Montag, 21. Mai 2012

Leitungen werden eingepflügt




Mit dem Pflug werden Leitungen in den Boden eingebracht. Foto: Arning
Mit dem Pfliug werden Leitungen in den Boden eingebracht. Foto: Arning

Vaihingen (aa). Nach der Ernte wird gepflügt. In diesem Fall werden die Felder allerdings nicht für die nächste Vegetationsperiode vorbereitet; hier zieht ein riesiger Pflug einen 1,20 Meter tiefen Graben durch die Flur. In die „Furche“ werden Leitungen verlegt. Leitungen, gegen die es keine Proteste gibt. In ihnen wird künftig das Abwasser von Aussiedlerhöfen fließen.
„Das ist gut vorbereitet“, lobt der Landwirt, der bei der Bautruppe der Firma Schnell aus Baden-Baden vorbeischaut. Das Lob ist vor allem auf Wolfgang Lieb gemünzt; der Diplom-Ingenieur ist Leiter der Abteilung Abwasserbeseitigung bei der Stadt Vaihingen und hat die Aktion vorbereitet. Lieb gibt sich zwar ein wenig verlegen, doch es tut ihm schon gut, wenn seine Arbeit gewürdigt wird.
Um was geht es? Im Bereich der Stadt Vaihingen gibt es etliche Hofstellen, die nicht an das Abwassernetz angeschlossen sind. Vor allem in den 50er- und 60er-Jahren siedelten die Landwirte aus den engen Dörfern aus. Die Bauern haben ihre häuslichen Abwässer in geschlossenen Gruben entsorgt und in der Regel auf den Feldern ausgebracht. Das ist ab dem kommenden Jahr nicht mehr erlaubt. Lieb nennt das Problem der endokrinen Stoffe (darunter versteht man zum Beispiel Hormone und Arzneimittelrückstände), die auf den Feldern verteilt wurden: „Die bauen sich schlecht ab.“
Die Landwirte können
selbst entscheiden
Im Prinzip gibt es drei Möglichkeiten zur Entsorgung des belasteten Abwassers: Es zur Kläranlage zu bringen, eine Kleinkläranlage zu bauen oder den Hof an die Abwasserversorgung anzuschließen. Was in diesen Tagen betrieben wird, ist Variante drei. Es gibt auch Landwirte, die lieber eine andere Version der Abwasserentsorgung gewählt haben. Lieb: „Das lassen wir jeden selbst entscheiden.“
Schon im vergangenen Jahr hat Wolfgang Lieb die Aktion vorbereitet mit den Landwirten und den Grundstücksbesitzern Kontakt aufgenommen, Zeitpläne und Kostenrahmen vorgestellt. Manch ein Bauer musste schon heftig schlucken, als er hörte, mit welchen Summen er rechnen muss. Lieb: „Die Kosten übernimmt natürlich nicht die Stadt, wir organisieren nur die Durchführung.“ Für die drei Bereiche, in denen in diesen Tag die Abwasserrohre verlegt werden (zwei Höfe in der Vaihinger Au, drei Stellen der Enzweihinger Waldhöfe und vier Lerchenhöfe-Anwesen) laufen insgesamt Kosten von 178000 Euro auf, die einzelnen Nutzer müssen bis zu 30000 Euro bezahlen. Aus dem Landesprogramm „Pumpe - Schlauch“ gibt es einen 30-Prozent-Zuschuss, wenn die Maßnahme über 10000 Euro kostet. Das ist hier überall der Fall.
Jedem Einsatz geht eine Leitungserkundung voraus: Wo liegt der Strom, wo sind Wasserrohre vergraben, wo laufen Telefonstränge? Wie tief können wir graben? Auf den Feldern zwischen Bonlanden und dem Auricher Hasenlauf wurde gestern als Abschluss des Vaihinger Einsatzes der Leitungspflug gezogen. Da steht eine Rolle mit den Leitungen (Durchmesser 6,3 Zentimeter) auf dem Feld, den Beginn der Arbeitsgruppe markiert eine Seilwinde, deren Schild sich in den Boden gefressen hatte. An der Seilwinde hängt eine Arbeitsmaschine mit Pflug, über den das Rohr, das neben der Trasse liegt, automatisch in den Boden geführt wird.
Die Leitungsspur ist
kaum zu erkennen
Ein Meter zwanzig tief wird die Erde aufgerissen. Über den Dumper wird gleichzeitig Sand in den Graben eingebracht (pro 100 Meter Leitung sind es zwischen acht und zehn Tonnen) und ein Trassenwarnband verlegt. Nach dem Dumper fällt die Erde schon wieder zusammen; es ist nur noch eine etwas größere Pflugspur zu erkennen. Wenn die Schollen eingeebnet sind, ist auf dem Stoppelfeld fast nichts mehr zu sehen. Angeschlossen wird im Fall der Arbeiten bei den Lerchenhöfen an die Abwasserleitung, die von Nussdorf nach Enzweihingen zur Kläranlage Strudelbach führt.
„Eine gute Truppe.“ Auch Wolfgang Lieb verteilt Komplimente an Bauleiter Marco Zapf und Polier Thomas Armbruster. Das Unternehmen aus Baden-Baden hat große Erfahrungen auf diesem Gebiet, schafft unter anderem auch in Schottland oder Spanien – wenn es die Geologie erfordert auch mit Felsfräsen. Doch beim Vaihinger Einsatz tut es der Pflug. Da stößt man allenfalls ab und zu auf einen Findling oder muss einen Makadamweg überqueren.
Zur Maßnahme gehört schließlich auch noch die Montage der Pumpenschächte auf den einzelnen Hofstellen. Bis in wenigen Wochen heißt es dann: „Abwasser marsch Richtung Kläranlage.“




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