Montag, 21. Mai 2012

Starfotograf arbeitet im "Kunstwerk"






Udo Spreitzenbarth im "Kunstwerk". Foto: Arning
Udo Spreitzenbarth bei der Arbeit im "Kunstwerk". Foto: Arning

Nussdorf (aa). Die Kunstszene entdeckt das „Kunstwerk“ von Peter Klein. In dieser Woche ist Udo Spreitzenbarth, Fotokünstler mit hohem internationalen Renommee, zu Gast in Nussdorf. Er setzt hier exklusive Möbel von Bretz Couture in Szene. Die edlen Teile sollen zusammen mit Model Melissa Kurland zu Skulpturen werden. New York – Nussdorf. Der Gegensatz könnte krasser kaum sein. Udo Spreitzenbarth lebt sei 17 Jahren in der US-Metropole, hat sich dort einen Namen geschaffen, der in der Szene einen außergewöhnlichen Ruf hat. Auch Peter Klein ist auf Spreitzenbarth aufmerksam geworden, hat Bilder von ihm in seinen Hängungen # 1 und 4 gezeigt. Spreitzenbarth erinnert sich noch gut an die erste Begegnung mit dem ehemaligen Nussdorfer Unternehmer (Rectus, jetzt Parker): „Vor ein paar Jahren klingelte es bei mir an der Tür, was in New York eher die Ausnahme ist. Draußen standen Peter Klein und der Enzkreis-Landrat Karl Röckinger, die in der Stadt auf Tour waren, um Bilder zu kaufen.“ Die Verbindung Klein-Röckinger erklärt sich dadurch, dass eine Tochter von Klein einen Sohn von Karl Röckinger geheiratet hat. Und der Landrat ist auf dieser Schiene auch Mitglied im Stiftungsrat der Alison und Peter Klein-Stiftung geworden. Auch in der Kunstsammlung des Enzkreis-Landratsamtes findet man Werke von Spreitzenbarth. Der Name Spreitzenbarth ist inzwischen zum Markenzeichen mit hohem Bekanntheitsgrad und Wiedererkennungswert geworden. „Beste Bedingungen, um ein Klassiker zu werden“, schreiben Kritiker. Seine Werke, für die fünfstellige Preise bezahlt werden, hängen in New York und Shangai, Berlin und London – und eben auch in Nussdorf. Wer mit den Namen Udo Spreitzenbarth nicht viel anfangen kann, sei aufgeklärt: der heute 44-Jährige wuchs in Mühlacker auf, machte im gleichen Jahr wie Ministerpräsident Mappus sein Abitur und studierte dann in Hannover und Darmstadt Architektur. Nebenbei hat er als Fotomodell gearbeitet. „Bald hab’ ich entdeckt, dass es mehr Spaß macht, hinter der Kamera zu arbeiten“, sagt er. „Ich wollte meine Ideen auch schneller umsetzen, als dies in der Architektur möglich ist.“ Als er sich 1994 bei einem Trip in die Staaten in New York City regelrecht verliebte, warf er das Studium über Bord, borgte sich eine Canon AE-1 und zog „für sechs Monate“ in die Stadt seiner Träume – er ist bis heute dort geblieben. Inzwischen lebt Spreitzenbarth im Manhattener Kunst- und Nightlife-Viertel Chelsea in einem 450 Quadratmeter großen Loft, das er als Studio und Basis für nationale und internationale Jobs in der Kunst-, Mode- und Menschenfotografie nutzt. In den letzten Jahren ist vor allem China ein großes Einsatzgebiet für ihn geworden. Dort hat er zum Beispiel mit der Schauspielerin Bai Ling ein aufsehenerregendes Porträtprojekt geschaffen. Oder vor Kurzem den Basketballer Yao Ming (immerhin 2,29 Meter groß) abgelichtet. Die Haken abgelaufen habe er sich einst, um seine Bilder anzubieten, erzählt Spreitzenbarth, der ohne jegliche Starallüren auftritt. Und als er dann am Time Square ein von ihm aufgenommenes Riesenbild sah, war ihm klar: „Jetzt habe ich es geschafft.“ Vor allem außergewöhnliche Modeaufnahmen haben seinen internationalen Ruf begründet. Hier hat er seine eigenen Visionen umgesetzt. Und, so sein Manager, Matt Lehitka, „vor allem durch Zuverlässigkeit, Professionalität und Beständigkeit überzeugt“. Bei der Arbeit für die Firma Bretz Couture hat das Team absolut freie Hand. Der mit Melissa Kurland produzierte Bildband „Behind the Cat“ hat das Unternehmen aus Gensingen (Rheinland-Pfalz) voll überzeugt. Die Darstellung von Themen wie Identität und Heimat, Sehnsucht und Geborgenheit, die hier thematisiert werden, wirkt in Verbindung mit den Wohnobjekten des Familienunternehmens besonders eindrucksvoll. Das außergewöhnliche Ausstellungsgebäude „Kunstwerk“ Nussdorf soll jetzt den Rahmen für ein weiteres Imageprojekt werden. Die besonderen Lichtverhältnisse des Ortes und die großzügig eingeteilten Räume, in die Elemente des Industriebaus mit aufgenommen wurden, unterstützen die Arbeits- und Ausdrucksweise des Künstlers, der seine Muse Melissa Kurland – wie ein Bildhauer sein Modell – formt und festhält. 14 Sofaelemente werden in Nussdorf zusammen mit Melissa Kurland in Szene gesetzt. Dafür hat sich Spreitzenbarth eine Woche Zeit genommen. Schnellschüsse sind nicht seine Sache. Er muss das Gebäude erst fühlen. Und wenn es sein muss, werden auch Bilder der Ausstellung abgehängt. Melissa ist fertig geschminkt; das hat gut eine Stunde gedauert. Die Canon 5D des Meisters ist geladen. Erste Probeaufnahmen mit einer beigefarbenen Liege vor der kahlen Betonwand. Wer heute zufällig das „Kunstwerk“ besucht (11 bis 16 Uhr geöffnet), kann Spreitzenbarth bei der Arbeit beobachten. Oder er trifft ihn am Abend im Lienzinger „Nachtwächter“, wo er in den nächsten Tagen wohnt. Auf das schwäbische Essen freut er sich ganz besonders.


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