Freitag, 18. Mai 2012

Kleinglattbach: Ausgrabung fördert Mauer zutage




In der Gutshofmauer wurde ein Tor entdeckt. Foto: Schmid

Auf Kleinglattbacher Gemarkung sind Archäologen einem alten Römischen Gutshof auf der Spur. Ein Gebäude wurde bereits gefunden. Jetzt legen sie große Teile der Hofmauer frei.

Kleinglattbach. Es waren Luftbilder und alte Texte, die das Landesamt für Denkmalpflege auf den Plan gerufen haben. Auf den Abbildungen war zu erkennen, dass auf den heutigen Äckern zwischen Kleinglattbach und dem Vaihinger Bahnhof früher einmal Mauern gestanden haben müssen. Auch in verschiedenen Büchern wurde diese Vermutung kundgetan. Seit beinahe zwei Jahren wird das Gelände deshalb untersucht. Mit Erfolg: Gefunden wurden bisher das Nebengebäude eines Römischen Gutshofes und große Teile einer Hofmauer.

Nach den Überresten des Gutshofes aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus wird ausgerechnet jetzt gesucht, weil die Äcker in Bauplätze umgewandelt werden sollen. „Und davor muss sicher gestellt werden, dass keine wertvollen Stücke überbaut oder gar zerstört werden“, sagt Stephan Sure vom Vaihinger Stadtplanungsamt.

Die oberste Schicht der Erde wird mit einem Bagger abgetragen, danach kommen Spaten und Muskelkraft zum Einsatz. „Und wenn wir was finden, dann arbeiten wir schon auch mal mit Bürstchen oder kleinen Kellen weiter“, sagt Hobby-Archäologe Reinhold Feigel, der bei der Kleinglattbacher Ausgrabung hilft. Wo gegraben werden muss, wissen die Experten, wenn sie einen Blick auf die Luftbilder werfen: Wo einst Mauern standen, wachsen heute die Pflanzen nicht so gut wie an anderen Stellen.

So haben die Archäologen im vergangenen Jahr bereits ein Nebengebäude des Hofes ausgemacht und die Reste freigelegt. Nicht weit davon entfernt fand sich ein Keller aus der Römerzeit. „Der war eine echte Fundgrube“, sagt Feigel und zählt auf, dass unter anderem eine Silbermünze, eine Speerspitze und verschiedene Keramikteile freigelegt wurden.

Ganz so wertvoll sind die aktuellen Funde, die ein Stück weiter südlich entdeckt wurden, zwar nicht. Dafür aber umso größer: „Wir sind auf große Teile der Hofmauer gestoßen“, sagt Feigel. Sie verlaufe von Kleinglattbach kommend in Richtung Vaihingen bis zum Hungerbach. Nach einer rechtwinkligen Ecke finden sich weitere Steine in Richtung Westen. Der südliche Verlauf soll in den kommenden Wochen freigelegt werden, der westliche hingegen ist zu einem großen Teil sichtbar. Aufgrund der Mauerfunde gehen die Archäologen jetzt davon aus, dass der Gutshof knapp 250 Meter breit gewesen sein könnte.

Hofbewohner haben viele Ziegel hergestellt

Die Hofmauer besteht aus einem Fundament, zwei Steinreihen und einem aufgefüllten Hohlraum in der Mitte: „In den Raum zwischen den beiden Steinreihen haben die Römer Mörtel und kleine Steine gefüllt“, erläutert Feigel. An einer Stelle wurde sogar ein Mauerdurchlass, also ein Tor gefunden. Darauf weißen nicht nur Lücken im Mauerwerk, sondern auch metallische Gegenstände – zum Beispiel Türhaken – hin. Zudem scheinen die Bewohner der Siedlung viele Ziegel hergestellt zu haben. Der Erdboden ist übersäht von entsprechenden Scherben.

Außer einer Münze, einem Ring aus Bronze und alten Drainagegräben wurde bei der Mauer aber nichts besonderes gefunden. Keine Keramiken, keine Werkzeuge. Noch bis November soll gegraben werden, heißt es bei der Stadt Vaihingen. Bis dahin hofft Hobby-Archäologe Reinhold Feigel auf den großen Fund: „Das wäre echt klasse“, sagt er.

Von Philipp-Marc Schmid




Seitenanfang