Vaihingen (aa). Thorsten Leupold ist seit 2002 Wirtschaftsförderer der Großen Kreisstadt Vaihingen an der Enz und dabei auch zuständig für die Bereiche Stadtmarketing und Öffentlicher Personennahverkehr. Zum 1. September wechselt er zum Landratsamt Konstanz. Wie fällt seine ganz persönliche Bilanz aus?
Von Albert Arning
Vaihingen. Da gab es mal vor Jahren ein Zitat im Vaihinger Gemeinderat. Die Zeit des Lächeln sei vorbei, merkte Stadtrat Prof. Gustl Lachenmann an und wollte bei der Vermarktung der Grundstücke auf dem „Perfekten Standort“ endlich Ergebnisse sehen. Das Lächeln war auf den Wirtschaftsförderer gemünzt.
„Ich bin nun mal eher ein fröhlicher Mensch“, sagt dazu Thorsten Leupold und lacht herzlich. Zu Beginn seiner Vaihinger Zeit war im allerdings nicht immer nach Lachen zumute. Da lief in der Tat auf dem „Perfekten Standort“ so gut wie nichts. Wie sieht er Vaihingen bei seinem Weggang aufgestellt? „Sehr gut“, meint Leupold ohne falsche Bescheidenheit. Er kann inzwischen durchaus Erfolge vorweisen. 13,87 Hektar sind auf dem „Perfekten Standort“ verkauft (die Hälfte des ersten Erschließungsabschnittes); die Schulden sind von 16 auf knapp sechs Millionen Euro runtergefahren worden. 2007/2008 hat es sieben Ansiedlungen gegeben, 600 Arbeitsplätze sind geschaffen worden. Es gibt noch Plätze in allen Größenordnungen auf insgesamt 14 Hektar (und zudem den möglichen zweiten Realisierungabschnitt von 20 Hektar). Das macht ein Potenzial von weiteren 1000 Arbeitsplätzen aus.
Ein bescheidener Start
im Jahr 2002
Und wie lief es in den vergangenen Monaten? „Eher bescheiden“, muss Leupold zugeben, „es laufen Anfragen, aber es kommt zu keinen Abschlüssen; das ist nicht nur unser Problem in Vaihingen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind einfach zu schlecht geworden.“ Doch Leupold wäre nicht Leupold, würde er nicht auch schon wieder Licht am Ansiedlungshimmel sehen. „Konkret ist allerdings noch nichts“, beugt er übertriebener Euphorie vor. Kärnerarbeit nennt der 37-Jährige das, was er in Vaihingen betrieben hat.
Vaihingen müsse unbedingt seiner Mittelzentrumsfunktion stärker gerecht werden, beschreibt es Leupold. „Wir haben derzeit mehr Aus- als Einpendler, doch eigentlich sollten in ein Mittelzentrum mehr Leute einpendeln. Deshalb ist der „Perfekte Standort“ die richtige Entscheidung für Vaihingen gewesen; er wird der Stadt auf lange Sicht auch guttun.“ Und er sei im Land durchaus bekannt.
Wie hat sich die Beziehung zwischen Stadtverwaltung und Wirtschaft in den letzten Jahren entwickelt? „Ich habe über 350 Firmenbesuche absolviert“, hat Leupold notiert, „der persönliche Kontakt und die Bestandsbetreuung sind einfach superwichtig.“ Zur festen Einrichtung sind die Firmengespräche geworden; am 15. Oktober soll bereits die siebte Auflage bei Sika im Rieter Tal stattfinden.
