Oberriexingen (sr). Ein Hauch von Fischmarkt umwehte gestern den Maisacker. Beim 16. Maistag in Oberriexingen priesen die Vertreter der Zücherhäuser auf dem Feld wortgewaltig die Vorzüge ihrer Maispflanzen an. Informationen über neue Schädlinge und Hinweise zur Herbstaussaat rundeten den Tag ab.
„Das ist die Sorte Maritimo“, ruft der Mann der Firma Advanta. Hinter ihm raschelt das Maisfeld. „Der sieht auf dem Acker furchtbar aus“, räumt der Firmenvertreter vor seinen Zuhörern ein. Rein optisch, versteht sich, aber „was die Sorte kann, die Leistungen und Werte, die sind absolut, absolut spitze“. Fast ein bisschen wie beim Fischmarkt.
43 Silo- und Energiemaissorten werden beim 16. Oberriexinger Maistag von 14 Züchterhäusern vorstellt. Jeweils sechs Reihen pro Sorte hat Landwirt Armin Schmid auf seinem Feld beim Lindenhof ausgesät. In Wuchslänge, Reifegrad und weiteren Kriterien unterscheiden sich die Sorten. Altbewährte und neue Züchtungen gehen an den Start um die Gunst des Bauern, der schließlich die Qual der Wahl hat.
Mit etwa 50 Zuhörern sind nur rund die Hälfte der Vorjahre da.
Schuld ist die Sonne, weiß Albert Scholpp, Berater für Pflanzenproduktion beim Landratsamt Ludwigsburg. Da zieht’s die Landwirte auf ihre eigenen Äcker. Zu tun gibt’s an diesem sonnigen Freitag genug. Doch auch beim Maistag hält das circa vierstündige Programm die Besucher auf Trab. Nach der Vorführung am Feld wird Dr. Friedrich Merz vom Regierungspräsidium (RP) Stuttgart Neues über den Drahtwurm verkünden. Als Drahtwurm werden die Larven der Schnellkäfer aus der Gattung Agriotes bezeichnet. Ein altbekannter Vertreter dieser Sippe ist der Saatschnellkäfer. Seine Entwicklung vom Ei bis zum Käfer im Boden kann bis zu fünf Jahre dauern.
Schneller sind da seine Verwandten, die zurzeit vermehrt aus südlichen Ländern einwandern. Diese machen laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2009 in manchen Regionen über 90 Prozent dieser Schädlingsgruppe aus.
Alle landwirtschaftlichen Kulturen können durch diese Käferlarven Schaden nehmen, sagt Albert Scholpp. Das Supermittel zur Bekämpfung der Schnellkäfer kann Friedrich Merz nicht aus dem Ärmel schütteln.
Aber Empfehlungen, um es dem unliebsamen Mitesser schwer zu machen, hat er schon in petto. So vergällt die Bodenbearbeitung im Frühjahr und Herbst den Larven das Dasein. Kalkstickstoff, ein Dünger, habe ebenfalls eine gewisse insektenabtötende Wirkung.
Ganz wichtig ist die Fruchtfolge, bei der beispielsweise nur jedes dritte Jahr Mais in der selben Erde wachsen darf. Diese schütze auch vor dem gefürchteten Maiswurzelbohrer.
Was wurde aus den Feldern im Landkreis, die mit Saatgut eingesät wurden, das durch gentechnisch verändertem Samen verunreinigt war? Diese Pflanzen wachsen nicht mehr. Die Felder wurden gepflügt und es wurde nachgesät. Nach wie vor gibt es keinen kommerziellen Anbau von Genmais in Baden-Württemberg. Johann Albert Pfister vom RP: „Die Stimmung ist so, dass das nicht erwünscht ist.“
Der Maiszünsler wird beim Körnermais biologisch mit einem Nützling bekämpft. Bei Energie- und Silomais könne der Befall mit dem Maiszünsler toleriert werden, sagt Albert Scholpp. Der Frühmais sei in diesem Jahr zeitlich normal reif, die späten Sorten müssten sogar etwas länger auf dem Feld bleiben. Von zu früher Reife beim Mais ist Albert Scholpp nichts bekannt.
Hinweise zur Herbstaussaat und zur Vermarktungssituation landwirtschaftlicher Erzeugnisse rundeten die Veranstaltung ab.
Informationen zum Schnellkäfer beispielsweise unter www.landwirtschaft-bw.info.
