Reggae, Ska, Extrempolka und Rap statt Theater und Musik-Kabarett fürs ältere Semester: Beim Kultursommer haben am Mittwoch die Beach Bums und eine Vaihinger Nachwuchsband den Enzdamm gerockt. Gefallen hat’s der Zielgruppe – und den älteren.
Vaihingen. Viele Auftritte haben sie noch nicht hinter sich gebracht. Die großen Bühnen in der Region blieben ihnen bisher verwehrt. Ihr Publikum hatte die Vaihinger Nachwuchsband Jungle Crutch beim Kultursommer dennoch im Griff. Mit E-Gitarren, Schlagzeuger, Keyboard, einem rappenden Sänger und jeder Menge tanzender Fans warteten die vier Jungs am Enzdamm auf – das hat man bei der jungen Kulturveranstaltungsreihe bisher noch nicht gesehen und schon gar nicht gehört.
Die Jungle Crutch, das sind Daniel, Karim, Pablo und Frontmann Rudi. Ihre Musik ist irgendwo zwischen Funk und Rap angesiedelt. Die deutschen Texte, die die Nachwuchsband beim Kultursommer an der Enz zum Besten gab, befassten sich zum Großteil mit lustigen Begebenheiten und mit der Kunst, sich zu amüsieren. Viele Zeilen davon haben die Vaihinger sogar selbst geschrieben. Nur leider war vom Gesang nur wenig zu verstehen – Rhythmen, Bässe, Melodie und Text überlagerten sich, verschwammen mehr und mehr zu einer Soße.
Dem Auftritt von Jungle Crutch hat das fehlende Feintuning aber nicht geschadet. Schließlich steht die Band erst am Anfang ihrer Karriere. Den rund 200 jungen und älteren Besuchern jedenfalls haben die knappen 40 Minuten gut gefallen, Zugaben wurden gefordert. Und auch die Band ist mit dem kurzen Auftritt zufrieden: „An sich war alles super, aber man kann immer besser werden“, sagte Rudi Natterer, der als stellvertretender Sprecher des Vaihinger Jugendgemeinderates die Veranstaltung selbst mitorganisiert hat.
Beim ersten großen Auftritt in Vaihingen war Jungle Crutch als Vorband gebucht. Als Headliner standen die Beach Bums aus Schwäbisch Gmünd auf dem Programm. Und die sind für den Gig am Enzdamm extra aus Italien angereist: Davor spielten sie nämlich am Lago Maggiore. Ein italienischer Hauch, zumindest thematisch fand sich auch im Song Lampedusa wieder: Auf der Insel stranden immer wieder Hunderte Flüchtlinge. „Und Berlusconi schert sich nicht darum. Er kümmert sich lieber um junge Mädels“, sagte Bandmitglied Dirk. An anderer Stelle ging’s um Zivilcourage, Träume und Wunder.
Sechs, die machen, worauf sie Lust haben
Viele der Songtexte hat Hauptsänger Kevin selbst geschrieben. Verpackt sind sie bei den Beach Bums eigenwillig in Rumpelska, Rebel Reggae, durchgedrehten Dub und Extrempolka. „Wir machen einfach das, worauf wir Bock haben“, lautet das Motto der Band. Das Publikum am Enzdamm hat es ihr gedankt. Regelrecht hochgekocht ist die Stimmung. Da hielt es kaum noch einen auf den Zuschauerplätzen – vor der Bühne wurde den ganzen Abend wild getanzt.
Die sechs Musiker definieren Reggae, Ska, Dancehall und Dub auf ihre ganz eigene Art. Das hat ihnen bereits gemeinsame Aufnahmen mit den Reggae-Star Jahcoustix beschert. Klar, dass sie in Vaihingen auch diese Songs im Gepäck hatten. Außerdem hat sich das Sextett – bestehend aus Dirk, Diddy, K-Twice, Josch, Nils und Chrisi – als große Unterhaltungskanone erwiesen. Kaum ein Zuhörer konnte sich der Aufforderung zum Mitsingen entziehen und ein paar wenige trauten sich sogar zum Sing-Contest auf die Bühne. „The Tide Is High“, sangen zwei Kandidaten unisono. Nur Kandidat Nummer drei wich auf Alle meine Entchen aus – der 12-jährige Julian aus Kleinglattbach kannte den Text nämlich nicht. Für alle drei gab’s eine Beach-Bums-CD.
Die Band – die sich aus ehemaligen Mitgliedern der beiden Gruppen Cool Runnings und Grashalme zusammensetzt – hat ihrem Ruf in Vaihingen alle Ehre gemacht. Bis kurz nach 23 Uhr sorgten die sechs für Stimmung am Enzdamm. Für Jungle Crutch waren sie der perfekte Publikumsmagnet, für den Kultursommer eine tolle Bereicherung.
Von Philipp-Marc Schmid
