Montag, 21. Mai 2012

„Fähige Betreuer und gutes Essen“




Der Einmarsch der Nationen darf bei der „Füllmi-WM“ natürlich nicht fehlen. Hier läuft gerade das Team Dänemark vom Lager in Richtung Sportplatz, wo es anschließend zur Sache geht. Foto: Sattler

Diefenbach (sv). 42 Jahre „Füllmi“ und kein Ende sprechen eine deutliche Sprache: Die Sieben- bis Zehnjährigen Kinder genießen ihre Ferientage auf dem Gelände der Sportkreisjugend. Heute ist für die Kids, die seit Sonntag im Zeltlager sind, bereits Abschied nehmen angesagt.

Wenn man auf dem Füllmenbacher Hof Andreas Schaller sprechen will, muss man sich beeilen. Denn wenn der Lagerleiter nur wenige Minuten auf ein und der selben Stelle stehenbleibt, sieht er sich blitzschnell von einem Rudel Kinder umringt. „Andi, unser Zelt will andere Musik“, bemängelt ein Mädchen die Klänge, die aus den Camplautsprechern dröhnen. „Andi, haben wir irgendwo Wäscheklammern?“, will wenig später ein junger Mann wissen. Und kaum hat Schaller ihm die gewünschten Utensilien organisiert, kommt schon der nächste Teilnehmer auf den Lagerleiter zu – dieses Mal mit der Bitte, auf seinem Erinnerungs-T-Shirt zu unterschreiben.

Seit Sonntag kümmert sich der Mann, der eigentlich als Inhaber eines Reisebüros in der Vaihinger Innenstadt bekannt ist, um die kleinen und großen Probleme der Sieben- bis Zehnjährigen – und man merkt ihm an, dass es ihm Spaß macht. Auch in diesem Jahr haben Andreas Schaller und seine Mutter Christel das Sommerferien-Camp auf dem Füllmenbacher Hof organisiert. Es ist das 42. Jahr, in dem die Sportkreisjugend Ludwigsburg Kinder auf ihr idyllisch im Naturpark Stromberg gelegenes Gelände zum Zelten einlädt.

Am vergangenen Sonntag hat der erste Abschnitt der Freizeit begonnen, heute heißt es für 140 Kinder bereits Abschied nehmen vom „Füllmi“. Für Familie Schaller und ihr knapp 30-köpfiges Betreuerteam ist dann aber nicht das große Entspannen angesagt. Schon zwei Tage später bevölkern die Kinder, die sich für den zweiten Abschnitt angemeldet haben, die Zeltstadt.

Früher dauerte jedes Camp noch zwei Wochen. Andreas Schaller erklärt: „„Die Kinder sind zu jung, die packen die 14 Tage nicht. Früher gab es nach einer Woche immer einen Elternbesuchstag und ab dann wollten die meisten nur noch heim.“ Dann, so dachten sich die Schallers, doch lieber ein kürzeres Zeltlager, das über die volle Distanz Spaß macht. Offenbar mit Erfolg: „Wir haben relativ wenige Heimwehkinder“, bestätigt Andreas Schallers Ehefrau Sabine. Und wenn ein Kind doch einmal Sehnsucht nach der vertrauten Umgebung hat, helfen die Betreuer gerne. „Wir geben den Kindern dann Traubenzucker und sagen ihnen, es seien ‚Heimweh-Tabletten‘“, weiß Sabine Schaller Rat.

Überhaupt ist es schwer vorstellbar, dass bei dem reichhaltigen Programm, dass den Füllmi-Kids geboten wird, überhaupt Zeit für Heimweh bleibt. Für gestern hatten sich Hundestaffel und Zoll angekündigt. Am Mittwoch spielten die Jungen und Mädchen ihre eigene Füllmi-WM in den Disziplinen Fußball und Völkerball aus. Wem das immer noch nicht genug Action ist, kann sich bei Stationsspielen oder bei den Projekten austoben, die sich beispielsweise mit Basteln oder Rope Skipping beschäftigen.

Die Kinder sind begeistert. „Manche Jungs sitzen schon um fünf Uhr morgens im Zelt und warten darauf, dass sie an die Tischtennisplatte dürfen“, berichtet Sabine Schaller. Elektronische Unterhaltungsgeräte bleiben zu Hause – und viele Kids seien überrascht, dass sie die blinkenden Apparate überhaupt nicht vermissen: „Eine Woche ohne Nintendo oder iPod – viele kennen das gar nicht.“

Daneben vermittelt das Lager den Grundschülern spielerisch noch Kniffe für ihr Alltagsleben. Einmal am Tag verteilen die Betreuer nämlich die Zeltwertung. Um hier die volle Punktzahl zu ergattern, muss die „Bude“ richtig glänzen. „Da wird aufgeräumt, das haben manche Mütter noch nicht gesehen“, scherzt die Betreuerin.

Davon, dass die Kinder im „Füllmi“ bestens aufgehoben sind, ist auch Sportkreis-Präsident Matthias Müller überzeugt. „Einmalig in diesem Camp sind neben der idyllischen Lage auch der Teamgeist und das super Betreuerteam“, sagt der Funktionär. Auch ein Vertreter aus der Politik ist gekommen und zeigt sich begeistert. „Ich habe bereits mein eigenes Kind vor Jahren hier angemeldet und habe seitdem einen sehr guten Eindruck“, schwärmt Landestagsabgeordneter Wolfgang Stehmer (SPD).

Besonders lobt Stehmer die Arbeit der Zeltlager-Jubilarin Christel Schaller. Seit 50 Jahren ist sie in unermüdlichem Einsatz bei den Freizeiten der Sportkreisjugend dabei – zuerst in Untersteinbach und seit 1968 auf dem Füllmenbacher Hof. „Bereits mit 14 Jahren habe ich für die ganze Mannschaft in Untersteinbach gekocht“, erinnert sich die Organisatorin.

Auch heute steht die Roßwagerin noch in der Küche und weiß ganz genau, was die Zutaten für das erfolgreiche Zeltlager sind: „Das A und O sind fähige Betreuer. Und wenn das Essen nicht gut ist, dann ist das ganze Lager nichts.“ Da müssen sich die Teilnehmer keine Sorgen machen. Frühstück, Mittag- und Abendessen gibt es in Buffetform – fast wie im Hotel.

Trotz 50 Jahren Freizeiten ist der Jubilarin die Lust an der Arbeit mit den Kindern nicht vergangen: „So lange, wie ich es kann, mache ich es noch – und ich mache es gerne“. Selbst finanzielle Hürden, die durch Sanierungen des Haupthauses oder sonstige Neuanschaffungen entstehen und „einen manchmal zum Verzweifeln bringen“ (Christel Schaller), nehmen die Organisatoren für ihre Teilnehmer gerne in Kauf.

Alles wird getan, damit auch die nächste Generation noch Wäscheklammern suchen oder sich über die Musik aus den Lagerlautsprechern beschweren darf.




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