Vaihingen (aa). Eine prall gefüllte Kulturwoche ist bis 16. august in Vaihingen am Enzdamm zu erleben. Den Auftakt besorgte am Freitag Klaus Birk. Vorgeschaltet war die Ausstellungseröffnung mit Werken des Malers H.P. Stierle in der Peterskirche.
Die Tribüne am Enzdamm ist gut besetzt. Nur am Rande gibt es noch wenige Plätze. Und das Wetter passt optimal. Alles klar für einen unterhaltsamen Abend mit Schwaben-Kabarett. Der Gag des Vaihinger Oberbürgermeisters muss natürlich kommen. „Nicht, dass Sie mich für den Klaus Birk halten“, stellt Gerd Maisch bei seiner kurzen Begrüßung klar, „ich bin der Oberbürgermeister dieser schönen Stadt.“ Maisch muss einen Dank an die Sponsoren los werden und den Hinweis anbringen, dass es für alle Veranstaltungen noch Karten gibt. Das Sponsoring für Klaus Birk hat die Kreissparkasse übernommen; Birk war schon beim Fest zum 125-jährigen Bestehen der KSK in Vaihingen der Stargast bei der Feier auf dem Kaltenstein gewesen. Jetzt soll er am Fuße des Vaihinger Wahrzeichens die Gäste unterhalten. KSK-Regionaldirektor Stefan Heffner spricht von einem tollen Rahmen und einem vielversprechenden Kultursommer-Programm. Sogar den Hinweis auf die S-VKZ-Tour am 22. August bringt er noch unter.
„Der Birk hat die Haare geschnitten“, haben die Damen auf der hinteren Reihe der Tribüne vor dem Aufritt ausgemacht. Sie haben den Kabarettisten schon wiederholt erlebt und freuen sich auf die Rede-Schau am Enzdamm. Offensichtlich kommt es auch auf Äußerlichkeiten an. Dass die Tribüne keine Möglichkeit bietet, sich anzulehnen, trübt das Vergnügen etwas. Vielleicht könnte man über diesen Punkt nach dem Kultursommer 2009 noch einmal nachdenken. Schalensitze hat der Tribünenbauer durchaus im Angebot.
Doch Schalensitze helfen gegen Regen nichts. Die Schau der „Showgetten“ fiel am Samstag dennoch nichts ins Wasser. Im Laufe der Vorstellung tröpfelte es sich allmählich ein. Die rund 150 Gäste hatten jedoch auf der Tribüne so viel Platz, dass sie mit Regenschirmen zum großen Teil ohne Sichtbehinderungen dem Geschehen auf der Bühne folgen konnten. Gestern wurden die Schirme bei der Jazz-Matinee mit „Ipanema Beach Hotel“ und Fauzia Maria Beg eher zum Schutz gegen die stechende Sonne benötigt. Nahezu 100 Bossa-Nova-Fans erlebten einen unterhaltsamen Vormittag.
Mit Scharfsinn und Kreativität
„Die Showgetten“ rücken dem
Schönheitswahn zu Leibe
Vaihingen (pcn). Es war schon erste Sahne, wie das Duo „Die Showgetten“ alias Silvie Fazlija und Ulrike Beise, in Begleitung ihres „Pianösel“ Dirk Werner, am Samstagabend dem Fitness- und Schönheitswahn zu Leibe rückten. Mit einer XXL- Portion Humor zogen die beiden Sängerinnen und Schauspielerinnen beim Vaihinger Kultursommer mit ihrem Programm „FÜV-geprüft“ gegen Kleidergröße XXS und ein von den Medien, der Mode- und Beautyindustrie diktiertes kollektives Über-Ich zu Felde.
Die frechen Lieder und Texte entpuppten sich dabei allesamt als mit Honig triefender Ironie garnierte Zuckerstückchen, in denen die Kabarettistinnen den Traum „horizontal und vertikal ideal“ zu sein mit spitzer Zunge durch den Kakao zogen – hier waren Scharfsinn und Kreativität als Markenzeichen Trumpf!
