Freitag, 18. Mai 2012

Ensinger Netto-Markt wird gebaut


Der Discounter Netto hat in Ensingen mit dem Bau einer Filiale begonnen. Foto: Elsässer

In Ensingen sind diese Woche die Baumaschinen angerollt: Am Ortsrand in Richtung Kleinglattbach wird eine Filiale des Discounters Netto gebaut. In der Planungszeit wurde wild über den Standort diskutiert – im Gespräch war auch die Ensinger Kelter.

Ensingen. Unendlich schien die Diskussion um einen Verbrauchermarkt in Ensingen. Jetzt hat sie ein endgültiges Ende gefunden. Dieser Tage sind in dem Vaihinger Stadtteil die Bautrupps angerückt. An der Ecke Kleinglattbacher Straße/Herrenwiesen entsteht eine Filiale des Discounters Netto. Auf knapp 800 Quadratmeter sollen die Ensinger bald beinahe alles einkaufen können, was das Herz begehrt. Bisher waren sie auf einige wenige Läden in der Ortsmitte angewiesen. Mit dem Discounter verdoppelt sich das Angebot in dem Stadtteil nahezu.

Mit der Supermarkt-Diskussion haben sich der Vaihinger Gemeinderat und der Ensinger Ortschaftsrat lange beschäftigt. Anfang 2008 reichte ein Bauträger von Netto einen Bauantrag ein. Daraufhin verfügte der Gemeinderat im März eine Veränderungssperre für das Grundstück an der Straßenecke. Ende Juli wurde dann bei Stimmengleichheit beschlossen, die Sperre wieder aufzuheben. Seit September 2008 ist der Weg für den Discounter frei: „Die Baugenehmigung haben wir Mitte Juli 2009 erteilt“, sagt Martina Fischer, Pressesprecherin der Stadt Vaihingen.

Entstehen soll in Ensingen ein Standartmarkt der Kette, die zum Edeka-Konzern gehört. „Alle Netto-Märkte sind gleich gebaut und mit einer kostengünstigen, zweckmäßigen Regale-Einrichtung ausgestattet“, sagt eine Netto-Sprecherin gegenüber der Vaihinger Kreiszeitung. Eine moderne Logistik garantiere die optimale Bereitstellung des Warenangebotes. „Besonders im sensiblen Frischebereich ist das wichtig.“

Sortimentsschwerpunkt soll auf frischen Artikeln liegen

Nach eigenen Angaben ist Netto der Discounter „mit der größten Lebensmittel-auswahl in Deutschland“: Bis zu 4000 Artikel könnten die Kunden in den Regalen finden. Der Sortimentsschwerpunkt der Märkte liege auf einer Vielzahl an frischen Artikeln – zum Beispiel Obst und Gemüse, Fleisch und Wurstartikel an der Selbstbedienungstheke sowie Molkereiprodukte. „Ein umfangreiches Bio-Sortiment, regionale Artikel und ein umweltfreundliches Mehrwegsortiment runden unser Produktangebot ab“, erläutert die Sprecherin der Discounter-Kette.

Aber auch fernab der Lebensmitteleinkäufe können die Ensinger vom Sortiment profitieren: Zeitschriften, frei verkäufliche Medizinprodukte, Pflege- sowie Wasch-, Putz-, und Reinigungsmittel sind in den Regalsystemen zu finden. „Das Besondere an Netto: Es gibt sowohl hochwertige Eigenmarken, die von Industriepartnern exklusiv für uns hergestellt werden, als auch bekannte Marken-Artikel.“ Die rund 800 Quadratmeter Fläche, die die Stadtverwaltung genehmigt hat, umfassen den Ladenbereich und einen Backshop.

Während der langen Diskussion um den Standort des neuen Marktes war auch die Ensinger Kelter im Gespräch. Oberbürgermeister Gerd Maisch wollte dem Einzelhandelskonzept entsprechend ein Angebot im Ortskern schaffen. Vor rund einem Jahr sagte er: „Wir würden einen Fehler der 70er Jahre wiederholen, wenn wir mit dem Einzelhandel in die Gewerbegebiete gehen.“ Doch mit seinem Kelter-Plan prallte er auf eine Mauer der Ablehnung. Einige Ensinger gründeten kurzerhand eine Interessengemeinschaft – mit dem Ziel die bisherige Nutzung der Kelter beizubehalten.

Ein Verbrauchermarkt in der Kelter widerspreche unter anderem dem Entwicklungskonzept Ensingen 2005. Dieses Konzept sieht eine Aufwertung des Ortskerns vor. Kurzzeitparkplätze und der Lieferverkehr hätten eine solche Aufwertung verhindert. Ein Markt sei tagsüber und in der Nacht mit Lärm, Abgasen und zusätzlichem Verkehr verbunden, hieß es. Am 11. Juli des vergangenen Jahres überreichten der Enisnger Pfarrer Sieghard Blanc und seine Mitstreiter Wolfgang Müller, Walter Strobel und Ursula Gerhard dem Oberbürgermeister eine Liste mit 621 Unterschriften gegen einen Markt in der Kelter.

Ob Oberbürgermeister Gerd Maisch mit seinen Befürchtungen, einen Standortfehler zu begehen, richtig lag, wird sich erst zeigen, wenn Netto eröffnet hat. Bis die Ensinger den ersten eigenen Discounter im Ort haben werden, dauert es jedoch noch einige Monate.

Von Philipp-Marc Schmid


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