Montag, 21. Mai 2012

Der Markgröninger Stadtschäfer




Edmund Wörner und Franz sind ein eingespieltes Team: Die Schafherde lassen sie nicht aus dem Blick. Foto: Hörner
Edmund Wörner und Franz sind ein eingespieltes Team: Die Schafherde lassen sie nicht aus dem Blick. Foto: Hörner

Markgröningen/Riet (bk). Zu jeder Schäferlaufstadt gehört ein Stadtschäfer. Das gilt erst recht für Markgröningen, die Wiege des Schäferlaufs. Für die Stelle wechselte Edmund Wörner aus sogar seinen Beruf. Der gelernte Metzger sattelte um auf Schäfer.
Im Sommer trifft man Wörner fast den ganzen Tag auf der Weide. Nur in der Mittagszeit nicht. Dann macht er Heu und Futter für seine Tiere. Seine 250 Schafe grasen gerade mit einem Dutzend meckernder Burenziegen auf einer Streuobstwiese in Riet. Die Weide liegt versteckt in einer Mulde, von der aus man den Vaihinger Ortsteil sehen kann. Ansonsten gibt es dort nichts als Felder. Die Schafe lassen sich das Gras schmecken. Das ist nicht zu überhören. Mit einem kräftigen Ruck reißen sie es büschelweise raus. Fünf schwarze Schafe hat es in Wörners Herde: „Ein paar schwarze braucht man immer, wie im richtigen Leben gibt’s sie überall“, meint der Schäfer, grinst vielsagend und wendet sich wieder seinen Tieren zu.
Sie haben er und Franz fest im Blick. „Ich muss schauen, ob alle gesund sind“, erklärt der 39-Jährige auf seine Schäferschippe gelehnt, „und ob alle genügend fressen.“ Das tun Schafe sieben bis acht Stunden am Tag – je nach Futter. Auf die Frage, was ihn denn an der Schäferei fasziniert, hat er nicht sofort eine Antwort parat. Er überlegt erst und sagt dann: „Der Umgang mit den Tieren und die Natur.“
Zuerst aber hat der Schäfers-Sohn aus Riet das Metzgerhandwerk gelernt und dann das seines Vaters. Schäfer im Hauptberuf ist er erst seit 2000. In dem Jahr besetzte Markgröningen die lange Zeit vakante Stelle des Stadtschäfers wieder, sollte doch die Tradition der Schäferei in der einstigen Hauptstadt der Schäferzunft bewahrt werden. Die Kommune und Wörner profitieren voneinander. Er hat in Vaihingen nicht genügend Weiden, um eine Herde zu ernähren. Dabei ist seine mit 250 Tieren eher klein. Kollegen von ihm haben heute oft 600 bis 1000 Tiere. Die Weideflächen auf Markgröninger Gemarkung wiederum sind nicht nur fett. Von etwa 70 Hektar sind 25 Hektar Magerrasen – Schonkost für die Schafe.
Deshalb unterstützt die Stadt Wörner. 1994 gründete sie den Schafhaltungsfonds. Ein Teil der Einnahmen aus dem Verkauf von den Festplaketten für den Schäferlauf sowie zehn Prozent der Standmieten der Marktbeschicker fließen in den Fonds. Jährlich kommen so 15000 bis 35000 Euro zusammen. Der Schafstall, den Wörner im Winter für seine Tiere kostenlos nutzen kann, wurde unter anderem mit diesem Geld finanziert. Bürgermeister Rudolf Kürner kann sich vorstellen, mit dem Geld aus dem Fonds Streuobstwiesen zu kaufen, die des Stadtschäfers Herde mähen könnte.
Dass Wörner auf die Schäferei umsattelte, hat er nicht bereut. Obwohl sein Zweitberuf ein Knochenjob ist: „Ich muss 365 Tage im Jahr da sein und nach den Viechern gucken.“ Daneben kämpft er mit Problemen wie etwa Verfall der Wollpreise. Zu schaffen macht ihm und seinem Berufsstand auch das Begrünen abgeernteter Felder. Das kostet Weidefläche. Und auch Biogas-Anlagen lassen das Futterangebot knapper werden: „Auf Feldern, die mit der Gülle gedüngt wurden, frisst kein Schaf“, erklärt Wörner.
Die letzten Tage vor dem Markgröninger Schäferlauf sind für ihn besonders arbeitsreich. Er muss schlachten und Wurst machen, die den Festgästen neben Lammfleisch serviert werden. Der Schäfer selbst isst gern Lamm – egal ob gegrillt, als Braten oder als Gulasch. Mit einem besonderen Lammrezept à la Wörner kann der Stadtschäfer jedoch nicht dienen.
Langsam wird es Zeit für ihn, die Arbeit ruft: „Kommet, hopp, hopp, hopp“, ruft Wörner seine kurzen Kommandos und zieht mit seiner Herde weiter.




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