Frischer Wind im Keltenmuseum: Rund 120 Schautafeln und einige Ausstellungsbereiche werden für rund 100000 Euro komplett neu gestaltet. Dafür schließt das Museum in nächster Zeit zweimal seine Pforten.
Hochdorf. Junge Frauen und Männer fühlen sich geehrt wenn sie ihren 18. Geburtstag feiern können. Das Leben fängt dann erst richtig an. Bei einem Museum ist das anders. Und zwar grundlegend: „Wenn ein Museum 18 Jahre alt wird, hat es seine besten Zeiten hinter sich und ist schlicht und einfach überholt“, sagt Dr. Simone Stork, die das Hochdorfer Keltenmuseum führt. Zum ersten Mal hat die Ausstellung ihre Pforten am 25. Mai 1991 geöffnet. Damals war sie fortschrittlich und beispielhaft. Nach 18 Jahren steht jetzt eine Modernisierung an. „Und die ist dringend notwendig.“
Die Abbildungen in dem Museum sind mit der Zeit bleich geworden. Einige Schautafeln wurden durch viele, viele Besucherhände in Mitleidenschaft gezogen. Das Erscheinungsbild ist nicht mehr zeitgemäß. Und: „Die Archäologie lebt und bewegt sich. Das Weltbild der Archäologen wird immer schärfer und bunter“, erläutert Stork. Wer auf dem Markt bestehen wolle, müsse gut sein. Wer das nicht sei, gehe unter – ohne Gnade.
Viele Besucher aus dem Ausland in Hochdorf
Rund 120 neue Schautafeln mit eingebauten Schaukästen und Übersetzungen ins Englische sollen her. „Das mit der zweiten Sprache war mir sehr wichtig“, sagt Simone Stork. Von 100 verkauften Museumsbroschüren seien 20 in englischer Sprache geschrieben. „Wir haben viele Besucher aus dem Ausland, der Bedarf ist also da.“ Übersetzt wurden die völlig überarbeiteten und ergänzten Texte von William Schott, der früher in Oberriexingen wohnte und jetzt im US-Bundesstaat Kansas lebt.
Für die Schautafeln und für einige komplett neue Teile des Museums sind rund 100000 Euro einkalkuliert. Zum Beispiel verschwindet im Hinteren Teil des Ausstellungsraumes ein Modell, welches verschiedene Bodenschichten und einen Müllvergleich zwischen heute und der Keltenzeit zeigt. An dieser Stelle wird eine große Luftaufnahme von Hochdorf angebracht. „Darauf zeigen wir alle Ausgrabungsstätten“, verrät die Museums-Chefin. Beim Betrachten stehen die Besucher auf einer Glasscheibe. Darunter wird die Kelten-Siedlung dargestellt.
Wegen der aufwändigen Umbauten bleibt das Museum in nächster Zeit zweimal geschlossen. Zum ersten Mal von Dienstag (4. August) an bis zum 7. August. Und dann wieder vom 1. bis zum 11. September. Für die Schließung in den Sommerferien habe man sich entschieden, damit keine Schulführungen ausfallen müssen. „Die Führungen mit Schülern machen nämliche einen großen Teil der etwa 500 Führungen im Jahr aus“, sagt Stork. Rund 30000 Menschen sehen die Kelten-Ausstellung jährlich.
Für die Neugestaltung hat sich Simone Stork ordentlich ins Zeug gelegt. Sie ist die einzige wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums. Von Hand musste sie die alten Texte von den Schautafeln abschreiben und in den Computer tippen. Ständig stand sie mit etwa 50 Kollegen zwischen Rom und Los Angeles auf der ganzen Welt in Kontakt um die Informationen auf den neuesten Stand zu bringen. Bei allen Neuerungen steht aber eines fest: „Wir wollen das Museum nicht verfremden, wir verbessern es nur“, sagt Stork.
Von Philipp-Marc Schmid
