Montag, 21. Mai 2012

Vertrag unterzeichnet




Die Bürgermeister Scholz und Fiedler unterzeichnen die öffentlich-rechtliche Vereinbarung. Foto: Bögel
Die Bürgermeister Scholz und Fiedler unterzeichnen die öffentlich-rechtliche Vereinbarung. Foto: Bögel

Sachsenheim/Sersheim (ub). „Glücklich sind wir mit dem Thema alle nicht“, sagt der Sersheimer Bürgermeister Jürgen Scholz. Aber eine Alternative bleibt nicht: Gestern haben Scholz und sein Sachsenheimer Kollege Horst Fiedler eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung über eine gemeinsame Werkrealschule unterzeichnet.
 Mit der Unterschrift im Sachsenheimer Rathaus werden die bisherigen Hauptschulen an der Hofäckerschule in Sersheim und an der Burgfeldschule in Sachsenheim aufgehoben (eine Auswirkung auf die Grundschulen gibt es nicht). Zukünftig gibt es eine Werkrealschule an der Burgfeldschule in Sachsenheim (Stammsitz) mit einer Außenstelle Hofäckerschule in Sersheim. Sitz der Schulleitung ist Sachsenheim – Chef ist der seitherige Rektor der Burgfeldschule, Joachim Treffert. Sein Sersheimer Kollege Werner Wöhr übernimmt die Leitung der Sersheimer Grundschule. An der Burgfeldschule werden alle Klassen der Klassenstufen 8 bis 10, die Klassenstufen 5 bis 7 und an der Außenstelle in Sersheim nur noch die Klassenstufen 5 bis 7 geführt.
Bis zum Schuljahr 2015/16 wird ein Schulbezirk für die gemeinsame Werkrealschule eingeführt, der sich auf das Gebiet der beteiligten Gemeinden erstreckt.
Mit der neuen Werkrealschule können die Absolventen den mittleren Bildungsabschluss erreichen, der gleichwertig mit der Mittleren Reife sein soll. Die neue Werkrealschule ist zweizügig und bedingt eine Zulassungsnote von 3,0. In Hohenhaslach wird die Kirbachschule weiter als reine Hauptschule geführt.
„Wir haben dieses Projekt nicht um jeden Preis gewollt. Aber die Entwicklung in der Schullandschaft hat sich aufgedrängt“, sagte gestern bei der Vertragsunterzeichnung der Sachsenheimer Verwaltungschef Horst Fiedler. Nun wolle man den Kindern die besten Entwicklungschancen bieten.
An der Sachsenheimer Burgfeldschule haben die Sersheimer Hauptschüler bereits seither die alte Werkrealschule (zehnte Klasse) absolviert. Allerdings wollten die beiden Gemeinden als Schulträger die Schulen als gleichwertige Standorte erhalten. Fiedler: „Doch das machte das Kulturministerium nicht mit.“ Deshalb habe man Plan B umgesetzt, der die Hauptstelle an der Burgfeldschule vorsah.
Zuerst wollten die beiden Kommunen und die Schulen jeweils selbstständige Werkrealschulen. Das jeweilige Schulprofil hätte erhalten bleiben können, ebenso die gewachsenen Strukturen und ein mittlerer Bildungsabschluss am Wohnort. Nachdem jedoch in Vorgesprächen deutlich wurde, dass dieser Antrag zumindest für die einzügigen Hauptschulen, die Kirbach- und die Hofäckerschule, wenig Aussicht auf Erfolg haben wird, wurde alternativ der gemeinsame Antrag auf Errichtung einer Werkrealschule an der Burgfeldschule Sachsenheim unter Zusammenschluss des Hauptschulteils der Hofäckerschule Sersheim gestellt.
So wird ab dem kommenden Schuljahr die neue Werkrealschule mit verschiedenen Kursangeboten ab Klasse 8 umgesetzt – einschließlich die Herabstufung der Hofäckerschule durch die Fusion. Fiedler: „Dennoch heißt unsere Philosophie, so viel Schule vor Ort wie möglich.“
In Sersheim fiel die Entscheidung nicht sofort pro Sachsenheim. Bürgermeister Jürgen Scholz: „Wir wollten zuerst eigenständige Werkrealschule werden. Doch dafür hatten wir ganz klar zu wenig Schüler.“ Dann wurden „bilaterale“ Gespräche mit Vaihingen und Sachsenheim geführt. Scholz: „In Vaihingen hatten wir das Gefühl, nicht mit richtig offenen Armen empfangen zu werden.“ Sersheim wäre nur das fünfte Rad am Wagen gewesen.
Auch aus bildungspolitischen Gründen zettelt der Sersheimer Schultes keine Jubelorgie an. „Ich befürchte, dass die leistungsschwachen Schüler in der neuen Werkrealschule untergehen.“ Seither hätten die Neuntklässler besser betreut werden können.
Auch könne der neue Schultyp nur funktionieren, wenn die Wirtschaft den Schulabschluss gleichwertig wie die Mittlere Reife anerkenne. „Die Wirtschaft muss bereit sein, Werkrealschüler anzunehmen.“




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