Auch das Stadtmarketing und der Bereich ÖPNV sind beim Wirtschaftsförderer angesiedelt. Beim Marketing wird in einer Lenkungsgruppe mit der GMA ein Konzept erarbeitet, das die Stärkung der Innenstadt als Ziel hat. Eine Auswahl von 10 bis 15 Maßnahmen ist erarbeitet worden, doch bevor die breite Öffentlichkeit informiert wird, sollen zunächst die Gemeinderatsfraktionen auf den Stand der Dinge gebracht werden. Nur so viel lässt der Noch-Wirtschaftsförderer raus: „Es könnten einige Maßnahmen dabei sein, die durchaus was bringen.“ Thema ÖPNV: Hier wurde die Aufnahme des IRE in den VVS-Tarif erreicht; es gab Verbesserungen im Spät- und Wochenendverkehr. Noch in guter Erinnerung ist die Anbindung des Baresel-Geländes, doch muss hier noch nachgearbeitet werden: die Pendler sind nicht optimal an die IRE-Züge angeschlossen. Durchaus ein klein wenig stolz zeigt sich Leupold beim Thema „Kauf der WEG-Trasse“. Da seien zunächst 1,6 Millionen Euro als Kaufpreis im Raum gestanden. Am Ende habe man jedoch mit den Immobilien nur 400000 Euro bezahlt, da die historischen Verträge gefunden worden seien. Detlef Fischer von der Liegenschaftsabteilung habe da entscheidenden Anteil gehabt: „Das war echtes Teamwork.“
Was waren einst die größten Probleme beim Start in Vaihingen? „Natürlich die Vermarktung des Perfekten Standorts“, gibt Leupold unumwunden zu, „bis 2007 hatten wir gerade mal einen Verkauf, obwohl ich rund 400 Investorengespräche geführt hatte.“ Die auch damals schwächelnde Konjunktur habe sich entscheidend ausgewirkt. Zwischenfrage: „Warum brummte es am Eichwald bei Sachsenheim?“ Das sei dort auch „nur“ der Logistiker Winkels gewesen und dann sei Porsche gekommen: „Und bei uns haben alle geschimpft, als die beiden Logistiker kamen.“ Nachkarten über die damaligen Verhandlungen will Leupold nicht: „Da hat in der öffentlichen Darstellung einiges nicht ganz gestimmt.“
„Aus meiner Sicht alles
richtig gemacht“
Thorsten Leupold, Wirtschaftsförderer
Was würde der Wirtschaftsförderer in der Rückschau anders machen? „Nix“, kommt es da wie aus der Pistole geschossen, „aus meiner Sicht habe ich alles richtig gemacht.“ Lag Leupold, der die Position des Wirtschaftsförderers für eine Stadt in der Größenordnung Vaihingens für unverzichtbar und elementar hält, immer auf einer Linie mit seinen Oberbürgermeistern? „Der OB ist der oberste Wirtschaftsförderer“, wird klargestellt. „Ich hatte in Vaihingen das große Glück, unter zwei guten OBs gedient haben zu dürfen. Ich freue mich im Nachhinein, dass ich zum Beispiel Heinz Kälberer doch von der Notwendigkeit der DM-Ansiedlung überzeugen konnte. Er wollte damals nicht.“ Und auch der Gemeinderat sei in der Zeit, als keine Verkäufe liefen, immer hoch sensibilisiert gewesen. „Alles haben gewusst, dass der stockende Verkauf ein landes- und bundesweites Problem war.“
Wo hat Vaihingen nach Ansicht des Wirtschaftsförderers noch Ressourcen? Hier werden Tourismus, Gastronomie und Stadtmarketing genannt. „Dafür braucht man aber nicht nur eine gute Stadtverwaltung, sondern auch die Leute, die mitziehen: Einzelhändler, Gastronomen, Eigentümer, Wirtschaft, Industrie. Auch der Stadtmarketingkreis soll hier eventuell etwas ausgedehnt werden. Es sollen sich mehr für die Stadt verantwortlich fühlen.“ Ganz wichtig ist Leupold, dass die Jugend nicht vergessen wird. Was er im tiefsten Herzen über die Vaihinger Angebote denkt, will er lieber nicht in der Zeitung lesen. Er bedauert nur, dass das Kino-Projekt in der Peterskirche nicht zum Tragen kam und die Skater-Anlage auf Eis liegt.
Leupold freut sich nachträglich über die enormen Freiräume, die er in Vaihingen hatte. „Der Aufgabenbereich hat eine enorme Spannbreite – vom Aufstellen der Dixie-Toiletten (natürlich nur im übertragenen Sinn) bis zum Millionenvertrag am „Perfekten Standort“. „Jeder Tag ist anders, die Arbeit macht echt Spaß.“ Der Nachfolger von Leupold, für den es doch „etliche Bewerbungen“ gibt (so Personalchefin Barbara Leibbrandt) bekommt übrigens Kultur und Tourismus noch dazu: „Dies war aus meiner Sicht schon lange überfällig, denn Tourismusförderung ist Wirtschaftsförderung.“
Um noch mal auf das Lächeln zurückzukommen. „Ich gehe mit einem Lachen im Gesicht“, sagt Thorsten Leupold, „das habe ich mir nie verbieten lassen.“
