Vaihingen/Ludwigsburg (aa). Ärztehäuser kommen in Mode. Nach dem Vorbild von Vaihingen, wo das Vaisana-Projekt seit 2007 läuft, ist jetzt auch beim Krankenhaus Marbach ein Ärztehaus geplant (Spatenstich zum Jahreswechsel). Am Krankenhaus Bietigheim-Bissingen sollen im kommenden Jahr die Weichen gestellt werden.
Die Ansiedlung von Fachärzten in unmittelbarer Nähe zu Krankenhäusern wird als Schritt zu einer effektiven und patientenfreundlichen Zusammenarbeit gewertet. Kliniken-Geschäftsführer Edwin Beckert: „Dabei gilt es gegenseitige Synergieeffekte zu suchen und zu finden.“ Ärztehäuser gelten als ein Baustein bei der Bildung von strategischen Kooperationen. Diese Zielsetzung wird in Ludwigsburg schon seit vielen Jahren betrieben. Es begann mit dem Zusammenschluss des einstigen Kreiskrankenhauses Ludwigsburg mit der städtischen Klinik Bietigheim. Es folgten die Einbindung der Krankenhäuser des Enzkreises, die Integration der Örthopädischen Klinik Markgröningen und schließlich Anfang 2009 die Angliederung der Kliniken in Bretten und Bruchsal (Landkreis Karlsruhe).
Insgesamt sollen durch diese Maßnahmen, die nach einer gemeinsamen Unternehmensstrategie und gemeinsamen Führungsgrundsätzen abgewickelt werden, die medizinische und technische Qualität verbessert und natürlich auch eine bessere Wirtschaftlichkeit erreicht werden – bei Sicherung der wohnortnahen Versorgung der Patienten. Das Management der Regionalen Kliniken Holding GmbH (RKH) legt Wert darauf, dass bei aller Vereinheitlichung der Abläufe und dem gemeinsamen Marketing jedem der beteiligten Häuser noch Spielraum für ein eigene Profil bleibt.
Bei den Kliniken gGmbH Ludwigsburg-Bietigheim war laut Unternehmensplanung für 2008 ein Minus von 989000 Euro geplant gewesen. Tatsächlich landete man bei einem Defizit von 788000 Euro. Für 2009 sollen die roten Zahlen weiter verringert werden auf minus 69000 Euro. Geschäftsführer Edwin Beckert: „Ob diese Planung am Ende eingehalten werden kann, ist noch unsicher, da die Budgetverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind. Es gibt eine zweite Verhandlungsrunde im Oktober, die weiteren Aufschluss geben wird.“
„Auf gutem Weg mit
den Enzkreis-Kliniken“
Edwin Beckert, Kliniken-Geschäftsführer
Bei den Enzkreis-Kliniken ist das bei der Übernahme angetroffene Minus von rund 4,5 Millionen Euro inzwischen auf ein Minus von 278000 Euro abgebaut worden. Beckert: „Wir sind auf einem gutem Weg, auf die gewünschte Null zu kommen.“ Als erfolgreiches Projekt wertet er unter anderem die Wahlleistungs-Komfortstation in Mühlacker.
Insgesamt wurden in der Regionalen Kliniken Holding im Jahr 2008 Investitionen in Höhe von 41,2 Millionen Euro getätigt. Davon in der Kliniken-gGmbH in Höhe von 24,3 Millionen: 5,2 Millionen gingen in die Baumaßnahme der Sanierung und Erweiterung des zentralen Operationsbereichs im Klinikum Ludwigsburg, 3,2 Millionen Euro flossen in den Neubau der Angiographie im Klinikum Ludwigsburg (Angiographie ist eine Röntgenuntersuchung der Gefäße), 1,4 Millionen Euro gingen in das ambulante Tumorzentrum in Ludwigsburg, das im August 2008 eingeweiht wurde, 1,1 Millionen wurden für die Sanierung des Zentral-OPs am Krankenhaus Bietigheim benötigt, 0,7 Millionen Euro gingen in den sogenannten dritten Bauabschnitt, einer Ertüchtigung der Haustechnik im Krankenhaus Vaihingen, 4,1 Millionen Euro wurden in neue medizinische Geräte in der GmbH investiert und 4,3 Millionen in die Basisausstattung wie EDV-Hard- und Software, Wirtschafts- und Verwaltungsbedarf.
Der Zwang zum Sparen soll nicht auf Kosten der Patienten ausgetragen werden, betonen Edwin Beckert und seine medizinische Geschäftsführerin Dr. Andrea Grebe. Die Zahl der Beschäftigten sei „in etwa“ konstant geblieben: 2007 waren es 3883, 2008 noch 3765. Natürlich habe aber eine „Arbeitsverdichtung“ stattgefunden. Der Rückgang wird im wesentlichen darauf zurückgeführt, dass 110 Labormitarbeiter von der Kliniken gGmbH in die Holding gewechselt sind und statistisch nicht mehr bei der Kliniken gGmbH auftauchen.
Als „schwierig“ wird die Stellenbesetzungen in speziellen Pflegebereichen wie der Intensivpflege und dem Pflegedienst im Operationsdienst bezeichnet. Hier gibt es wenig Bewerber. Hier und im ärztlichen Bereich hilft der Kliniken-gGmbH beispielsweise der Umstand, dass sie in Ludwigsburg eine Kindertagesstätte unterhält (90 Jungen und Mädchen werden betreut). Dies ist umso wichtiger, da zunehmend Frauen auch im ärztlichen Dienst als Bewerberinnen auftreten. Zusätzlich gibt es Kooperationen mit der Kindertagesstätte „Rabennest“ am Krankenhaus Mühlacker und dem Kinderhaus in Bietigheim-Bissingen.
