Nussdorf (aa). Es hatte so gut angefangen beim „Rock am Stall“ in Nussdorf: Die Besucher strömten wie noch nie zuvor, angenehme Temperaturen, fröhliche Gesichter. Doch was macht der Himmel. Hält er dicht? Leider nicht.
Die Herren von „Capra“ beten den Regen mit „Let it rain“ geradezu her. Von da an wurde das Open-Air-Festival auf der Nussdorfer Rennbahn der Familie Rapp zu einem nassen Vergnügen. Es war nicht das erste Mal, dass die drei Macher, die Brüder Eberhard, Karl-Friedrich und Daniel, mit ihrem Fest nass wurden. Eberhard Rapp, der Senior im Team, erinnert sich noch gut, dass das erste Angebot mit Nachwuchsbands aus der Region im Jahre 1998 ebenfalls verregnet war. Die Rapps haben dennoch nicht aufgegeben, ihr Festival ständig wieder ins Veranstaltungsprogramm genommen – und das bewusst auch in den Ferien. Von Jahr zu Jahr wurde der Zuspruch größer und zu einem festen Punkt in der Region. „Die Leute stehen Schlange an der Kasse“, freut sich Mutter Katrin Rapp, „das wird gut heute.“ Am Ende sind es zwischen 900 und 1000 Gäste gewesen.
„Rock am Stall“ steht für abwechslungsreiche Musik und gute Laune inmitten des Reiterhofes in Nussdorf. Was auffällt, sind die vielen Kinder; sie haben hier genügend Platz, sich auszutoben, wenn die Eltern der Musik lauschen. Das Festival-Gelände ist der Innenplatz der Trabrennbahn und hat die Größe eines Fußballplatzes, auf dem die Bühne, Essgelegenheiten, ein Bierzapfstand und eine Bar verteilt sind.
Eigentlich hatten die Rapps in diesem Jahr eine besondere Nummer geplant. Sie wollten schon freitags mit der „Kleinen Tierschau“ starten. Schon 2008 hatten Gespräche stattgefunden. Doch die Comedy-Truppe hat sich bekanntlich getrennt – „Rock am Stall“ lief wieder nach dem bewährten Muster ab. Dafür ist immerhin ein Etat von um die 6000 Euro notwendig. Wieder mit dabei ist die Nachwuchsband „Aces in Braces“ aus Aurich. Die Asse in Hosenträgern bieten ein abwechslungsreiches Non-Stop-Programm über zwei Stunden. Alle Achtung.
„Hab ich einen Tropfen gespürt?“, fragt sich Imanuel Rapp, Vater der drei Veranstalter, als „Aces in Braces“ den Johnny-Cash-Hit „Ring of Fire“ spielte. Er hatte. Langsam, aber sicher tröpfelt es sich ein.
Bandwechsel. Ab 21.20 Uhr lässt es „Capra“ krachen. Die Musiker kommen aus dem Raum Heilbronn; sie waren schon wiederholt in Nussdorf zu Gast. „Toll, wie sich das Festival gemacht hat“, lobt der Leadsänger. Es sind fünf gestandene Mannsbilder, die sich zusammengetan haben, um ihrer Leidenschaft zu frönen, gute Rockmusik live (weiter-)leben zu lassen Von AC/DC über Manfred Mann bis hin zu Pink Floyd und ZZ-Top haben sie alle gängigen Hits auf Lager. Die Band spielt sich recht stilsicher durch die letzten 40 Jahre Musikgeschichte. Ein Anliegen der Band ist es, sich neben bekannten Rockklassikern auch den „Perlen“ der Musikgeschichte anzunehmen, die etwas in Vergessenheit geraten sind und die man üblicherweise nicht von einer Coverband zu hören bekommt. Auf Lager haben sie zum Beispiel eine 13-minütige Version von Pink Floyd's „Shine on you crazy diamond“.
Im Internet haben die Rapps „CorleeMad“ aufgetan. „Rockig, spritzig, romantisch, frech, durchgeknallt“, diese Aussage hat es ihnen angetan. Die Truppe aus Berlin mit der energiegeladenen Sängerin Cora Lee (in sehr kurzem Rock) spielt eigene Songs, authentisch und unverblümt, gut und laut. „I am what I am” – unverfroren kämpft sich das Energiebündel Cora Lee mit ihrem Statement in die Gehörgänge. Im Zeitalter gecasteter Retortenbands sticht „CorleeMad“ mit frischen, handgemachten Songs hervor, die auch in Unplugged-Versionen überzeugen. Dem Regen zum Trotz (die Gäste bauen sich zum Teil Unterstände aus Biertischen) geht es noch nach Mitternacht kräftig ab auf der Rennbahn. Mit Beschallung in Richtung Vaihingen. Von dort gibt es in diesem Jahr nach Auskunft der Polizei keine Lärmbeschwerden. Wer sich wundert: Das war in den Vorjahren immer wieder normal gewesen.
