Freitag, 18. Mai 2012

Satirisch und schamlos: Die Füenf




Die fünf Herren Pelvis, Justice, Memphis, Karuso und Spencer fanden als Die Füenf beim Abschlusskonzert des Kultursommers rasch Wege, um das starre Korsett des A-capella-Genres zu brechen. Billige Schlager wurden sehr satirisch und schamlos dargeboten.

Vaihingen (aw). Die ganze Sache begann mit einem wahrhaft furiosen „Ernährungsmedley“ („das ist ein Steak-House, tausend Mal püriert, tausend Mal Tiramisu gemacht...“), das sich harmonisch immer weiter steigerte: „Das ist kein Steak, das ist Schuhsohlenleder!“ Die Füenf erwiesen sich in Vaihingen einmal mehr als wandlungsfähige Barden, die es faustdick hinter den Ohren hatten: „Immer wenn ich Deine Brüste seh’, krieg’ ich Gelüste auf ’nen Früchtetee...“ Beim „Börsen-Schlager“ nahm das Tempo ständig zu: „Du bist mein Komplett-Paket der Liebe“. Die Frage war hier natürlich: „Wie gesteht ein Börsenmakler seiner Frau die große Liebe?“ Und so ergaben sich ganz automatisch neue Reim-Variationen: „Dein Doppelrabatt hat meinen Leitzins getönt.. mit dir möcht’ ich riestern geh’n!“

Die gewiefte Formation stellte nicht nur musikalisch fest: „Frauen können mit diesen Details viel raffinierter umgehen.“ Weitere Songs wie „Ich hab’ ’nen Fussel im Bauch“ spielten höchst virtuos mit rhythmischen und melodischen Stimmungen. Roger Whittaker wurde etwas auf den Arm genommen, weil er nämlich angeblich kein Wort Deutsch spricht und gar nicht weiß, wovon er überhaupt singt.

Der „Kulturbeutel“ von SWR5 brachte dann im Zusammenhang mit einem Skandal-Musical mit dem zahnmedizinischen Thema „Teeth“ rasch Klarheit. Neben Michael-Jackson-Parodien fielen hier insbesondere Reminiszenzen an „Jesus Christ Superstar“ auf: „Beim Zahnarzt gibt’s kein Eros!“ Die Zahnbehandlung stand bald im Zentrum des Spotts: „Über sieben Brücken musst du geh’n, sieben dunkle Löcher übersteh’n...“ Zwischen „O sole mio“ und Johannes-Heesters-Einlagen fiel noch eine weitere Parodie auf: „Kukident zum Städtele hinaus!“ Und statt eines Reims hieß es nur: „Aber dein Zahnersatz bleibt hier!“ Frei nach dem Musical „Hair“ lautete der Refrain: „Let the Zahnstein in...“

Diverse Verschwörungstheorien machten dann die Runde: „Der Feind ist unter euch – dein Nebensitzer oder deine Frau!“ Ein weiteres Motto lautete: „Lasst die Vegetarier nicht gewinnen...“ Und weiter hieß es: „Ohne Fleisch kein Preisch – Fleisch ist geil!“ Und wieder drehte der „Kulturbeutel“ voll auf, denn der Jägerchor Concordia Waldeslust sang inbrünstig den Titel „Waidmannsheil“ von Rammler Maria Hirschbrunft. Nebst Jägerschnitzel mit Bratkartoffeln sorgte allerdings ein tierpornographischer Kalender für Aufregung. Die Nummer „Sodomie Nummer fünf“ erinnerte an das diesjährige Frischlingsfestival sowie die Ära von Lady Di und Margaret Thatcher: „Jeder Penner, jede Schlampe wird zum Idol!“ So gingen Die Füenf akribisch die diversen E-Mail-Listen durch: „Füenf singen auf deiner Party.“ Da lautete der Wahlspruch plötzlich: „Your my sexbomb...“ frei nach Tom Jones. Selbst die böse Königin wurde beschworen: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der coolste Spacker im Land?!“ Ein German-Cha-Cha-Cha heizte die Stimmung beim Kultursommer am Vaihinger Enzdamm weiter an.

Englischsprachige Songs seien deswegen so erfolgreich, weil oft das Wörtchen „love“ vorkommen würde, behaupteten Die Füenf. Die forsche Formation ersetzte das Wörtchen „love“ kurzerhand durch „Horst“: „Horst ist in the air...“ Weitere Variationen lauteten „How deep ist your Horst?!“ Selbst Marianne Rosenberg wurde dabei zitiert. „I just call to say I Horst you“ leitete facettenreich zu „Vamos a la playa“ und „Hare Krishna“ über: „Wir sind im Süden....“

Mit einem gigantischen Feuerwerk am Schloss ging dieser rasante Abend mit geradezu majestätischer Beleuchtung zu Ende. Riesenapplaus für die Band und die Organisatoren.




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