Als Rahmenhandlung haben die Showgetten ein (aber-)witziges Szenario entwickelt. Im Frauen-Überwachungs-Verein, kurz „FÜV“ genannt, wird die weibliche Spezies alle zwei Jahre gründlich überholt, repariert und verschönert. War das personal Tuning („Fit statt fett“) – in minderschweren Fällen mit sportlichem Drill und neuem Farbanstrich, ansonsten auch gerne mittels Pillen und Skalpell – erfolgreich, wird die Instandsetzung mit der begehrten „HU-Plakette“ belohnt. Doch wehe, wenn der Lack erst einmal so richtig ab ist, Verrostung droht oder gar die Fahrgestellüberprüfung Normabweichungen ans Licht bringt – dann wird frau gnadenlos abgewrackt und mancher Oldtimer (Ü30?!) aus dem Verkehr gezogen; schließlich müssen „Gefahrenfälle für das männliche Leben“ unter allen Umständen vermieden werden.
Gnadenlos legten Ulrike Beise und Silvie Fazlija individuelle wie gesellschaftliche Problemzonen frei und hielten dem Publikum dabei den Spiegel vor – schließlich ist Schönheit immer auch eine Frage der Betrachtung und des Blickwinkels.
Ein gewichtiges Rollenklischee bedienten die Künstlerinnen indes ganz nebenbei; erwiesen sie sich doch als wahre Meisterinnen des „Multitasking“: Jede verkörperte im Laufe des Abends gleich mehrere Frauentypen, von der abgehalfterten Diva Monica von Immerblau (ihres Zeichens einstige Gewinnerin des Grand Prix de la Bulimie), über das nach Perfektion strebende Fräulein Spatz bis hin zur pralinensüchtigen Politikergattin Lotte Lotterbeck oder der stets pflichtbewussten Seniorin Elfriede Rummenigge. Dabei griffen die Showgetten gerne ganz tief in die Klamottenkiste, wechselten mit den schrillen Kostümierungen auch blitzartig die schrulligen Charaktere, mit denen sie den Jugend- und Beautywahn konterkarierten.
Alice Schwarzer wäre stolz
auf die Komädiantinnen
Im Gegensatz zu ihren Kunstfiguren setzte das Dream Team Beise/Fazlija auf IQ statt OP; ihr messerscharfer Verstand führte die Nutzung des Skalpells in der Tat ad absurdum. Die Urmutter der Emanzipation, Alice Schwarzer, wäre stolz auf die beiden Komödiantinnen. Denn die pfiffen am Ende auf die FÜV-Plakette („Wir wollen nicht abgestempelt werden“), propagierten lieber Selbstvertrauen und Grips.
Folglich gehörte für die Zuschauerinnen und Zuschauer nebst Lachkrämpfen auch aktive Mitgestaltung zu den Risiken und Nebenwirkungen des pfundigen Programms: Immer wieder bezogen die Kabarettistinnen ihr Publikum in das Spiel mit ein. Dabei bekamen übrigens auch die Männer gehörig ihr Fett weg; mussten beim Maßnehmen als „Mess-Diener“ herhalten oder im Mini-Orchester Triangel spielen. Frei nach dem Motto „back to the roots“ besangen die Showgetten den Neandertaler als brauchbare Alternative zu Superman und Co. Damit schafften sie am Ende einen Ausgleich zwischen beiden Geschlechtern, die sich an diesem Abend zumindest in einer Frage einig gewesen sein dürften. Der Performance-Index der Vollblutkomödiantinnen darf guten Gewissens als maximal (22 aufwärts!) eingestuft werden.
Philosophenwelt des Nonsens
Kabarett mit Klaus Birk beim Vaihinger Kultursomme am Ufer der Enz
Das „Stand-up-Kabarett“ von Klaus Birk, der mit seinem Programm „Best of Birk“ zum Auftakt des Vaihinger Kultursommers am Ufer der Enz gastierte, kam am Freitagabend beim Publikum bestens an. Geboten wurde eine hintersinnige Philosophenwelt des Nonsens.
Mimische und sprachliche Mittel triumphierten auch angesichts des VfB-Schals, den sich Klaus Birk schwungvoll um den Hals geschlungen hatte (zunächst war es zum Test der Toleranzgrenze einer des KSK).
