Vaihinger Strandleben hat bei jedem Wetter Fans
Vaihingen (sr) – Seit einigen Wochen prägt der Vaihinger Strand das Gesicht der Kernstadt. Dort wird gebuddelt, gedöst, gelacht und gerangelt. Die VKZ-Redaktion, mit Sitz am Puls des Strandlebens, sondierte die Stimmungslage auf dem Marktplatz vorm Rathaus.
Ob der Donnerstag der heißeste Tag des Jahres war oder bleibt, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass der Vaihinger Sand zeitweise einer öden Wüste glich. Zu heiß war’s, sogar fürs Strandleben. Doch ab und zu durchschnitt ein Kinderstimmchen die flimmernde Luft. „Wir sind doch keine Fußwaschanlage“, keifte ein Dreikäsehoch aus dem Brunnen raus. Dabei hatte sich die Barfußläuferin nur kurz die glühenden Füße in der Matschepampe der Kinder kühlen wollen.
Ansonsten prägt gute Stimmung die ehrenamtlich gestemmte Aktion. Eine, die das beurteilen kann, ist Ina Dieterle. Zusammen mit ihrem Team sorgt sie vom Strandkiosk aus täglich ab 14 Uhr für Erfrischung. Zum zweiten Mal ist sie dabei und hat mehr Spaß als 2007. Ein Grund könnte der Beginn des Strandlebens schon während der Schulzeit sein, vermutet sie. Damit habe sich die Aktion schneller in den Köpfen etabliert. Stoßzeiten, in denen sich Besucher auf und zwischen den Liegestühlen drängen, folgen keiner Logik. „Am Montag und Dienstag war’s zwar auch schön aber abends leer, dafür war am Mittwoch die Hölle los“, plaudert Ina Dieterle aus dem Nähkästchen. Da sind dann Weizenbier und Caipirinha mit und ohne Alkohol der Renner. Rappelvoll sei der Marktplatz gewesen, bei einer „friedlich, schönen, entspannten Stimmung“.
Diesem Bild entspricht auch ein kleines Grüppchen von Senioren, die sich am Donnerstag vor der Gluthitze in den Schatten retten. Mit Hut auf dem Kopf und Weizenbier in der Hand schlagen Stefan Lehmann und seine Begleiter die Zeit tot. Bei einem Tagesausflug in unsere Region wurden der Seniorengruppe aus Rottweil drei Stunden für Vaihingen eingeräumt. „Viel Zeit für Vaihingen“, urteilt Lehmann.
Doch der Strand sei toll und auch das offene Bücherregal wird hergelobt. Mit einem kühlem Getränk lassen es sich die Ausflügler im schattigem Plätzchen gut gehen. Kühles Nass lässt auch Kinderherzen höher schlagen: das Wasser aus dem Marktplatzbrunnen. Aus der aktuellen Kombination auf dem Vaihinger Marktplatz ergibt sich eine Art Naturgesetz: „Da, wo Sand, Kinder und Wasser zusammenkommen, wird gepanscht“, sagt Lothar Zink von den Technischen Diensten der Stadtverwaltung. Er spricht aus Erfahrung. Einmal wöchentlich reinigen die Mitarbeiter den Löwenbrunnen derzeit. Das mit dem Sand sei schon ein „bissle“ lästig, aber der Müll, der sonst das Jahr über im Brunnen lande sei schlimmer, als das sandige Chaos, das die Kinder verursachen.
Das Planschen im und mit dem Brunnenwasser werde von der Stadt toleriert. Im Brunnen befinde sich Trinkwasser, das auch aus den Düsen fließt. Durch den Überlauf erfahre der Brunneninhalt eine gewisse Erneuerung. Mit Anti-Algenmittel wird nur bei den Putzaktionen hantiert und danach wird das Brunneninnere ausgespült.
Das wird Elfi Wagner freuen. „Eine Wohltat“, seufzt sie, als sie ihre Füße in das Wasser hinablässt. Nach der Radtour aus Niefern wirkt das ganz bestimmt belebend. In den flotten Liegestühlen, die um den Wasserspender herum drapiert sind, lässt sich dagegen der Blutdruck ohne weiteres durch Herumliegen senken. Probleme bereitet höchstens das Hineinkrabbeln, sofern man noch sehr jung ist, beziehungsweise das Aufstehen, sofern man nicht mehr ganz so jung ist.
Mit Ausruhen haben die achtjährige Celin und die sechsjährige Leonie aber nichts am Hut. Gerade malen sie mit vollem Körpereinsatz „Sandengel“ auf den feinkörnigen Marktplatzbelag. Familie Seidler aus Neuötting in Bayern testet nebenan den Spaßfaktor von Wasser und Sand in Vaihingens Zentrum. Seidlers besuchen die Großeltern in Nussdorf und staunen über die Aktion. „Gute Idee, da hat man was vom Marktplatz“, sagt Mutter Christina, „in Neuötting gibt’s immer nur Baustellen.“
Opa und Oma Mahlberg aus Sachsenheim rückten gestern mit den Enkelchen zu einem Besuch bei der Uroma in Vaihingen an. Den Regengüssen zum Trotz schnappen die Vier ihre Sandelsachen und pilgern zum Strandleben. „Eine tolle Idee“, loben Irmtraud und Josef Mahlberg, „besonders auch das offene Bücherregal.“ Und schon schwirren Marie und Tom ab, um sich eine Lektüre herauszuangeln. Oma Irmtraud: „Da könnte sich Sachsenheim mal ein Beispiel nehmen.“ So kann Vaihingen als Vorbild für andere Städte punkten.
