Markgröningen hat ein neues Königspaar. Die 18-jährige Yvonne Fauser und der 17-jährige Andreas Erhardt haben den traditionellen Schäferlauf gewonnen. Beide rannten am schnellsten über das Stoppelfeld – natürlich ohne Schuhe.
Markgröningen (phs). Seit Samstag steht fest: Der alte König ist der neue König. Andreas Erhardt aus Stödtlen (Ostalbkreis) hat sich gegen seine sieben Gegner durchgesetzt. Der 17-Jährige rannte am schnellsten barfuß über das gut 300 Schritte lange Stoppelfeld beim Markgröninger Schäferlauf. Die begehrte Schäferlaufkrone durfte er sich damit bereits zum zweiten Mal aufsetzen – auch im vergangenen Jahr hatte der junge Mann gesiegt.
Im Ziel schüttelte er die Hände von Ministerpräsident Günther Oettinger, Landrat Dr. Rainer Haas und die von Markgröningens Bürgermeister Rudolf Kürner. Fassen konnte er seinen erneuten Sieg kaum, rang um Luft und sagte: „Einfach nur genial.“
Es komme einfach nur darauf an, zu rennen. Etwas anderes zähle nicht. „Ich habe bestimmt ein paar Kratzer, aber den Schmerz blendet man einfach aus“, sagte Andreas Erhardt. Dann warf er seinem Bruder Michael einen tröstenden Blick zu: Der 14-Jährige rannte kurz nach Andreas ins Ziel und wurde Zweiter. Ein klarer Doppelsieg für Stödtlen. Auf dem dritten Platz landete der 16 Jahre alte Peter Rück aus Kirchdorf.
Bei den Jungs gingen acht Läufer an den Start. Mehr waren es bei den Mädels: 22 Läuferinnen rannten barfuß über das Stoppelfeld. Teilnehmerrekord. Entsprechend eng ging’s zu. Am schnellsten war am Ende die 18-jährige Yvonne Fauser aus Pfronstetten (Kreis Reutlingen), die schon zum vierten Mal dabei war. Sie rannte ihren 21 Konkurrentinnen davon und kam vor der 14-jährigen Katja Röck aus Kirchdorf und vor Franziska Nieß (17) aus Langenau im Ziel an. Zum Thema Schmerzen hatte die Königin eine ähnliche Meinung, wie der König: „Da muss man durch wenn man gewinnen will.“ Und umgekommen sei schließlich auch noch keiner.
An der Tatsache, dass in den vergangenen 100 Jahren nur einmal ein Markgröninger gewonnen hat, wurde auch dieses Mal nicht gerüttelt. Vor 50 Jahren rannte Stadtschäfer Wolfgang Ott am schnellsten übers Stoppelfeld. Heute wohnt kein Schäfer mehr in dem Ort. Die Stadtschafe von Markgröningen hütet jetzt ein Rieter.
Auch Markgröninger stehen auf den Siegerlisten
Doch obwohl unter den Schäferlauf-Teilnehmern kein Markgröninger war, standen trotzdem ein paar auf den Siegerlisten. Svenja Baier und Marc Reutter gewannen den Hahnentanz, Markus Pfeiffer das Sacklaufen. Beim Wassertragen siegten die Markgröningerinnen Maria Gerls und Hannelore Hayer sowie die Schwieberdingerin Jessica Neerpasch.
An den Start dürfen beim Schäferlauf übrigens nur Berufsschäfer und deren Nachkommen gehen. Die jungen Männer und Frauen sollen beweisen, dass sie für den Beruf ihrer Väter und Mütter geeignet sind und einem fliehenden Schaf schnell genug hinterherlaufen können. Yvonne und Andreas haben bewiesen, dass sie’s können.
Als Belohung bekamen beide ein Schaf vom Landesschafzuchtverband. Landrat Dr. Rainer Haas krönte das neue Königspaar vor rund 4000 Zuschauern und unter tosendem Applaus. Wenn Andreas Erhardt im kommenden Jahr noch mal gewinnt, darf er an keinem Schäferlauf mehr teilnehmen. Das schreibt das Regelwerk vor. Ausnahmen werden keine gemacht.
