Freitag, 18. Mai 2012

Weniger Pfeiler für besseren Durchfluss




Auch bei strömendem Regen war das Interesse an Erklärungen zum Neubau der Enzbrücke in Roßwag groß. Bauleiter Christoph Nöltner (Helm) beantwortete Fragen. Foto: Elsässer
Auch bei strömendem Regen war das Interesse an Erklärungen zum Neubau der Enzbrücke in Roßwag groß. Bauleiter Christoph Nöltner (Helm) beantwortete Fragen. Foto: Elsässer

Roßwag (elf) – Die neue Enzbrücke in Roßwag ist das teuerste Bauprojekt dieses Jahr unter der Regie des Landkreises Ludwigsburg. Weil das Interesse der Roßwager Bürger an dem Jahrhundertwerk so groß ist, hat Ortsvorsteher Hans-Dieter Eisinger reagiert und am Donnerstagabend im Namen des Ortschaftsrats zu einer Veranstaltung eingeladen, in der über den Baufortschritt informiert wurde.
„Wir haben hier zahlreiche Bauleiter in der Bevölkerung, die ständig den Baufortschritt kontrollieren und kommentieren“, sagte Ortsvorsteher Eisinger, als er die 70 bis 80 Interessierten begrüßte, die sich bei strömendem Regen an der Baustelle trafen. Sie nutzten die Gelegenheit, die neusten Informationen aus erster Hand zu erfahren, denn neben Projektleiterin Ulrike Conle vom Landratsamt Ludwigsburg waren auch Madeleine Früh von der ausführenden Baufirma Max Früh und Bauleiter Christoph Nöltner gekommen.
„Wir sind jetzt am Anfang der Bauphase drei“, sagte Ulrike Conle. Insgesamt vier Bauphasen gibt es. In den ersten beiden Phasen seien die Spundwandkästen, die Fundamente für Brückenpfeiler und Widerlager sowie die Pfeiler hergestellt worden. In der dritten Phase erfolgt der Überbau der Brücke samt Einbau der Lager, Abdichtung des Überbaus im Kappenbereich sowie die Montage der Geländer. Bis Ende November, wenn auch wieder mit größerem Wasserdurchfluss gerechnet werden kann, soll dieser Bauabschnitt beendet sein. Conle: „Bis zur Winterpause ist der Rohbau erstellt.“
Mit der Phase vier beginnen im Frühjahr 2010 die Restarbeiten. Dann wird die alte Brücke abgerissen. Sie bleibt so lange wie möglich stehen, um den Verkehrsfluss aufrecht erhalten zu können. „Wir werden dann um eine Vollsperrung über einen Zeitraum von maximal drei Monaten nicht umhin kommen“, sagte die Projektleiterin, die aber versicherte, dass der Fußgängerverkehr über die Brücke immer gewährleistet sei. Bis zur Ernte sei die gesamte Baumaßnahme erledigt. Als Ausgleichsmaßnahme wird es im Anschluss an den Brückenbau in der Enz eine Fischtreppe geben.
Die neue Brücke wird breiter angelegt als die alte. Statt wie bislang 4,50 Meter wird die Fahrbahn künftig sieben Meter breit sein. Die Gesamtbreite wird 10,75 Meter betragen. Die Tragkraft der Brücke steigt von 16 Tonnen auf sage und schreibe 60 Tonnen. In Richtung Aurich steigt die Brücke künftig um 1,5 Prozent an. Auf diese Weise wird eine Senke im Kreuzungsbereich, wo es zu der Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen geht, entfernt. Der Radius der Kurve in Richtung Aurich wird außerdem größer gestaltet. Für Fußgänger und Radfahrer wird dort außerdem eine Mittelinsel als Querungshilfe entstehen. Auf der Brücke wird der Geh- und Radweg in Richtung Aurich auf der linken Seite mit einem 1,20 Meter hohen Geländer sein. Mit dem Anstieg der Brücke um 1,5 Prozent wird zudem ein besserer Durchfluss für die Enz erreicht.
Zur Konstruktion der Brücke sagte Ulrike Conle, dass das Bauwerk auf zwei Widerlagern steht. Als Widerlager wird das Bauteil bezeichnet, das den Übergang zwischen der Brückenkonstruktion und dem Erddamm herstellt. Außerdem wird die Brücke von zwei Pfeilern (früher drei) gestützt. Auch dies trägt dazu bei, dass das Wasser besser durchfließen kann. „Die Gefahr, dass die Brücke überflutet wird, besteht nachher praktisch nicht“, sagte Conle. Hierfür seien aufwendige Berechnungen angestellt worden. Die Flügelwände an der Böschung werden mit Natursteinwerk verkleidet. Die Frage nach dem Fundament für die Brückenpfeiler beantwortete sich laut Conle nach der Baugrunduntersuchung. Bis zu 13 Meter tief sei gebohrt worden. Dabei wurde festgestellt, dass der Untergrund aus verschiedenen, mitunter auch lockeren Schichten besteht. So haben sich die Experten für eine Flachgründung entschieden. Die Fundamente haben somit eine Fläche von neun mal sechs Metern. Betonfertigteile wurden übrigens nicht verwendet. Die Fundamente wurden vor Ort geschalt.
Der gesamte Brückenbau inklusive Planung und Ausgleichsmaßnahmen wird mit 1,8 Millionen Euro zu Buche schlagen. „Und wie lange wird sie halten?“, wollte ein Roßwager wissen? Die Brücke hat eine Lebensdauer von 90 bis 100 Jahren“, antwortete Ulrike Conle. „Für uns reicht das“, war sich der Fragesteller sicher.




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