Montag, 21. Mai 2012

Der Maispreis ist im Keller




Albert Scholpp zeigt eine Falle für den Maiswurzelbohrer. Foto: Schmid

Das Wetter der letzten Tage, Wochen und Monate war perfekt für den Mais. Albert Scholpp vom Landratsamt Ludwigsburg sagte beim Maistag in Oberriexingen, dass er eine gute Ernte erwarte. Weniger gut sieht es hingegen markttechnisch aus: Die Maispreise sind im Keller.

Oberriexingen (phs). Wer erfolgreich sein möchte, muss immer auf dem aktuellsten Stand der Dinge sein. Das gilt nicht nur für Branchen, in denen der Computer die Vorherrschaft hat. Auch auf dem Feld hat diese Weisheit Gültigkeit. Deshalb informieren sich die Maisbauern aus der Region jedes Jahr über die neuesten Errungenschaften der Wissenschaft und Züchtung. Rund 35 mehr oder weniger neue Maissorten wurden gestern beim 15. Oberriexinger Maistag präsentiert.

Auf die Präsentationsfelder kam dabei nur Saatgut, das besonders gut zu den Gegebenheiten der Region passt. Jeder der gut 50 Besucher kam mit dem gleichen Gedanken nach Oberriexingen: Mit dem besten Saatgut im kommenden Jahr die besten Erträge erzielen. Doch viele Bauern können sich bereits in diesem Jahr freuen: „Wegen der Witterung wird die Ernte recht gut sein“, sagte Albert Scholpp vom Landratsamt Ludwigsburg. Und auch der Schädlingsbefall sei überschaubar.

Der schlimmste Maisschädling, der Wurzelbohrer, ist noch immer nicht im Kreis Ludwigsburg angekommen. „Das ist unser großes Glück“, sagte Scholpp. Wäre das Insekt auf einem Feld heimisch, wäre das eine Katastrophe. In der ganzen Umgebung müsste der Wurzelbohrer dann bekämpft werden – und zwar mit allen Mitteln. Das Land Baden-Württemberg lässt deshalb an verschiedenen Stellen Fallen für das Insekt aufstellen. Auch in Oberriexingen ist eine zu finden. Doch bisher wurde noch kein Exemplar des Schädlings gesichtet.

Aber trotz guter Ernte und überschaubarem Schädlingsbefall wollen die Maisbauern nicht so recht glücklich sein. Das dürfte an der finanziellen Ausbeute liegen, die das Maisgeschäft seit rund zwei Jahren bringt: Die Preise sind im Keller. „Für einen Doppelzentner gibt’s etwas weniger als zehn Euro“, sagte der Experte vom Landratsamt. Das liege daran, dass die Maispreise an die Preise des Getreides gekoppelt seien.

„Ich will das nicht dramatisieren“, sagte Scholpp. Doch für die Bauern würden die Einnahmen gerade für die Kostendeckung reichen. Er spricht von einer Durststrecke. Vor drei Jahren habe es für einen Doppelzentner noch 26 Euro gegeben. „Jetzt säen die Landwirte eben aus und hoffen, dass die Preise irgendwann wieder besser werden.“

Doch beim Maistag ging’s nicht nur um neues Saatgut und um die Marktsituation. Vom Regierungspräsidium Karlsruhe kam ein Experte, der die neuen EU-Richtlinien erklärte: In Zukunft dürfe auf vielen Feldern nicht mehr gepflügt werden. „Ein Systemwechsel steht an“, sagte Dr. Andreas Maier. Denn wenn nicht mehr gepflügt werden dürfe, dann müssten die Landwirte neue Maschinen und neue Pflanzenschutzmittel anschaffen. Ziel sei, die Bodenerosion auf Feldern – also das Abschwemmen wichtiger Böden – einzuschränken. Mitte 2010 wird ein entsprechendes Gesetz in Kraft treten.




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