Chinasittich Kiki als des Rätsels Lösung
Vaihingen (sr) – Redaktionsleiter Albert Arning gibt den entscheidenden Tipp: „Das ist der Papagei von gegenüber.“
Das Rätselraten um ein Geräusch, das einige VKZ-Mitarbeiter nachhaltig verstörte, hat ein Ende. Kiki heißt die Vogeldame, die mit ihrem energischen Organ das Interesse auf sich zog. Die Suche nach der Ursache des Lärms verursachte Kopfzerbrechen. Kinder mit modernem Spielzeug wurden verdächtigt. Oder war’s ein Vogelschrei-Apparat im Weinberg? Hin und wieder wurde die Arbeit unterbrochen und vom Fenster am Vaihinger Marktplatz aus verrenkten die VKZler sich bei der Suche nach dem Verursacher den Hals. Ohne Erfolg, denn Kiki ruft im Schutze der Wohnung.
Wenn Kiki richtig loslegt, dann klingt das, gelinde gesagt, beeindruckend. Ungefähr so, als würde der Ruf einer Krähe und einer Ente gleichzeitig mit neunfacher Lautstärke und in doppelter Geschwindigkeit abgespielt werden. Ruft Kiki einem mit Schmackes ins Ohr, droht Tinnitus.
Kiki, die Chinasittich-Dame, kann aber auch anders. Wenn „Frauchen“ Kerstin Graeter und Töchterchen Lena mit der bunt Gefiederten turteln, antwortet sie mit gutturalem Geschnurr. Hin und wieder sind Wortfetzen oder ein tiefes „Hallo“ zu erkennen. Die Pupillen des Vogels führen beim zärtlichen Geplänkel zwischen Mensch und Tier heftige Zuckungen durch. Als Augenrollen beschreibt das die Besitzerin. Kiki ist freudig erregt. „Ich glaube nicht, dass die mit einem anderen Vogel vergleichbar ist“, sagt Kerstin Graeter. Und erwähnt nebenbei: „Die spaltet Holz.“ In der Tat haben diverse Einrichtungsgegenstände unter dem starken Schnabel von Kiki sichtbar gelitten.
Chinasittich Kiki wohnt mit drei Menschen, zwei Kaninchen und Kumpel Mickey, seines Zeichens Indischer Halsbandsittich, direkt am Vaihinger Marktplatz. Es scheint so, als habe sie ihre Mitbewohner relativ gut im Griff. „Es hört sich an wie Musik“, schwärmt die neunjährige Lena von den Lautäußerungen der rund 30 Zentimeter großen Papageien-Dame. Der deutlich kleinere Sittich Mickey ist darum bemüht, seine Volieren-Partnerin bei Laune zu halten. Mit Gefiederpflege und dem Reichen von Leckereien sammelt er Sympathiepunkte. Trotzdem darf er nicht auf ihrem Tontopf schlafen, denn „er ist ein bisschen unterdrückt“. Ihre Menschen weckt die acht Jahre alte Kiki gerne zur Morgendämmerung mit einem dezenten Schrei. Rührt sich dann noch nichts, kann’s schon mal laut werden. Aber Kerstin Graeter hat auch ihre Tricks. Mit einer Sprach-CD, von der spanische Worte erklingen, kann der Vogel mit der lauten Stimme noch eine Weile ruhig gestellt werden.
Denn Kiki und ihr Kumpel Mickey sind sozusagen zweisprachig aufgewachsen. Im Loro-Park auf Teneriffa wurden sie geboren und verbrachten dort ihre erste Lebenszeit. Familie Graeter wollte vor fünf Jahren in einer schwäbischen Zoohandlung „nur mal gucken“, reservierte die beiden Vögel und holte sie kurz darauf ab. Im Internet habe man sich schon erkundigt. Dort wurde empfohlen, vor der Anschaffung eines Chinasittichs die Nachbarn zu befragen. Aber diese seien nicht so eng gesät und der Geräuschpegel am Marktplatz sowieso recht hoch. Je mehr Halligalli am Löwenbrunnen herrscht, desto lauter mischt Kiki mit.
Das Hobby ihrer beiden Sittiche sei schreien und baden, sagt Graeter. Seit ihrem siebten Lebensjahr waren Wellen- und Nymphensittiche ihre Wegbegleiter: „Mit denen kann man auch duschen, aber vor dem Einseifen muss man sie verjagen.“ Das unterhaltsame Pärchen in der Zimmervoliere über dem Markplatz liebt es, mit einem Wasser-Zerstäuber erfrischt zu werden. Dann hängt Kiki kopfüber an der Stange, streckt die Flügel in Richtung Boden und lässt sich befeuchten.
Im zoologischen System gehört Chinasittich Kiki zur Ordnung der Papageien und hierin zur Gattung der Edelsittiche. In ihrer asiatischen Heimat bewohnen die Vögel Bergwälder, können aber bei der Futtersuche im Schwarm Schaden in Hirse- und Maisfeldern anrichten. Hierzu gesellen sie sich gerne zu Halsbandsittichen, weshalb Kiki und Mickey auch eine gewisse natürliche Freundschaft verbindet. Wer ein Chinasittich-Männchen besitzt könne sich aber gerne bei den Graeters melden.
Kiki gilt laut Enzyklopädie der Papageien und Sittiche als „Edelsittich mit kräftiger Stimme und einem gewaltigen Nagebedürfnis“. Würden die Graeters den Vogel, Lebenserwartung zirka 30 Jahre, wieder hergeben? „Niemals“, ruft Lena und schiebt dem bunten Schreihals ein Stückchen Keks zu. Kiki rollt die Augen und nickt zufrieden.
