Montag, 21. Mai 2012

Knifflige Aufgabe für Schäfer und Hund




Schäfer, Hund und Herde müssen beim Leistungshüten harmonieren. Foto: Küppers
Schäfer, Hund und Herde müssen beim Leistungshüten harmonieren. Foto: Küppers

Markgröningen (rkü). „Macht das nicht eh alles der Hund?“, fragen sich manche beim Leistungshüten, das den Auftakt zum Markgröninger Schäferlauf bildet. Der Schäfer steht ruhig auf der Wiese, deutet dem Hund die Zugrichtung der Herde an und der Vierbeiner bringt die Schafe auf Trab. Doch so glatt läuft es nur, wenn der Schäfer alles im Griff hat.

Hunderte Zuschauer haben sich eingefunden, als sechs Schäfer am Freitagmorgen zum Leistungshüten antreten. Ihre Aufgabe: Eine fremde Herde übernehmen, sie weiden und unbeschadet über Hindernisse und durch den Straßenverkehr führen. Während der Schäfer scheinbar eine ruhige Kugel schiebt, läuft sein Hund zu Hochform auf. Zumindest hat es den Anschein. Erfolgreich ist das Team dann, wenn die Herde beisammen bleibt und nicht störend auffällt.

Was so verträumt aussieht, verlangt dem Schäfer höchste Konzentration ab. Die wolligen Tiere werden ihrem Ruf als lebende Rasenmäher gerecht und scheinen sich nicht um ihre Umwelt zu kümmern. Ein Pfiff, ein Ruf zum Hund – der treue Gehilfe des Schäfers läuft los und treibt die Herde zusammen. Dann setzt er die Schafe, in die gewünschte Richtung in Bewegung. Keines der Tiere darf ausbrechen oder zurückbleiben, Schäfer und Hund haben alle im Blick. Auch als es durch die staunende Menschenmenge geht, trotten die Vierbeiner gemächlich weiter – Herdentrieb nennt sich das.

Eine knifflige Aufgabe erwartet den Schäfer, wenn er mit seiner Herde auf die Landstraße einschwenkt. Die Polizei steht bereit und sperrt den Abschnitt für etwa fünf Minuten. Nur ein Auto darf durch, denn es gehört zur Aufgabenstellung dazu. Schaffen es Schäfer und Hund, die vorwärts trottenden Schafe auf eine Fahrbahnhälfte zu drängen, so dass der Autofahrer ohne Ausweichmanöver passieren kann? Der Erfolg ist wechselhaft. Zum Glück ist der Fahrer schaffreundlich eingestellt. Die Preisrichter rechnen aufmerksam mit. Zwei von ihnen folgen der Herde auf dem Fuß. Sie beobachten aus nächster Nähe, welchen Erfolg die Anweisungen des Schäfers haben.

Die Besucher werden derweil über Lautsprecher informiert, nach welchen Kriterien die Bewertung der Schäfer erfolgt und welche Tätigkeiten zum Berufsbild des Tierwirts mit Schwerpunkt Schafhaltung gehören. Wirtschaftlichen Erfolg verspreche eher der Verkauf von Lammfleisch als die Wollproduktion, heißt es – nur zwei Prozent der Einnahmen bei der Schafhaltung stammen aus dem Woll- und Fellverkauf.

Eine Ansage hätte sich der Moderator übrigens schenken können. Nach dem dritten Schäfer hat sich die Herde eine Pause verdient. „Bitte halten Sie Abstand vom Pferch, damit die Schafe zur Ruhe kommen.“ Der Erfolg dieser Mahnung war derselbe, den er auch mit folgenden Worten erzielt hätte: „Bitte versammeln Sie sich um den Pferch, die Schafe drängen sich dann schon in der Mitte zusammen, wenn sie von Ihnen nicht gestreichelt und gefüttert werden wollen.“ Immerhin: Auch ein paar Ziegen gehören zur Herde. Sie zeigen mehr Neugier als die Schafe und lassen sich sogar streicheln.

Am Ende gewinnt Manfred Voigt aus Michelbach mit großem Abstand vor seinen fünf Mitbewerbern. Voigt und seine Hündin Xenita erhalten die Note „vorzüglich“.




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