Montag, 21. Mai 2012

Wildsau im Maisfeld




Schäfer im Feld mit den Schäden. Foto: Rücker
Schäfer im Feld mit den Schäden. Foto: Rücker

Gündelbach (sr). Da lacht das Herz der Sau. Ein netter Wald, ein pralles Feld, was will das Wildschwein mehr. Auf einem Maisacker in Gündelbach haben die schlauen Tiere gewütet. Sehr zum Ärger des Besitzers, der das Futter für seine Bullen schwinden sieht.
 Da muss Werner Schäfer nur kurz nachdenken: 20 Euro pro Ar, hochgerechnet auf fünf Hektar, macht geschätzte 10 000 Euro Schaden für Albrecht Gutjahr. Dem Landwirt wütet Schwarzwild auf dem Feld. Gewühlt und zertrampelt wird im Silomais, der eigentlich für die Mastbullen bestimmt ist.
„In diesem Jahr ist es mit den Wildschweinen im Feld hier extrem“, sagt Werner Schäfer, der Feldhüter in Ensingen und ein guter Freund Gutjahrs ist. Er steht in einem der zwei Maisfelder des Ensinger Landwirts Gutjahr und kann es kaum fassen. Rund fünf der insgesamt 26 Hektar mit Silomais in der Nähe des Steinbachhofs in Gündelbach hat das Schwarzwild verwüstet, vermutet Schäfer. Den Schaden habe der Landwirt auf dem Rathaus Gündelbach gemeldet. Die Jagdpächter müssen für derartige Wildschäden aufkommen, sagt Schäfer. Ein Teil der Ackerfläche sei etwas entfernt und mit Elektrozaun gesichert. Schäfer: „Aber das bringt nicht viel.“
Die Schwarzkittel pflügen quasi durchs Feld, trampeln Pflanzen um und nagen hier und dort. Jetzt, da das Korn saftig und süß ist, hat die Orgie im Maisfeld Hochsaison. Schäfer: „Wenn die Milchreife vorbei ist, dann gibt’s keine Schäden mehr.“
Eine verstärkte Anwesenheit der Jäger würden sich die Ensinger an dem Gündelbacher Maisfeld wünschen: „Die sollten jeden Abend ansitzen.“ Wenn Wildschweine geschossen würden, dann blieben die anderen einige Tage weg. Denn die Schweine sind schlau und lernen schnell, sagt Schäfer. Wieso besonders die Felder von Gutjahr betroffen sind, kann sich Schäfer nicht recht erklären.
Möglicherweise wächst auf den Feldern von Gutjahr eine besonders leckere Maissorte. Es sei bekannt, dass die Wildschweine in dieser Hinsicht durchaus wählerisch sind, sagt Ulrich Weik. Er ist Leiter des Hegerings Stromberg beim Kreisjägerverein Hubertus Ludwigsburg. Die Problematik, die solche Wildschäden mit sich bringen, ist Weik bekannt. Schon im vergangenen Jahr beraumte er eine Zusammenkunft der Betroffenen an. Jagdpächter, Bauernobleute aus Sersheim und Vaihingen und Vertreter der Gemeinden trafen sich am runden Tisch. Beispielsweise brauche der Jäger einen Korridor, in dem er die Sauen bejagen kann. Deshalb sollte mit dem Anbau ein gewisser Abstand zum Wald gewahrt werden.
An gefährdeten Grundstücken sei der Landwirt auch selbst in der Pflicht, die Flächen regelmäßig zu kontrollieren. „Wenn ein Schaden erstmals festgestellt wird, muss er innerhalb einer Woche bei der Gemeinde gemeldet werden“, sagt Weik. Im besten Fall kommen Gemeindevertreter, Jagdpächter und Geschädigte bei einer Schadensbeschau vor Ort zu einer gütlichen Einigung. Sonst müsse ein neutraler Schätzer hinzugezogen werden, der ebenfalls Geld kostet. Häufig unterscheiden sich die Schätzungen von Landwirten und Jagdpächtern, was die verwüstete Fläche angeht, jedoch erheblich, weiß Weik aus Erfahrung.
Vorbeugend seien Elektrozäune schon effektiv, es sollten aber zwei Drähte gespannt werden. Einer gegen große Sauen, einer gegen die Frischlinge. Das Verfahren ist aufwendig, denn der Zaun muss ständig kontrolliert werden. Weik: „Ein Radio aufstellen soll auch eine Zeitlang helfen.“ Ob die Senderwahl beim Erfolg entscheidend ist, lässt Weik augenzwinkernd offen.
Dass große Wildschwein-Rotten in dem Bereich in Gündelbach herumwandern, sei bekannt, sagt Weik. Die absolute Anzahl der Wildschweine allerdings ganz schwer einzuschätzen. Im Jagdjahr 2009/2010 lagen die Abschusszahlen im südlichen Stromberg um 20 Prozent niedriger als zuvor. Ob das an schlechteren Bedingungen bei der Jagd oder an einer geringeren Anzahl von Tieren lag, ist unbekannt.
Grundsätzlich bestehe schon die Möglichkeit, einige Nächte rauszusitzen und die Tiere mit wenigen Abschüssen zu vergraulen. Allerdings sei die Bejagung umso schwieriger, je größer das Feld ist. Im Wald sollte momentan auch nicht gejagt werden, da die Sauen sonst einfach in den Feldern bleiben.
Hunde, die durch ein Maisfeld geschickt werden, würden sich an den scharfen Blättern verletzen. Doch für den Spätherbst seien schon größere, revierübergreifende Drückjagden geplant. Die Sau, die da heil rauskommt, hat dann wohl Schwein gehabt.




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