Freitag, 18. Mai 2012

Schäferlauf in Markgröningen


Wettlauf der Schäfermädchen. Foto: Bögel
Wettlauf der Schäfermädchen. Foto: Bögel

Markgröningen (ub) – Jasmin Schick (18) aus Haigerloch rennt mit einem Juchzer auf den Ludwigsburger Landrat Dr. Rainer Haas los. Sie ist am Samstag das schnellste Schäfermädchen. Andreas Erhardt (16) aus Stödtlen ist sich bereits nach der Hälfte der Strecke auf dem Stoppelfeld seiner Sache sicher – souverän bildet der einen Kopf kleinere Erhardt zusammen mit Schick das neue Markgröninger Königspaar.
Und es sind richtige Schäfer, die sich auf den Barfußwetz vor rund 4000 Zuschauern einlassen. Mitmachen dürfen nämlich nur Schäferinnen oder Schäfer, die diesen Beruf ausüben oder erlernen und mindestens 14 Jahre alt sind. Es dürfen aber auch Töchter und Söhne von Schäferfamilien an den Start, aber nur, wenn sie noch nicht verheiratet sind.
300 Schritt oder 150 Meter geht es mit nackten Füßen über das Stoppelfeld. Die Prominenz in der VIP-Lounge muss sich da schon fürchten, nicht vom kraftvollen Schwung der Burschen etwas abzubekommen. Die Zahl der Ehrengäste hält sich in diesem Jahr aber in Grenzen: Ministerpräsident Oettinger will erst 2009 wieder kommen, stattdessen schickt die Landesregierung Ministerialdirektor Max Mundig vom Landwirtschaftsministerium. Europaabgeordneter Rainer Wieland ist dabei – und natürlich Annemarie Griesinger, die ehemalige Sozialministerin. Sie und ihr Mann Heinz haben auf privater Schiene zum Schäferlauf noch den früheren Staatssekretär und PR-Chef von Daimler, Matthias Kleinert, eingeladen.
Als Nachfahr der Vögte hat beim Haupttag des Schäferlaufs der Ludwigsburger Landrat Rainer Haas eine wichtige Rolle inne. Er kommt am Samstag um 9 Uhr mit der Kutsche am Markgröninger Rathaus an und eröffnet eine Stunde später mit einem Gedicht offiziell das Festgeschehen. Diese kleine Regieänderung bringt auch Hass’ Pressereferenten Andreas Fritz auf den Plan: Der Landrat lege Wert auf die Feststellung, dass er vor der Eröffnung keine Stärkung bedürfe, sondern die einstündige Verspätung die Planung der Stadt sei.
Auf dem Stoppelfeld wartet jedenfalls am Samstagnachmittag Arbeit auf den Kreischef: Er muss die schnellen Schäfer krönen – und hier das leidige Problem: die Kronen passen meist nicht. Routiniert nestelt Haas am Verschluss und kurz darauf kann das neue Königspaar in die vielen Kameras winken. Jasmin Schick und Andreas Erhardt wirken da noch ein wenig unbeholfen. Schick aus dem Zollernalbkreis setzt sich gegen 14 Konkurrentinnen durch, Erhardt aus dem Ostalbkreis ist der Schnellste im Zehnerfeld – Vorjahressieger Martin Nieß bleibt nur der zweite Platz.
4000 Zuschauer beklatschen bei trockenem Wetter die Zeremonie – allerdings sind doch die einen oder anderen Tribünenreihen unbesetzt. „Es waren aber schon weniger Besucher“, sagt ein altgedienter Ordner. 100000 Besucher werden insgesamt an den Schäferlauftagen in Markgröningern erwartet. „Diese Zahl ist nicht aus der Luft gegriffen. Da haben wir schon Parameter“, erklärt Frank Blessing von der Stadtverwaltung. Das Spektakel auf dem Stoppelfeld, der Umzug am Samstag und Sonntag, der Vergnügungspark, der Krämermarkt – die 14500 Einwohner zählende Stadt brummt. Blessing: „Das Besondere an dem fest ist wahrscheinlich, dass direkt in der Stadt etwas los ist.“
Das 1445 erstmals erwähnte Brauchtum des Schäferlaufs geht vermutlich auf die Geschichte des treuen Schäfer Bartholomäus zurück. Danach schenkte ein Gröninger Graf dem Schäfer Bartholomäus nach einer bestandenen Vertrauensprobe zum Dank ein Schaf. Auch heute noch bekommen Schäferkönig und Schäferkönigin ein Schaf vom Landesschafzuchtverband geschenkt. Am Samstag gibt sich ein Tier mehr als störrisch – das Publikum dankt der Einlage mit Beifall. Das neue Königspaar muss die lebenden Geschenke nicht unbedingt annehmen – es besteht die Option: Geld statt Schaf.
Neben den Wettrennen gibt es auch Wettbewerbe im Sacklaufen, Hahnentanz und Wassertragen. Bei den Nachwuchssackläufern gehen nur zwei an den Start. Markus Pfeiffer hoppelt in seinem Jutesack ohne einen Stolperer geradewegs ins Ziel. Schwierigkeiten hat die Jury bei der Auswahl der besten Hahnentänzer. Sie entscheidet sich schließlich für Boris Bäßler und Sarah Schipp. Gleich zwei Gruppen messen sich im Wassertragen. Beim Nachwuchs balanciert Nadine Weber ihren wassergefüllten Holzeimer auf dem Kopf am schnellsten zu einem großen Fass. Margarete Kramer war die geschickteste bei den Älteren.


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