Waghalsige Akrobaten am Himmel: Die Tauben von Gerhard Kirn aus Sersheim sind etwas ganz Besonderes, sie gehören zu den besten tierischen Kunstfliegern in ganz Deutschland. Der Rentner staubt mit ihnen einen Preis nach dem anderen ab.
Sersheim. Mehrere Hundert verschiedene Taubenrassen gibt es auf der ganzen Welt. Doch nur mit einigen wenigen kann Gerhard Kirn etwas anfangen. Seine Tauben müssen nicht nur fliegen können, sie sollen dabei Kunststücke machen. Denn dabei kommt es bei dem Hobby des 69-jährigen Sersheimers an: Er ist Kunstflugtaubentrainer und -züchter gleichermaßen.
Nur etwas mehr als zehn Rassen taugen für Wettkämpfe im tierischen Kunstflug. Der Sersheimer Rentner setzt auf Tauben, die Bakina und Birmingham-Roller genannt werden. Mit Erfolg. Erst vor kurzem hat er zum wiederholten Male die baden-württembergischen Meisterschaften im Taubenkunstflug gewonnen. Bei einem internationalen Wettkampf landete er auf dem zweiten Platz.
Birmingham-Roller. Der Taubenname trifft gut, um was es beim Wettkampf geht. Die Tiere schlagen im Flug Saltos. Je mehr Rollen sie in einer vorher festgelegten Zeit schaffen, desto besser. „An den Start gehen immer drei Tiere gleichzeitig“, sagt Kirn. Bei den baden-württembergischen Meisterschaften in Graben-Neudorf haben drei seiner Bakina-Tauben 199 Überschläge geschafft. Gezählt haben das Kampfrichter am Boden mit speziellen Zähluhren. Noch mehr Überschläge waren es als er gegen Trainer aus neun Nationen im hessischen Hofheim antrat. Die Zahl 397 steht auf seiner Urkunde. Und darauf ist er richtig stolz. „Zu den internationalen Wettkämpfen können nur die Besten gehen. Wer versagt, wird ausgelacht“, sagt Gerhard Kirn.
Im Normalfall dürfen die Tauben eine halbe Stunde fliegen. Dafür trägt Kirn sie in einer Kiste auf ein Feld und lässt sie frei. Wenn die Tiere nach Ablauf der Zeit nicht wieder in der Gitterbox sitzen, dann scheidet der Trainer aus. Deshalb müssen einige Tricks her: „Nach etwa 25 Minuten setze ich eine Locktaube auf den Käfig, dann kommen die anderen wieder vom Himmel.“ Aber auch übers Fressen lasse sich die Sache steuern. Mit vollem Magen kommen die Tauben nicht mehr zurück. Wenn sie hingegen hungrig sind, dann fliegen sie in den Kasten – darin steht ein Futternapf.
Trainiert wird mit den Tauben jedes Jahr ab Mai
Was sich einfach anhört, ist mit langem Training verbunden. Jedes Jahr im Mai fährt der Sersheimer, der 40 Tauben besitzt, mit einigen Tieren auf ein Feld und lässt sie fliegen. Dann beginnt die Selektion. „Nur die Tauben, die sich in der Luft drehen, sind für mich interessant.“
Für die Tauben kann der Kunstflug übrigens richtig gefährlich werden. Denn am Himmel lauert oft ein Natürlicher Feind. Habichte setzen in der Luft zum Angriff an, packen die Tauben und fressen sie. „Dagegen kann man nichts machen“, sagt Kirn. Das sei Wettkampfrisiko. „Beim Training habe ich so zwölf Tauben verloren.“
Von Philipp-Marc Schmid
