Andreas Erhardt erst auf den letzten Metern vollends durchsetzte. Da hatte Landrat Dr. Rainer Haas leichtes Spiel, als er das Siegerpaar krönen durfte. Denn in diesem Jahr konnte er sich sicher sein, dass die Kronen passten. Schließlich war kaum davon auszugehen, dass sich derKopfumfang der Titelverteidiger wesentlich geändert hatte. In der Tat durften die beiden schnell in die zahlreichen Kameras winken und anschließend als Preis ihre Schafe entgegennehmen.
Erstaunlich, dass es in jedem Jahr zwei stattliche Gruppen gibt, die beim Schäferlauf mitmachen, zumal die Kriterien vorschreiben, dass nur Schäferinnen und Schäfer mitmachen dürfen, die diesen Beruf ausüben oder erlernen oder wenigstens einer Schäferfamilie angehören. Außerdem dürfen sie noch nicht verheiratet und sollten mindestens 14 Jahre alt sein. Acht Mädchen und acht Burschen waren es , die die Kriterien erfüllten und sich zum Start anmeldeten.
Trotz Sonne-Wolken-Regen-Mix waren es auch dieses Jahr wieder rund 4000 Zuschauer, die sich den Spaß auf dem Stoppelacker nicht entgehen lassen wollten. Kein Wunder, schließlich ist der Schäferlauf in Markgröningen nicht nur die reine Hatz von Vertretern eines seltenen Berufs über das Stoppelfeld, sondern vielmehr ein Volks- und Heimatfest, das Markgröningen vier Tage lang lahmlegt. Außerdem weckt die Traditionsveranstaltung auch das Interesse bei Besuchern aus der gesamten Region. Allein die Prominenz hielt sich in diesem Jahr etwas zurück. Selbst Dauergast Annemarie Griesinger (Ministerin a.D.) fehlte. Dafür ließen sich die Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger (CDU) und Ingrid Hönlinger (Grüne) das Spektakel nicht entgehen.
Traditionell mit von der Partie war Landrat Dr. Rainer Haas als Nachfahr der Vögte. Er wurde bereits um 8.15 Uhr an der Stadtgrenze abgeholt und zum Rathaus geleitet. Nach dem Ehrentrunk wurden dort nach alter Sitte die im Markgröninger Rathaus aufbewahrten Zunftinsignien an die Schäfer überreicht. Bis die Schäferfahne und die Zunftlade am späten Nachmittag wieder in die Hand der Stadt zurückgegeben wurden, gab es das traditionell umfangreiche Programm. Dieses reichte vom Festspiel „Der treue Bartel“ über den Festzug bis zu den Wettbewerben auf dem Stoppelfeld. Denn neben dem Schäferlauf gab es einmal mehr das Sacklaufen, den Hahnentanz und das Wassertragen. Letzteres feierte am Samstag sein 150-jähriges Bestehen und stand daher besonders im Blickpunkt. Seit 38 Jahren jagen die Markgröninger Landfrauen mit den Wasserkübeln auf dem Kopf über das Stoppelfeld – in diesem Jahr feiern sie ihr 60-jähriges Bestehen. So konnte sich Margarete Kramer aus Markgröningen über einen ganz besonderen Sieg freuen. Sie hatte ihren Eimer als erstes im Bottich entleert. Beim Sacklaufen siegte Noah Wach aus Markgröningen, beim Hahnentanz holten Sarah Schipp und Boris Bäßler (ebenfalls Markgröningen) die meisten Punkte.
Der Schäferlauf in Markgröningen wurde 1445 erstmals urkundlich erwähnt, ist aber vermutlich deutlich älter. Für die Zunft der Schäfer aus Württemberg war es seinerzeit Pflicht, sich am Bartholomäustag (24. August) zu treffen, um die Angelegenheiten der Zunft zu regeln. Es wurden der Zunftmeister ernannt, Gelder für kranke und alte Schäfer abgeliefert und vieles mehr. Zum Abschluss wurde immer gefeiert. Bestandteil der Feierlichkeiten war stets der Schäferlauf. Denn Schäfer müssen schnell sein, um ein ausgebüxtes Tier wieder einfangen zu können. Damit die Schäfer nicht so weite Reisen hinter sich bringen mussten, wurden die Treffen auf herzögliche Anordnung auch in Urach, Wildberg (Schwarzwald) und Heidenheim ins Leben gerufen.
