Montag, 21. Mai 2012

Streuobst-Saison




Die Stücklesbesitzer stehen in den Startlöchern. Foto: Küppers
Die Stücklesbesitzer stehen in den Startlöchern. Foto: Küppers

Vaihingen (sr). Eine spannende Zeit für Streuobstbesitzer. Wie viel Euro wird der Doppelzentner Äpfel in diesem Jahr bringen? Mit sechs Euro pro Doppelzentner startet Kumpf in die Saison, Tendenz steigend.
 Am 30. August beginnt die Kumpf Fruchtsaft GmbH & Co KG in Unterriexingen mit dem Keltern der Streuobstäpfel. Der Anfangspreis, den die Erzeuger bei der Abgabe ihrer Äpfel bekommen werden, wird bei Kumpf mit sechs Euro pro Doppelzentner angegeben. Tendenz im Laufe der Saison steigend.
Stücklesbesitzer und -pächter stehen zum Teil schon in den Startlöchern. Äpfel der Streuobstwiese, die Peter Kinn bewirtschaftet, liegen am Boden bereit. „Das macht mir Spaß, das ist mein Hobby“, sagt der Vaihinger. Eine Beschäftigung, die mit einer Menge Arbeit verbunden ist. Bäume schneiden, Wiese pflegen, Obst aufsammeln und abliefern.
Kinn hofft, wie viele andere auch, auf mehr Geld für seine Äpfel als im letzten Jahr. „Da gab’s vier Euro für den Doppelzentner. Zehn Euro mindestens, das wäre schön“, sagt Kinn. Denn hundert Kilogramm Äpfel lesen bedeutet vor allem bücken, bücken und nochmals bücken.
Eine „mäßige Streuobst-Apfelernte in Baden-Württemberg“ haben die Experten beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) für dieses Jahr festgestellt. Dr. Markus Rösler aus Ensingen ist Sprecher des Nabu Bundesfachausschusses Streuobst. Auf kleinster Fläche finden sich ganz unterschiedliche Erträge, so Rösler: „Ein pratzelvoller Baum kann neben einem leeren stehen.“ Der Grund dafür sei in der Witterung im Frühjahr zu suchen. Es war kein gutes Wetter für eine durchgehende Bestäubung durch die Bienen. Denn die kleinen Helfer der Obstbäume bleiben bei Kälte und Regen lieber in ihrer Behausung sitzen. Deshalb sei der Behang in diesem Jahr extrem von der Blütezeit der Einzelbäume, also von Sorte und vom Standort, abhängig.
Mit rund 250 000 Tonnen Äpfeln im Streuobstanbau ist nach Schätzungen des Nabu im Ländle zu rechnen. Das ist immerhin die Hälfte der bundesweiten Ernte, aber ein Viertel weniger als sonst durchschnittlich in Baden-Württemberg geerntet wird.
Schlimmer ist der Schwund der Streuobstbäume selbst. Nach einer aktuellen Erhebung seien noch 9,3 Millionen Streuobstbäume landesweit in der freien Flur vorhanden, schreibt das Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz. Das sind 2,1 Millionen Bäume weniger als 1990. 1965 konnten sogar noch 18 Millionen Streuobstbäume im Land gezählt werden.
Streuobstbestände besitzen eine herausragende Artenvielfalt und eine sehr große ökologische Bedeutung. Es handle sich um die artenreichsten Kulturen in Mitteleuropa, so das Ministerium.
Um den Erhalt dieser Lebensräume zu sichern, hofft der Ensinger Biologe Rösler auf eine ordentliche Bezahlung, den die Erzeuger für ihr Obst erhalten sollten. „Sonst bückt sich nicht mal mehr der Schwabe nach dem Apfel“, so Rösler. Im Vorjahr seien die „schlechten Preise von Kumpf mit vier bis fünf Euro für den Doppelzentner von anderen Keltereien kritisiert worden“, sagt Rösler. Und weiter: „Es bleibt schwer zu hoffen, dass die großen Keltereien in Baden-Württemberg wieder angemessene Preise zahlen.“
Mindestens zehn Euro schweben ihm dabei vor, noch besser 20 Euro pro Doppelzentner. Denn erst dann bestehe eine betriebswirtschaftliche Rentabilität. Den Beginn der Obstannahme würde der Mann vom Nabu gerne erst Mitte September sehen. Höhere Öchslegrade und somit steigende Qualität würden dann auch höhere Auszahlungspreise rechtfertigen.
Bei der Baywa, die Äpfel erfasst und weiterverkauft, wird in den nächsten Tagen mit der Festlegung eines Preises gerechnet.




Seitenanfang