Trecker-Treck als dreckige Angelegenheit
Sersheim (aa). Die Räder der Traktoren wühlen sich durch die nasse Erde. Der Regen in der Nacht zum Sonntag hat die Arena aufgeweicht. Trecker-Treck im Matsch ist in diesem Jahr in Sersheim angesagt. Die Gladiatoren auf den Schleppern nehmen es gelassen. „In den vergangenen Jahren hatten wir immer Glück mit dem Wetter“, sagt Jens Wilhelm, Vorsitzender des Trecker Teams Sersheim. Auch diesmal war’s nicht wirklich schlecht – wenn der Regen in der Nacht nicht gewesen wäre. Der nasse Untergrund hat die Piloten auf dem Feld beim Sersheimer Festplatz an der Straße nach Horrheim vor große Herausforderungen gestellt. Umbaumaßnahmen an den Fahrzeugen werden zwischen den einzelnen Durchgängen notwendig; die Gewichte werden mehr auf die Hinterachse verlagert Und dann zur Not auch ein Reinfall. Der Vorsitzende hat bei seinem zweiten Versuch mit seinem selbst zusammengebastelten John-Deere-Schlepper („Es war ein Brandschaden“) die Häme auf sich gezogen – er kommt nicht mal vom Start weg. Sagen wir mal, es waren kaum fünf Meter. Da hat sein Vereinskollege Michael Mayer gut lachen. Mit seinem Massey Ferguson 130 schafft der 34-Jährige, der seit 1992 beim Trecker-Treck dabei ist, die ganze Strecke – 75 rutschige Meter. Der Straßenmeister hat andere Felgen und scharfe Reifen ausgezogen und ist mit viel Gefühl durch den Dreck gepflügt. Er kann sein Glück kaum fassen. Auch Thomas Kern aus Beilstein legt mit seinem Deutz-Fahr DX den Full-Pull im Schneckentempo hin und strahlt. Er hat wohl zehn Minuten gebraucht für die 75 Meter. „Ich hätte es zur Hälfte der Strecke nicht geglaubt“, lacht er und freut sich über einen Fan, der ihm zum Spaß einen Benzinkanister auf den Schlepper reicht, „damit der Sprit auch ausreicht“. A und O beim Trecker-Treck ist die richtige Gewichtsverteilung. Die Schlepper – sie müssen vom Tüv abgenommen und auch zugelassen sein – sind in neun Klassen eingeteilt (1 bis 1400 Kilogramm Gewicht, 9 zwischen 8501 und 12 500) und werden vor dem Start gewogen. Die Pferdestärken sind nicht unbedingt ausschlaggebend, um ganz vorne zu landen. Fahrerisches Können und Fingerspitzengefühl sind neben der Motorkraft wichtig. Mit einem Spezialkran werden die Gewichte auf den Bremswagen gehoben; 24 Tonen Stahl liegen bereit. „Ich denke, dass wir heute bei den schweren Klasse aber nicht mehr als 17 Tonnen aufladen werden, der Boden ist zu nass“, sagt Wilhelm. Viele Fans haben sich ihre Logen, sprich Anhänger, mitgebracht und darauf zum Teil alte Sofas arrangiert. Sie genießen das Fest auf dem Stoppelacker, der inzwischen einem Schlammfeld gleicht. Unten an der Strecke stehen die Besuchermassen im Matsch. Gummistiefel hätte man anziehen sollen – beim Trecker-Treck geht’s nun mal dreckig zu.
