Eberdingen (aa). Das Ziel ist definiert: Zur Konfirmation am 21. März 2010 soll die Kirchenrenovierung abgeschlossen sein. Und am Palmsonntag ist die feierliche Wiedereinweihung geplant. Daran glaubt man bei der evangelischen Kirchengemeinde Eberdingen fest. Die Kosten sind inzwischen auf rund 700000 Euro angewachsen.
Pfarrerin Dorothee Lächler lädt in ihre Martinskirche ein. Da lohne sich ein Blick, meint sie am Rande des Eberdinger Straßenfestes. Ihr Kirchenpfleger Rolf Seemann kann ihr da nur zustimmen. Besuch der VKZ am 6. August. Das Gotteshaus ist leergeräumt. An zwei Samstagen im Juli haben 25 Helfer die Bänke abmontiert und zwischengelagert. Die Kirche ist zur großen Halle geworden. Jetzt ist es die spannende Frage: Wie geht es weiter?
Ein Blick zurück. Seit Oktober 2008 wird an der rund 450 Jahre alten Kirche gewerkelt. Die Sanierung des Daches ist inzwischen so gut wie abgeschlossen (die VKZ hatte berichtet). Es gab immer wieder zusätzliche Arbeiten, die die Fertigstellung verzögerten. „Glücklicherweise waren durch die angebrachte Folie der Bühnenraum und das ausgebesserte Dachgebälk gegen den Regen gesichert“, meint Rolf Seemann. Es hat sich letztlich auch noch herausgestellt, dass im Sandsteinbereich am Turm schon wieder Schäden vorliegen. Auf der Seite zum alten Rathaus hin mussten Reparaturen durchgeführt werden. „Schönheit hat halt seinen Preis“, stellt der Kirchenpfleger fest.
Durch den Bauausschuss wurde festgelegt, dass an den Außenflächen nur die dringendsten Ausbesserungen vorgenommen werden. Es müsse eben alles finanzierbar sein. Zwingend war jedoch die Anbringung eines Schutzes gegen Tauben, zumindest am Schiff. „Das hat durchaus was gebracht“, stellt Pfarrerin Lächler fest. Auf die Taubenabwehr am Turm hat man jedoch verzichtet, denn dafür hätte der Turm komplett eingerüstet werden müssen – mit weiteren Kosten von über 7000 Euro.
Parallel gingen die Vorbereitungen für den Innenausbau weiter. Eine Kostenschätzung liegt nun vor. Und die Summe ist deutlich höher als erwartet: 420000 Euro. Nach den ursprünglichen Planungen sollte die komplette Sanierung (Dach und Innenleben) rund 550000 Euro kosten; jetzt liegt man bei nahezu 700000 Euro. Als Hauptposten werden genannt: Putz- und Stuckarbeiten an der Innenschale 40000 Euro, Elektroinstallation 530000 Euro, Erneuerung der Beleuchtung 20000 Euro, Restaurationsarbeiten, vorwiegend im Chor, 44000 Euro. Von der Gesamtsumme muss die Kirchengemeinde rund 375000 Euro finanzieren. Zuschüsse kommen vom Kirchenbezirk (neun Prozent sind beantragt) und von der Landeskirche (rund 35 Prozent). Vom Denkmalamt wird ein 35000-Euro-Zuschuss erwartet.
Hoch angesetzt hat Kirchenpfleger Rolf Seemann die Spendensumme von 110000 Euro. Bisher sind immerhin rund 67000 Euro zusammengekommen; sollte die Zielsumme nicht erreicht werden, müsste das Darlehen (geplant sind 60000 Euro) aufgestockt werden.
Pfarrerin Dorothee Lächler führt durch die Kirche. „Das da oben ist keine weiße Farbe“, erklärt sie mit Blick auf das Kreuzgewölbe im Chor. „Da ist nur eine Stück gereinigt worden.“ Ein Restaurator wird sich den Chorraum vornehmen, Martin, Christus, Maria und Johannes einer Reinigung unterziehen; auch die acht Apostel an den Wänden sollen in neuem Glanz erstrahlen. Die Apostel sind bei der letzten Renovierung in den 60er-Jahren wenig sachgerecht mit Dispersionsfarbe gestrichen worden. Die Orgel ist natürlich staubfrei eingehüllt; Pfeifen wurden zum Teil ausgebaut. Eine Grundreinigung will man nicht auch noch finanzieren müssen. Die Kanzel ist abgebaut.
„Sie werden bald wohl mit Helm predigen müssen, Frau Pfarrer“, hätten die Konfirmanden mit Blick auf die abbröckelnde Decke gesagt. Dorothee Lächler stellt sich in das Chorgestühl, „unser Schmuckstück“. Das bleibt natürlich erhalten. Am Altar soll der Sockel wegfallen, das Kruzifix wird an die Decke aufgehängt, der Taufstein, bisher abgedeckt, geöffnet. Im Schiff wird es eine Raumheizung geben, die Marmorplatten werden rausgerissen. Für die Beleuchtung gibt es künftig eine Dimm-Möglichkeit, eine Verdunklungseinrichtung wird eingebaut, ebenso eine Leinwand. Es kommt also noch viel Arbeit auf die Gemeindeglieder zu.
„Wir gehen davon aus, dass die Dinge so laufen, wie wir sie geplant haben“, ist die Pfarrerin, die im Jahr 2000 nach Eberdingen kam und eine rund 900-köpfige Gemeinde zu betreuen hat, zuversichtlich. Drei Viertel der Genehmigungen seien da. Was noch fehle, sei zum Beispiel das Okay der Unteren Denkmalschutzbehörde.
Die Gottesdienste (im Schnitt kommen um die 80 Gäste) finden derzeit im benachbarten Gemeindehaus statt
Wer der Kirchengemeinde bei der Sanierung der Martinskirche helfen will, sollte das Spendenkonto kennen: Evangelische Kirchengemeinde Eberdingen, Konto: 881 2867 Kreissparkasse Ludwigsburg, BLZ 604 500 50 und Konto: 62 099 019 Genossenschaftsbank Heimerdingen-Eberdingen, BLZ: 600 622 78, Stichwort: Kirchenrenovierung
