Montag, 21. Mai 2012

Die Wander-Tour




Start der Wanderer am Stromberg-Gymnasium. Foto: Rücker
Start der Wanderer am Stromberg-Gymnasium. Foto: Rücker

Vaihingen (sr). Absoluter Rekord: 266 Wanderer machten sich bei der 30. S-VKZ-Tour am Samstag auf die Socken. Das Wetter und das Panorama ließen nichts zu wünschen übrig.
Vaihingen. So viele Wanderer haben noch nie an der Wandertour, die in den Sommerferien von der Vaihinger Kreiszeitung und der Kreissparkasse angeboten wird, teilgenommen. An die neue Superzahl 266 kommt auch Nussdorf mit 250 Wanderern im Jahr 2007 und der Perfekte Standort im letzten Jahr mit 243 Teilnehmern nicht heran.
Kurz nach der Abfahrt der Radler fällt für die Wanderer am Samstagmorgen der Startschuss am Vaihinger Stromberg-Gymnasium. Ausgetüftelt hat die Strecke mit Ziel beim Sportplatz des VfB Vaihingen größtenteils Norbert Kötter. Der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe Vaihingen des Schwäbischen Albvereins hat von mehreren Varianten die schönsten Teilstücke zusammengepfriemelt. Das Augenmerk lag dabei darauf, dass Wanderer und Radler sich nicht in die Quere kommen durften. Heraus kam eine neun Kilometer lange Strecke, die mit etlichen schönen Aussichten über die Vaihinger Markung überraschte. Mit etwas Überschwang könne sogar von einer Premium-Wandertour gesprochen werden, sagte Kötter.
Mit drei Vereinskollegen, die sich im Feld der Wanderer verteilen, führt Kötter die Teilnehmer sicher vom Start zum Ziel. Nur moderate Steigungen sind zu bezwingen und so kann auch die vierjährige Leonie Hüeber mit ihrem Laufrad gut mithalten. „Als Familientour sind die Wanderer fast zu schnell“, stellt Mutter Daniela Hüeber fest, die als Schieber und Bremser beim Zweirädle fungiert. Doch mit dem fahrbaren Untersatz ist das Mithalten kein Problem.
Eindeutig nicht überfordert hat das Wandern Gisela und Roland Krohmer aus Vaihingen. „Vielleicht gehen wir nachher noch schwimmen“, sagt die 74-Jährige und lacht. Ihr ein Jahr älterer Mann ergänzt: „Wir sind dieses Jahr schon 60-mal 1000 Meter geschwommen und waren 1300 Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs.“ Mit von der Partie bei dieser Tour sind auch vier Teilnehmer mit Behinderung von der Lebenshilfe. Der Trupp hat mittlerweile das Weingut Nonnenmacher hinter sich gelassen. Bei optimalen Temperaturen geht’s vorbei an Maisfeldern und Streuobstwiesen. Den einen oder anderen Autofahrer erwischt’s kalt und er muss sich in Geduld üben, bis die Gruppe vorbei ist. „Da muss man durch, mir rennt nichts weg“, meint einer. Rechter Hand zeigt sich kurz Schloss Kaltenstein zwischen den Obstbäumen.
Offensichtlich haben sich einige Familien gesplittet: Die zehnjährige Celina Bausch und ihre Mutter laufen wacker, während der Papa und die Schwester Rad fahren. Auch Johannes (9) und Sarah Hartmann (13) aus der Nähe von Sigmaringen halten das Tempo des Trosses ohne Probleme. Sie besuchen gerade die Oma in Vaihingen und sind „halb freiwillig“ mitgelaufen. Doch jetzt macht’s schon Spaß, bestätigen die Geschwister. Helga und Richard Grötzinger aus Hochdorf sind fast immer bei der Tour dabei, aber: „Wenn’s zu heiß gewesen wäre, wären wir nicht gekommen.“ Von Alfred Dölker aus Vaihingen gibt’s Gratis-Tipps in puncto Fotografieren. Die Füße tun ihre Arbeit nahezu unbemerkt und schon kommt die Bahntrasse in Sicht. Nun ist es nicht mehr weit bis zur Tourpause auf der Wendeplatte am mittleren Kornbergweg. Der Blick schweift über Enzweihingen.
An der Getränkestation wird auch Jack, der schwarze Labrador von Rose Stahl, mit frischem Wasser versorgt. Gemeinsam mit Gisela Baur bildet das Duo aus Oberriexingen einen farblich harmonischen Hingucker in Schwarz und Rot. „Die Männer fahren Rad“, lassen die beiden Frauen wissen.
 Vier Helfer von Ensinger Mineral-Heilquellen sorgen für Erfrischung der Sportler und weiter geht’s an Reben und Trockenmauern vorbei in Richtung Kernstadt. Auf dem Grasweg sinniert Stefan Heffner, Regionaldirektor der Kreissparkasse Ludwigsburg in Vaihingen, über die Superkulisse und reifes Obst, das den Wanderer anlacht. Vaihingen kommt in Sicht und am Platz des Hundesportvereins vorbei bewegt sich der Pulk in Richtung Stuttgarter Straße. Dort wird’s beim Überqueren ein bisschen knifflig. Das hätte vielleicht anders gelöst werden können, meinen später einige Teilnehmerinnen. Außerdem hätten sie sich eine Beschilderung gewünscht.
 Ein Grüppchen aus Ensingen sorgt mit einer Fahrradklingel hin und wieder für Verwirrung. „Die hatte ich noch in der Hosentasche“, grinst der Übeltäter. Am südlichen Rand der Wolfsbergsiedlung können die Wanderer in die Gärten spicken und sich Anregungen für Zuhause holen. Heinrich Rau aus Horrheim nähert sich schwer bepackt den Staffeln, die hinunter zur Enzgasse führen: Auf seinen Schultern ruht sich der sechsjährige Valentin aus, an der Leine zieht Hund Cora in Richtung Enz. Die kleine Lene Vorreiter aus Aurich wird von einem der zwei DRKler nach unten getragen, während Mutter Diane mit dem Kinderwagen hinterherhoppelt. „Es war schön“, sagt sie. Heiko Jankowski und Martin Ackermann vom DRK-Vaihingen sind altgediente Tourler, in ihren Rucksäcken wartet Verbandszeug und Sprudel auf den Einsatz. Vergebens. „Keine besonderen Vorkommnisse, alles ruhig“, lautet ihre Auskunft. Die Enz wird überquert und der Weg führt am Fluss entlang schließlich zum Ziel.
Wanderführer und Schlusslicht Günter Kühnemann stellt nach einem Blick auf die Uhr fest: „Das war der richtige Schritt.“ Rund zweieinviertel Stunden sind seit dem Start vergangen. Norbert Kötter ist vollauf zufrieden: „Bis jetzt habe ich keine Beschwerden gehört und mir hat’s auch Spaß gemacht.“ Tour-Teilnehmerin Gisela Krohmer ist schon in Richtung Enztalbad unterwegs: „Wir gehen jetzt schwimmen“, verkündet die Seniorin.




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