Freitag, 18. Mai 2012

Schalldämpfer sorgt für Ruhe




Geschäftsführer Stephan Karle (rechts) und Betriebsleiter Frank Bäzner hoffen, dass jetzt Ruhe einkehrt. Der Saugmotor ist nun in einem Gehäuse untergebracht. Über dem Gehäuse ist deutlich der aufgesetzte runde Schalldämpfer zu erkennen. Foto: Elsässer
Geschäftsführer Stephan Karle (rechts) und Betriebsleiter Frank Bäzner hoffen, dass jetzt Ruhe einkehrt. Der Saugmotor ist nun in einem Gehäuse untergebracht. Über dem Gehäuse ist deutlich der aufgesetzte runde Schalldämpfer zu erkennen. Foto: Elsässer

Illingen (elf) – Er hatte mit Widerstand aus der Bevölkerung zu kämpfen, der bis zu einer Klage vor dem Verwaltungsgericht reichte. Inzwischen hat Stephan Karle, Geschäftsführer der Süddeutschen Recycling GmbH (Süd-Rec) in Illingen, einiges dafür unternommen, dass sich die Wogen glätten. Dabei ging es in erster Linie um einen tinnitusartigen Pfeifton, der die Nachbarn beinahe zur Verzweiflung brachte. Der Ton ist inzwischen beseitigt, der nachbarliche Frieden dürfte gewahrt bleiben.
Zur Erinnerung: Es war Anfang 2007, als das Landratsamt Enzkreis die immissionsschutzrechtliche Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer Recyclinganlage für Elektroaltgeräte in der Jakob-Friedrich-Wanner-Straße im Illinger Gewerbegebiet Schweichling-Ost erteilte. Die Anwohner sorgten sich indes um die Zunahme des Lkw-Verkehrs sowie um die Lärm- und Schadstoffemission. Es bildete sich eine Bürgerinitiative, der Genehmigung des Landratsamts wurde widersprochen, eine Petition im Landtag von Baden-Württemberg wurde eingereicht, beim Verwaltungsgericht Karlsruhe wurde geklagt mit dem Ziel, den Betrieb der Anlage zu verhindern. Nachdem das Umweltministerium des Landes keine Bedenken hatte und die Petition für die Anwohner negativ beschieden wurde, stellte Stephan Karle beim Regierungspräsidium Karlsruhe den Antrag auf Sofortvollzug. Im April 2008 stand schließlich der Rohbau der Recyclinganlage, die ein Vierteljahr später produktiv arbeitete. Das Urteil des Verwaltungsgerichts Karlsruhe steht noch aus. Auf Anfrage unserer Zeitung hieß es dort gestern, dass das Verfahren „in den nächsten Tagen“ entschieden werde, wobei derzeit nach VKZ-Informationen einiges darauf hindeutet, dass die Klage abgewiesen wird.
Gleichbleibender Ton ließ die Anwohner in den benachbarten Wohngebieten schier verzweifeln
Unterdessen hat sich eine der Befürchtungen der Anwohner in den Wohngebieten Schweichling und Vierzehn Morgen bestätigt: der von der Recyclinganlage ausgehende Lärm war unerträglich. Der tinnitusartige, gleichbleibende Summton war zwar leise genug, um den Messgeräten des Landratsamts Enzkreis ein Schnippchen zu schlagen. Doch war er laut und eintönig genug, um die Nachbarn schier verzweifeln zu lassen.
Ursache für den Pfeif- oder Summton war die Filteranlage. Der Saugmotor darin verursachte eine Schwingung in einer bestimmten Frequenz, die sich auf den Kamin übertrug. Mit der gefilterten Luft wurde aus dem Schlot auch der gleichbleibende Ton ausgestoßen, der bei Ostwind in Richtung Wohngebiete geweht wurde. Nachdem sich die Anwohner, unter anderem aus der Siemens- und Mendelstraße, darüber beschwerten, ergriff Süd-Rec-Geschäftsführer Stephan Karle einige Maßnahmen, um den Lärm abzuschaffen. Um den Motor wurde ein Gehäuse gebaut, die Anlage wurde vom Motor derart entkoppelt, damit sich keine Schwingungen mehr übertragen konnten, am Motor wurden die Aufnahmescheiben der Antriebsriemen ausgetauscht und die Anzahl der Riemen wurde erhöht. Der Erfolg wollte sich allerdings nicht einstellen. Der Lärm war bei der Anwohnerschaft immer noch zu hören – bei entsprechenden Windverhältnissen war er sogar am Waldfriedhof wahrzunehmen.
Süd-Rec-Geschäftsführer Stephan Karle nimmt den Anlagenhersteller in die Pflicht
Bei einem Vor-Ort-Termin erörterten einige Anwohner mit Stephan Karle und Betriebsleiter Frank Bäzner die Situation. Das Ergebnis: Karle hat den Anlagen-Hersteller Mewa Recycling Anlagen in die Pflicht genommen. „Hier handelt es sich um eine Referenzanlage. Eine solche kann es nur sein, wenn das Umfeld davon nicht betroffen ist“, argumentierte Stephan Karle – mit Erfolg. Der Hersteller ersetzte zwei Kaminteile unmittelbar am Saugmotor durch einen Schalldämpfer. Vor rund drei Wochen war das. Seither herrscht Ruhe in der Nachbarschaft, auch bei Ostwind.
Ganz billig war die Lärmreduzierung nicht zu bekommen. Rund 10000 Euro investierte die Süd-Rec GmbH, mit 15000 bis 20000 Euro engagierte sich der Hersteller. Dafür atmen die Anwohner jetzt auf. „Jetzt können wir zufrieden sein, der nervige Ton ist endlich weg“, freute sich beispielsweise Ingrid Heide. Ein Nachbar sagte: „Ich hoffe, dass das jetzt aus der Welt geschaffen ist.“ Sollte die Klage vor dem Verwaltungsgericht abgewiesen werden, besteht nun also die Möglichkeit, dass keine weiteren Instanzen bemüht werden.
Doch dafür wollen die Anwohner auch Klarheit darüber haben, dass aus dem Kamin nichts kommt, was nicht erlaubt ist – nämlich gefilterter Hausstaub. Der Staub wird von den angelieferten Elektrogeräten abgesaugt. Die gesaugte staubige Luft wird im Filter gereinigt und über den Kamin ausgeschieden. Zehn Milligramm Staub pro Kubikmeter Luft dürfen laut Gesetzgeber ausgestoßen werden. Laut aktueller Staubmessung, die Stephan Karle im Rahmen seiner Genehmigungsauflage durchführen ließ, beträgt der Ausstoß derzeit 2,8 Milligramm Staub pro Kubikmeter Luft. „Damit könnten wir unsere Anlage sogar zum Reinigen der Luft in Stuttgart verwenden“, scherzte Karle, der auf eine gute Nachbarschaft mit den Anwohner hofft: „Ich will eine sinnvolle Lösung für uns alle.“ Die wollen auch die Anlieger, die nun buchstäblich ihre Ruhe haben.




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