„Was wird aus dem VfB ohne Gomez?“, lautete die rhetorische Frage. Außerdem würden sich viele Schwaben über die Badener aufregen. „Wir haben einen Ministerpräsidenten, der immer lacht“, bemerkte Birk gewitzt. Und der Erwin Teufel hätte sowieso nie zurücktreten dürfen. Birk verglich Oettinger mit dem „Hohensteiner Kasper“: „Der Mann meines Vertrauens.“ Der habe „die Hex’“ verjagt. „Und wo ist die Schavan jetzt?!“ Der Teufel sei ja auch in der Hölle. Gleichzeitig bekannte sich der gewiefte Kabarettist zum Rauchen von Wasserpfeifen in Omnibussen. So wollte er denn auch Busfahrten für Wasserpeifenraucher organisieren.
Birk beschäftigte sich jedoch auch mit den Beziehungsproblemen zwischen Mann und Frau: „Der deutsche Mann ist zu langsam. Bevor er weiß, wie's geht, ist die Frau weg!“ Der schönste Mann Europas sei der Italiener. Und der Schwabe sehe doch eher „scheiße“ aus. Auf der anderen Seite wolle die Landesregierung dabei helfen, zeugungswillige Paare nach Finnland zu schicken. Die kabarettistischen Hiebe nahmen deutlich zu: Wie blöd müsse ein Österreicher eigentlich sein? Einen Österreicher habe man ja schon einmal adoptiert, aber es sei total in die Hosen gegangen.
Natürlich wurde weiter geschmunzelt und gelästert, über den feinen Staub der Umweltplaketten debattiert und über Doping-Mittel hergezogen. Man habe außerdem immer wieder Angst, dass bei den Six-Days gedopt werde. „Das Geld ist in Stuttgart“, unterstrich Klaus Birk im Zusammenhang mit Stuttgart 21. Stuttgart sei eben das größte Wirtschaftszentrum: „Wir bauen diesen Bahnhof, damit ein leerer Zug schneller nach Bratislava kommt.“
Klaus Birk beschäftigte sich bei diesem abwechslungsreichen Kabarettabend mit aussterbenden Tierarten, die man dann aber auch tatsächlich aussterben lassen solle. So erschwerten diverse Heuschreckenarten sogar den Flughafenausbau. Über die Fernsehzuschauer machte sich der Kabarettist ebenfalls lustig: „Es gibt Fernseher, aus denen man herausgucken kann!“ Das Gesundheitssystem wurde von Birk regelrecht verspottetet: „Herr Doktor, ich wäre mal wieder gerne krank!“ Da blieb kein Auge trocken. „Es gibt Krankheiten, gegen die kann man sich nicht versichern, weil die Pharmaindustrie sie noch nicht erfunden hat“, so Birk. Nicht nur polnische Pflegekräfte und rumänische Gefangene wurden präzis unter die Lupe genommen, sondern auch die gesamte Spitzenriege der CSU, die man in Rumänien ruhig einsperren lassen könnte. „Warum ist es für eine Frau so wichtig, beleidigt zu sein?“, fragte Klaus Birk das Publikum forsch – und gab gleich die passende Antwort: „Eine gute Frau sollte bis Mitte August beleidigt sein, um gute Weihnachtsgeschenke zu bekommen.“
Als dann der „Hohensteiner Kapser“ schließlich in Würzburg auftauchte, war der Abend schon fast beendet. Die Zuschauer amüsierten sich trotzdem köstlich. Buddha sage, auch dieses Leben geht vorüber. Und der Mann regiere seit jeher sein Revier. „Er kann aus den Socken die Wahrheit ablesen“, bemerkte Birk. Und dann müsse er sich auch nicht wundern, wenn seine Frau nur feststelle: „Ich habe deine Socken auf den Bildschirm von deinem Laptop getackert!“
Klaus Birk hat ein Jurastudium absolviert; er trat zehn Jahre im Kabarett-Duo mit Bernd Kohlhepp (Vis a Vis) auf, absolvierte Auftritte auch in der Schweiz, Österreich und in UdSSR. Seit 1992 ist er Solo-Kabarett, Preisträger des Münchner Kabarett-Solowettbewerbs 1995. Birk hat in mehr als 250 TV-Sendungen mitgewirkt und mehr als 1000 Szenen fürs Radio geschrieben und eingespielt. Er schreibt für Film, TV, Tageszeitungen und Monatsschriften. Seit Mitte der Neunziger für „Hannes und der Bürgermeister" und weitere Projekte der Mäulesmühle.

