Vaihingen (phs). Ein ganz besonderes Erlebnis für die Ohren beim Kultursommer: Am Enzdamm ist eine Klanginstallation aufgebaut, die die Geschichte des Flusses erzählt. Zu Wort kommen unter anderem die heutigen Enz-Anwohner.
Ein vertrautes Plätschern, unbändiges Rauschen und andere Flussgeräusche bekommen die Besucher des Vaihinger Kultursommers zu hören, wenn sie zur Bühne auf dem Enzdamm spazieren. Am Wegrand hat der Stuttgarter Künstler Jürgen Palmer einen Klangpfad installiert. Es sind Geräusche, die er an der Enz aufgenommen hat und verschiedene Gespräche, die aus den Lautsprechern tönen. Auch in den Interviews dreht sich alles um den Fluss, der Vaihingen seinen Namenszusatz spendet. Auch alte Bilder sind zu sehen.
Zu Wort kommen Menschen, die sich mit der Stadt und dem zugehörigen Gewässer bestens auskennen. Zum Beispiel Vaihingens Archivar Lothar Behr, Müllermeister Manfred Auch und Schüler der Ferdinand-Steinbeis-Realschule, die sich an einem weltweiten Wasserprojekt beteiligen. „Der Archivar erzählt etwas darüber, wie die Flößer früher die Enz genutzt haben, wie der Enzkanal zugeschüttet wurde und wie die Enz heute wahrgenommen wird“, sagt Jürgen Palmer. Manfred Auch erzähle allgemeines über Mühlen und die geschichtliche Entwicklung. „Außerdem erfahren wir von ihm einiges über das Berufsbild und warum alte Geschichten und spannende Sagen nichts mit dem wirklichen Müllerdasein zu tun haben.“
Die Realschüler beschäftigen sich in einer Arbeitsgemeinschaft mit der Untersuchung von Gewässern. Die Zuflüsse zur Enz werden dabei genauer unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse stellen die Schüler im Rahmen eines großen Projektes in ein Internetportal ein. „Bei der Klanginstallation ist einiges über ihr Vorgehen und über ihr verändertes Bewusstsein zum Thema Wasser zu hören“, sagt der Künstler.
Aus einem anderen von insgesamt sechs Lautsprechern dringen Worte, die einen Kontrast zu den wissenschaftlichen und zu den aus dem Leben gegriffenen Geschichten bieten. „Es geht um Aberglaube.“ Früher sei man zum Beispiel der Meinung gewesen, dass eine Schwangere kein Wasser in den ersten Stock tragen dürfe. „Warum auch immer.“ An dieser Station sind lauter derartige Geschichten zu hören.
Ein ertrinkender Mensch ist zu hören
Der Künstler hat solche Klangpfade schon an mehreren Flüssen aufgebaut. Und zwar im Auftrag der Kunstregion Stuttgart. Bei dem Projekt geht es um die Zubringerflüsse des Neckars, wie auch die Enz einer ist. Die Idee, die hinter der Arbeit mit den Tönen steckt, ist, „dass sich Geräusche leichter zu einem individuellen Bild im Kopf des Zuhörers zusammenfügen lassen, als es Informationen aus Videos tun“, sagt Karin Hanika von der Kulturregion.
Andere Klangspiele hat Palmer bereits in Waiblingen, Remseck, Ditzingen und Backnang umgesetzt. Untereinander sind sie durch gleiche Töne verbunden. „Damit will ich zeigen, dass die Flüsse ein großes Netz sind.“ In Vaihingen ist zum Beispiel zu hören, wie ein Mensch ertrinkt – genau wie in Waiblingen und Backnang.
- Das Klangspiel ist immer vor den Kultursommer-Veranstaltungen zu hören.
