Vaihingen (aa). Der Aufbruch in visuelle Klangwelten der fünften Dimension verfehlte am Dienstagabend unterm Kaltenstein seine Wirkung nicht. Die Show von Roland Bless und seiner Band beim Vaihinger Kultursommer am Ufer der Enz war ein Hingucker mit Hörerlebnis der ersten Güte.
Roland Bless (48) liebt die intimen≠ Auftritte. Als Gründungsmitglied von Pur spielt er normalerweise in proppenvollen Stadien. Bei einer Tournee vor drei Jahren kam er zur Erkenntnis, „dass ein paar Konzerte und die Studioarbeit nicht alles sein kann“. Der in Remseck lebende Musiker, verheiratet, zwei Kinder, gründete die Band Bless. Und mit seinem Kollegen Uwe Metzler ist er unter anderem bei den sogenannten Under-cover-Konzerten unterwegs. Eines ging im Dezember 2008 in der Vaihinger Peterskirche über die Bühne. „Es war toll“, erinnert sich Bless. Schon damals knüpfte er mit dem Vaihinger Kulturamt die Kontakte für einen Auftritt beim Kultursommer 2009.
Bei Pur beziehungsweise der Vorgängerband Crusade spielte Roland Bless einst am Schlagzeug, inzwischen wirkt er als Sänger und Gitarrist. Zudem war er lang für das Management verantwortlich. Bei der Bless Band ist Bless der Frontmann, der meist mit der Akustik-Gitarre zu erleben ist. Mit Uwe Metzler hat er einen großartigen Gitarristen an seiner Seite. Frank Dapper und Henrik Mumm bilden den Rest der Crew. Da werden sogar Streichinstrumente ausgepackt (Kontrabass und Cello). Schließt man auf der Tribüne am Enzdamm die Augen, glaubt man mitunter, Pur zu hören. Doch Augen schließen ist hier nicht angesagt. Die Licht- und Lasershow zu den Songs ist das Besondere des Abends. Der Nebel muss sein, auch wenn es einem Zuschauer am Anfang etwas „stinkt“ und er die Maschinen zur Seite schiebt. Doch ohne die Schwaden wirken die Lichter nicht, die sich am Nachthimmel brechen und den Kaltenstein in ein märchenhaftes Umfeld rücken. Die Show musste am Tag zuvor in Marbach wetterbedingt in die Stadthalle verlegt werden; dort verfehlte vor allem das Licht seine Wirkung. In Vaihingen ist die Formation glücklich, vor der Kulisse des Schlosses spielen zu können.
Das Vorprogramm bestreitet zur Überraschung vieler Gäste Nina Wolf aus Pleidelsheim, die mit viel Gefühl eigene Songs und gecoverte Lieder (unter anderem von Jimmi Hendrix) präsentiert. Eine ähnliche Mischung hat auch die Bless Band drauf: deutsche Texte mit Tiefgang und fast schon philosophischen Ansätzen, Pop- und Rockklassiker, etwa von Phil Collins („In the air tonight“) oder Who („Behind blue eyes“).
Die rund 150 Gäste trampeln um halb elf vor Begeisterung; den Graben zwischen Bühne und Tribüne wollten sie zuvor allerdings trotz Aufforderung nicht bevölkern. „Ich fühl mich gut bei Dir“, singt Bless als Zugabe und wandelt den Text noch schnell in „Ich fühl mich gut bei euch“ um. Dann steht der Musiker zwischen den Zuschauern und plaudert mit ihnen. Er ist ein Star ohne Allüren geblieben.
