Freitag, 18. Mai 2012

Schwere Zeiten für Jugendliche




Eine Szene aus dem Ausbildungs-Planspiel von Job Connections. Foto: oh

Die Ludwigsburger Organisation Job Connections ist auf der Suche nach Ausbildungsplätzen und will deshalb Kontakt mit ausländischen Geschäftsleuten aufnehmen. Auch in Vaihingen sind die Ausbildungsexperten aktiv.

Vaihingen/Ludwigsburg. Die Wirtschaft liegt am Boden. Und so schnell wird sich daran wohl nichts ändern. Tausende Menschen bangen seit Wochen und Monaten um ihre Arbeitsplätze. Und auch auf dem Ausbildungsmarkt sieht es nicht gerade rosig aus. „Es hat sich für uns bereits angekündigt, dass es für unsere Jugendlichen nicht leicht werden wird, einen Ausbildungsplatz zu finden“, heißt es bei der Organisation Job Connections, die im Landkreis Ludwigsburg jungen Menschen bei der Arbeitssuche behilflich ist.

Doch die schwere Wirtschaftslage zwingt die Berufshelfer keinesfalls in die Knie. Im Gegenteil: Job Connections setzt auf die bestehenden Angebote und will sogar noch aktiver werden. Auch rund um Vaihingen sind die Ludwigsburger in der Vergangenheit immer wieder aktiv gewesen. Mit dem Programm „Ready-Steady-Go!“ sind die Ausbildungsexperten an den Schulen präsent. Dabei wird ein kompletter Lebensabschnitt simuliert: Erst suchen die Schüler sich ein Berufsbild aus, dann schreiben sie Bewerbungen und am Ende geht’s ab zum fingierten Bewerbungsgespräch – mit echten Chefs aus dem echten Leben.

An zwölf Schulen im ganzen Kreis – auch in Enzweihingen, Vaihingen und Kleinglattbach – haben im Jahr 2008 genau 1274 Schüler an dem Planspiel teilgenommen. „Bei dem Angebot an den Schulen legen wir großen Wert auf eine richtige Verzahnung mit dem Unterrichtsstoff“, heißt es im Geschäftsbericht der Organisation für das vergangene Jahr. Beim Anfertigen der Bewerbungsmappen wird darauf geachtet, dass keine Standardsätze verwendet werden, vor dem Bewerbungsgespräch wird über ordentliche Kleidung aufgeklärt und nach dem Planspiel werden immer wieder echte Bewerbungen geschrieben.

Job Connections gibt es mittlerweile seit rund fünf Jahren. Die Trägerschaft hat einige Male gewechselt, jetzt firmiert die Organisation unter dem Dach der Jugendhilfe der Evangelischen Gesellschaft. Das Planspiel gehört rund um Vaihingen zu den bekanntesten Angeboten von Job Connections. Doch die Ausbildungsexperten bieten noch mehr an: Zum Beispiel eine Anlaufstelle bei Fragen zum Übergang zwischen Schule und Beruf für Jugendliche unter 25 Jahren. Rund 46,7 Prozent aller jungen Menschen, die die Beratung nutzen seien im Besitz eines ausländischen Passes oder seien Deutsche mit Migrationshintergrund, heißt es in dem Bericht. In Vaihingen, Bietigheim-Bissingen und den anderen größeren Städten im Kreis sei der Prozentsatz sogar noch höher. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 478 Jugendliche beraten.

Dabei setzt die Stelle auf ein Rundumkonzept. Es gehe nicht nur darum, einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. Denn wer keine Wohnung habe, komme oft nicht regelmäßig und pünktlich zur Arbeit. Und wenn Geldmangel herrsche, sei es wahrscheinlich, dass die Ausbildung irgendwann abgebrochen werde. „Deshalb ist es uns wichtig, genau hinzuhören.“ So könne bei vielen Problemen geholfen werden. Den Jugendlichen gefällt das offenbar. Fast 200 junge Menschen, die die Beratung in Anspruch nehmen, wurden 2008 von Freunden geworben, die selbst bereits dort waren. Das entspricht mehr als 40 Prozent der Kunden.

Eintagesjobbörse kommt bei Jugendlichen gut an

Gut angenommen wird auch die Tagesjobbörse der Ludwigsburger Organisation. Genau 78 Jugendliche, die nur schwer einen Zugang zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt finden, haben das Angebot im Berichtszeitraum genutzt. Etwas mehr als 50 Unternehmen suchen über die Plattform nach Aushilfen für einen Tag. Das Geld dafür bekommen die Aushilfen nach dem Job bar auf die Hand.

Wegen der Wirtschaftskrise möchte Job Connections jetzt nicht mehr nur Jugendliche beraten, sondern aktiv Lehrstellen schaffen. Es sollen Kontakte zu Ausländervereinen geknüpft werden. Über diesen weg wollen die Ausbildungsexperten unter anderem an Betriebe gelangen, die von Migranten geführt werden. Denn die bilden bisher nur selten aus. Ihr Potenzial im Kreis jedoch sei nicht zu unterschätzen, steht in dem Bericht.

Von Philipp-Marc Schmid




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