Freitag, 18. Mai 2012

Kultursommer: Lachsalven an der Enz




Das "Theater Fleckabutzer" beim Kultursommer. Fotos: Arning
Das "Theater Fleckabutzer" beim Kultursommer. Fotos: Arning

Vaihingen (wes). Das war ein urwüchsiger Theaterspaß, den die nahezu 300 Zuschauer am Sonntagabend am Enzdamm erlebten. Im Rahmen des „Vaihinger Kultursommers 2009“ präsentierte das muntere Ensemble des „Theater Fleckabutzer“ aus Löchgau den Schwank „Fast wie dahoim“ nach dem Stück „Spanien Olé“ von Bernd Gombold in der Bearbeitung und der Regie von Heinz Kienle.
 Vor einigen Jahren spielte das „Ensinger Bauerntheater“ diesen deftigen Schwank aus der Feder des erfolgreichen Volkstheaterautors Bernd Gombold, der sich zur Übersetzung ins Schwäbische bestens eignete. Heinz Kienle vom „Theater Fleckabutzer“ verlegte die Handlung von Spanien nach Italien. Dort, in einem Hotel an der Adria oder in Rimini oder sonst irgendwo, prallten zwei Welten aufeinander. Die unter der strengen Zuchtrute ihrer Chefin Eleonore (Hilde Grundmann) leidende Familie Pingelig, bestehend aus dem etwas tumben Sohn Heinz-Dieter (Heinz Kienle) und dem trotteligen Ehemann Heinrich (Heinz Geprägs) hielt sich in dem Hotel schon auf, als zu allem Unglück auch noch die Familie Bruddler, die aus dem Land kam, in dem man alles außer Hochdeutsch kann, anreiste, lautstark und unüberhörbar einbrach.
Der immer unter Strom stehende und seinem Namen absolut gerecht werdende Familienvater Klaus Bruddler (Eberhard Mann), dessen betulich sich gebende Gattin Erika (Yvonne Hofmeister), ferner die Oma (Tanja Bertsch) und die aufmüpfige Tochter Evi (Nadine Schnurnberger) waren das nicht ganz authentische und deshalb als pure Satire zu verstehende Abbild einer deutschen Touristenfamilie, die seit 19 Jahren in diesem Haus ihren Urlaub verbrachte und deshalb meinte, besondere Vorrechte fordern zu können. Luigi, der Hotelbesitzer (Konny Körbl), war zwar eifrig bemüht, es allen seinen Gästen stets recht zu machen, zumal er schon sehnsüchtig auf das Wiedersehen mit Evi wartete, ein Empfinden, das von dieser lebhaft erwidert wurde.
Konflikte zwischen den beiden Familienoberhäuptern Frau Pingelig und Herr Bruddler blieben natürlich nicht aus. Auch Oma Bruddler sorgte mit ihrer Schlitzohrigkeit und Eigenwilligkeit stets für Turbulenzen zwischen den verschiedenen Personen der Handlung. Darüber konnte sich die Hotelangestellte Maria (Simone Körbl), die ständig den von den Touris hinterlassenen Dreck wegputzen musste, immer nur wortreich wundern und ärgern.
Derb ging es auf der Bühne vor dem Enzdamm zu; zuweilen breitete sich auch der schiere Klamauk dort aus. Das Ensemble vom „Theater Fleckabutzer“ übertrieb dabei nicht, ohne sich in seiner Spielfreude Bremsen anlegen zu müssen. Die neun Mitwirkenden verkörperten ihre Rollen bewegt und unbeschwert, verstanden es hervorragend, die pausenlos prasselnden Pointen zielgerecht ins Publikum abzufeuern, so dass sich helles Gelächter auf der Tribüne ausbreitete und sich erst über den Wassern der Enz verflüchtigte. Heinz Kienle, der mitspielende Regisseur, hatte es fabelhaft verstanden, sein Ensemble zu unverkrampftem Spiel zu führen und damit Volkstheater pur zu inszenieren.
Die Truppe aus Löchgau hatte auch schon bei einer Personalversammlung der Stadt Vaihingen für Lacher gesorgt – das wollte man auch den „normalen“ Bürgern nicht vorenthalten. Die gut besetzte Tribüne am Enzdamm bewies, dass man mit solcher Art der Unterhaltung fast immer ankommt.






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