Markgröningen (elf) – Gleich fünf Teilnehmer hatte der Landesschafzuchtverband beim Leistungshüten im Rahmen des Markgröninger Schäferlaufs zu verzeichnen. Diese unerwartet hohe Zahl hatte Einfluss auf den Zeitplan. So machte sich der erste Schäfer gestern bereits um 7.30 Uhr mit der Herde auf den Weg. Am Ende hatte Holger Banzhaf aus Heldenfingen mit Hund Candy knapp die Nase vorn.
Schäfer Ludwig Gänger aus Spechbach war am Verzweifeln: Nicht genug, dass sein Hund Elli es mit dem Gehorsam nicht so genau nahm. Dann spazierte auch noch ein Fotograf vor der Schafherde her und spielte unfreiwillig den Leithammel. Das Ergebnis: Weder Hund noch Schäfer wurden der Herde mächtig, die hinter dem Fotografen hertrabte. „Elli, Elliiiii“, schrie sich Gänger beinahe die Lunge aus dem Leib, bis ein Zuschauer ein Einsehen hatte, und mit Spazierstock und beherztem Eingreifen die Schafherde stoppte. Nun hatte sich auch der Fotograf aus dem Staub gemacht und Gänger konnte seine Prüfung fortsetzen. Doch das Zusammenspiel zwischen Schäfer, Hund und Schafen wollte sich nicht mehr verbessern. Am Ende wurden die beiden mit 66 Punkten und der Note befriedigend nur Fünfter.
„Sie wollte einfach nicht stehenbleiben und war zu scharf gegenüber den Schafen“, sagte Ludwig Gänger hinterher und streichelte seine Elli. Die beiden waren voraussichtlich das letzte Mal in Markgröningen mit dabei. „Ich wollte hier mit ihr nochmal zusammen hüten“, sagte Gänger, der bereits seit 15 bis 16 Jahren Leistungshüten betreibt. Da der Frührentner mit seinen 68 Jahren aufs Jahr verteilt höchstens noch an acht Wochen zum Hüten kommt, will er auch keine Welpen mehr aufziehen. „Das lohnt sich nicht mehr“, sagte der Mann, der seit 21 Jahren Schäfer ist und daheim mit zwei Hunden 700 Schafe hütet.
Besser als bei Gänger lief es bei Holger Banzhaf aus Heldenfingen. Beinahe ohne Kommandos führte er die Herde mit 250 Schafen durch den Parcours. Sein Hund Candy wusste offenbar stets was zu tun ist und hatte die Herde immer im Griff. Das sahen auch die beiden Preisrichter Manfred Voigt und Günter Tschierschke so, die dem Gespann 82 Punkte und die Note sehr gut gaben. Dahinter folgten Irina Gumpelmayr und Notte aus Baden-Baden (80, sehr gut), Martin Schmid und Polly aus Römerstein (76, gut) sowie Andreas Hopfenziz und Liebert aus Giengen (70, gut).
Das Leistungshüten des Landesschafzuchtverbands Baden-Württemberg an der Straße zwischen Markgröningen und Asperg war wahrlich kein Zuckerschlecken für die 250 Schafe. Fünf Mal hatten sie den kompletten Ablauf zu bewältigen. Schwierig auch für die Schäfer, denn beim ersten Durchgang sind die Schafe noch aufgeregt, während sie beim letzten Hüten müde werden. Deshalb muss die Reihenfolge ausgelost werden.
Das Leistungshüten ist ein Berufswettkampf hauptberuflicher Schäfer, bei dem ein Schäfer mit seinem Hund eine fremde Schafherde mit 250 bis 300 Schafen über das Hütegelände führt. Die zu bewältigenden Aufgaben sind in der sogenannten „Hüteordnung“ vorgeschrieben und werden vom Preisrichterteam nach Punkten bewertet. Zu den Aufgaben gehören das Auspferchen (Schäfer führt die Herde aus dem Pferch), das Treiben zur Weide (der Schäfer führt die Herde über verschiedene Wege zum Weidegelände), das Verkehrshindernis (beim Treiben zur Weide kommt der Herde ein Auto entgegen), die Brücke (der Schäfer hat die Herde über eine Brücke oder durch einen „Flaschenhals“ zu führen), weites und enges Gehüt (der Schäfer beweidet mit der Herde eine kleine und eine große Fläche) und das Einpferchen (Schafherde wird wieder zum Pferch geführt).
