Vaihingen (elf) – Die Autofahrer wundern sich: Gerade Mal ein Vierteljahr ist es her, als die Sanierung der Kreuzung Stuttgarter Straße/Hans-Krieg-Straße in Vaihingen abgeschlossen wurde. Doch erneute Spurrillen lassen die Vermutung aufkommen, dass hier schlampig gearbeitet wurde. Das Landratsamt Ludwigsburg bestätigt: „Wir haben dem beauftragten Unternehmen die Abnahme verweigert“, sagt Walter Jetter, Leiter des Fachbereichs Straßen.
Man benötigt keinen tiefergelegten Sportwagen mit harten Federn um zu merken, dass die „Minimal-Kreuzung“, wie sie im Volksmund gerne genannt wird, nicht dem Zustand entspricht, wie man ihn nach einer 260000 Euro teuren Sanierung erwartet. Im Gegenteil: Gleich in zwei Bereichen sind die Mängel besonders auffällig: auf der Stuttgarter Straße von Enzweihingen her kommend und auf der Hans-Krieg-Straße.
Walter Jetter erklärt das Problem: „Im Fahrbahnbelag ist zu viel Bindemittel. Dadurch ist die Mischung zu weich, weshalb sich Spurrillen gebildet haben.“ Während der Arbeiten an der Kreuzung sei es sehr warm gewesen. Bei höheren Temperaturen werde im Normalfall weniger Bindemittel (Bitumen) verwendet. „Doch das beauftragte Unternehmen hat die Toleranz nach oben ausgenutzt“, weiß Jetter. Soll heißen: Viel Bitumen plus warmes Wetter gleich schlechtes Ergebnis. Einziger Trost: „Wenn es noch heißer gewesen wäre, wären die Auswirkungen noch schlimmer gewesen.“
Mitarbeiter des Landratsamts hätten den Fehler bereits während der Arbeiten (von 14. Mai bis 6. Juni) bei einer Kontrolle bemerkt und entsprechende Materialproben beim Einbau des Fahrbahnbelags entnommen. Doch das Untersuchungsergebnis lag erst zwei Wochen später vor. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits zu spät – der fehlerhafte Fahrbahnbelag war bereits aufgebracht. Bei dem mit den Arbeiten beauftragten Unternehmen handelt es sich nach Auskunft des Landratsamts um das französische Straßenbauunternehmen Eurovia. Eurovia ist eine Tochtergesellschaft des weltweit führenden Bau-, Bauträger- und Betreiberkonzerns Vinci. Der Tätigkeitsschwerpunkt von Eurovia liegt in Europa. Mehr als 40 Prozent der Leistungen erbringt das Unternehmen außerhalb Frankreichs. Den eigentlichen Fehler hat allerdings nicht Eurovia, sondern vielmehr das Mischwerk, das den Fahrbahnbelag „mixte“, verursacht.
Wann die schadhaften Stellen nun repariert werden und in welchem Umfang, steht derzeit noch in den Sternen und hängt davon ab, wie die Gespräche mit Eurovia verlaufen. „Der Fehler ist offensichtlich“, sagt Walter Jetter. Eurovia habe allerdings eigene Untersuchungen angestellt, deren Ergebnisse dem Landratsamt Ludwigsburg noch nicht vorliegen. In erster Linie wird es darum gehen, ob der gesamte Kreuzungsbereich repariert werden muss oder nur die akut betroffenen Stellen. Ob die Maßnahmen noch in diesem Jahr erfolgen, bezweifelt Jetter, zumal die Verkehrssicherheit in den betroffenen Bereichen nicht unbedingt gefährdet sei. Dass solche Sanierungsmaßnahmen am Ende zu Gewährleistungsansprüchen führen, komme schon hin und wieder vor, weiß Jetter: „Doch nicht sehr häufig.“
