Wenn an heißen Tagen die Besucher ins Freibad strömen, geraten die Schwimmmeister schnell an ihre Grenzen. An Wochenenden werden sie deshalb von Rettungsschwimmern der DLRG unterstützt.
Vaihingen. Es ist ein Grüppchen junger Männer, die die Aufmerksamkeit von Dennis Schmidt auf sich zieht. Einer nimmt Anlauf, hüpft auf einen Startblock und springt von dort sofort weiter ins Schwimmerbecken des Vaihinger Freibads. „Lange kann das nicht gut gehen“, schießt es Dennis Schmidt durch den Kopf. Er ist Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und damit am Wochenende mitverantwortlich für die Sicherheit der Gäste in dem Bad.
Und in Sachen Sicherheit weiß der 19-jährige von was er spricht. Damit, dass er die Gruppe im Auge behält liegt er goldrichtig. Wieder springt der junge Mann vom Boden ab. Doch dieses Mal verfehlt er den Startblock und streift mit dem Fuß die scharfe Kante: Das Wasser färbt sich sofort rot, am Knöchel des Springers klafft eine tiefe Wunde. Dennis Schmidt, seine Kollegen von der DLRG und der per Funkgerät gerufene Bademeister bergen den Mann und sperren das Becken ab. Die Rettungskette läuft an.
Im vergangenen Jahr wurden 360 Wachstunden geleistet
Es sind rund 20 Freiwillige der DLRG im Alter von 15 bis etwa 30 Jahren, die wie Dennis Schmidt das Vaihinger Freibad an Wochenenden etwas sicherer machen. Immer zu zweit schieben die Rettungsschwimmer an Samstagen und an Sonntagen zwischen 14 und 18 Uhr Wache. Etwa 75 Wachstunden hat die DLRG-Ortsgruppe Vaihingen so in dieser Saison bereits geleistet. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr 360 Stunden. Doch so viele werden es dieses Mal wohl nicht mehr werden. „Der Sommer war bisher einfach zu schlecht“, sagt Schmidt, der die Rettungswache organisiert. Auf 150 Stunden werde das Team dieses Jahr in Etwa kommen.
Dass wie beim verfehlten Beckensprung Blut fließt, erleben die Wachgänger relativ selten. „Wenn aber mal was passiert, dann richtig“, sagt Marc Arndt. Er erinnert sich an seinen schlimmsten Fall: Ein Kind wollte aus dem Becken klettern, rutschte dabei ab und landete mit dem Kinn auf dem Beckenrand. Das Mädchen biss sich dabei beinahe die Zunge ab. „Da hat nur noch ein kleines Stückchen gefehlt.“
Zugetragen hat sich das Unglück im Erlebnisbecken des Freibads. Auch die Rutsche dort und das Beckenumfeld werden von der DLRG bewacht. Wenn es ernst wird, sind die Rettungsschwimmer natürlich zur Stelle, doch eigentlich wollen sie präventiv auftreten. „Wir haben ja kein Interesse daran, dass etwas passiert“, versichert Dennis Schmidt und zählt auf, was im Erlebnisbecken nichts zu suchen hat: harte Bälle, Frisbee-Scheiben, übergroße Aufblasspielsachen, und, und, und.
Die Sicherheit im Freibad zu erhöhen, bereitet den Wachgängern Spaß. Doch manchmal ist das ein ganz schön hartes Brot. Zum Beispiel, wenn die Badegäste partout nicht auf die Rettungsschwimmer hören wollen. „Man sagt es höflich, dann bestimmend und am Ende braucht man dann den Schwimmmeister als Respektsperson“, fasst es Schmidt zusammen. Wer zum Beispiel nach mehrmaligem Ansprechen noch immer seitlich ins Becken springt oder gar von der Rutsche hüpft, müsse damit rechnen, dass er einen Tag Freibadverbot bekommt.
Damit die DLRG-Wachgänger in Sachen Sicherheit wie Dennis Schmidt wissen, von was sie sprechen, durchlaufen sie eine spezielle Ausbildung. Und die hat es in sich. Zehn Wochen praktisches und theoretisches Training sind für das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber nötig. Außerdem muss man mindestens 15 Jahre alt sein.
Der Aufwand lohnt sich, finden zumindest Dennis Schmidt, Marc Arndt, Florian Behling und Christian Arnold. Natürlich sei es manchmal ärgerlich, den Freunden beim Baden zuschauen zu müssen. „Aber wenn man etwas für die Allgemeinheit tut, dann ist das auch eine klasse Sache“, finden die vier. Übrigens: Für ihren Einsatz bekommen die Rettungsschwimmer keinen Cent Belohnung. Ihnen geht’s um Anerkennung und allenfalls um eine Tasse Kaffee.
Von Philipp-Marc Schmid
